Diskriminierung

Studentin bei Nebenjob abgelehnt, weil sie eine Frau ist

Teresa Pflogsch konnte es nicht glauben, als sie die Antwort der Pizzeria bekam: Abgelehnt, weil sie eine Frau ist. „Ich hätte mich einklagen können“, sagt die 19-Jährige.

Foto: Hendrik Schulz

Teresa Pflogsch konnte es nicht glauben, als sie die Antwort der Pizzeria bekam: Abgelehnt, weil sie eine Frau ist. „Ich hätte mich einklagen können“, sagt die 19-Jährige. Foto: Hendrik Schulz

Teresa Pflogsch bewirbt sich bei einer Siegener Pizzeria als Lieferdienstfahrerin. Die Antwort macht sie ziemlich wütend.

Siegen. „Hallo, da im Team alle nur männlich sind, bevorzuge ich weiterhin männliche Arbeitskräfte. Tut mir leid, nur bitte ich darum, es nicht negativ aufzunehmen. LG MP“

Zuerst war Teresa Pflogsch sprachlos. Dann hilflos. Dann wütend. Sie hatte sich für einen Nebenjob als Lieferantin bei einer Siegener Pizzeria beworben. Dann kam die Antwort. „Er hätte schreiben können, dass die Stelle schon weg ist – dass er das so offen zugibt...“ Die 19-Jährige wusste nicht, wie sie damit umgehen soll. „Ich war im ersten Moment so sauer, dass ich nicht geantwortet habe.“

Die Anzeige hatte Pflogsch bei einer Kleinanzeigenseite im Netz gefunden. Die Studentin aus Hemer ist gerade für ihr Studium, Grundschullehramt Sachkunde, Mathe, Deutsch, hergezogen, kann wie alle Studis Geld gut gebrauchen, hat ein Auto, ist flexibel – „ich hätte mich genommen“, sagt sie grinsend. „So viele wollen den Job auch nicht machen.“

Es geht ums Prinzip

Die 19-Jährige schrieb eine Bewerbung, ein bisschen über sich, dass sie sich freuen würde über eine positive Rückmeldung. Mit freundlichen Grüßen, Teresa Pflogsch.

Dass es an ihrem Geschlecht scheitert, hätte sie auch nicht gedacht. „Wenn ich den Job unbedingt wollte, hätte ich mich einklagen können“, sagt sie. Sie wollte nicht sofort antworten, wütend wie sie war, sprach mit ihrer Mutter. Die sah das genauso: Geht gar nicht.

Vorher hatte sie sich eher für „Frauenjobs“ beworben, sagt sie. Aber ist das ein Grund? „Es ist einfach ungerechtfertigt“, sagt sie. „Ich will mich der Situation stellen und beweisen, dass ich das kann, bekomme aber keine Möglichkeit dazu.“ Es geht ihr ums Prinzip. „Solche Leute kommen damit durch.“ Das passt ihr nicht, überhaupt nicht.

Auf der Homepage der Pizzeria deutet eine junge Frau mit offenem Mund den Biss in ein langes, schmales Stück Pizza an. Eine sexuell konnotierte und häufig kritisierte Pose. Das nur am Rande.

Das Gefühl, dass Männer auf sie herabschauen

Manche sagen, dass sie diese Absage vielleicht ein bisschen zu sehr auf die Goldwaage lege. Tut sie das? „Ich finde es wichtig, darauf zu achten, dass ich nicht diskriminiert werde, weil ich eine Frau bin“, sagt sie. So etwas ist ihr zum ersten Mal passiert.

„Aber ich kenne das Gefühl, dass Männer sich überlegen fühlen und es Frauen spüren lassen“, sagt sie. Als ihr Auto kaputt war, sagte ihr der Mechaniker: „Den Grund musst du nicht wissen.“ Sie wolle das aber gerne wissen, Pflogsch insistierte. Richtig erklärt hat ihr der Mann das technische Problem trotzdem nicht.

Vielleicht meinte es der Inhaber der Pizzeria ja sogar gut, auf krude Art und Weise, sagt Pflogsch. Er wollte sie davor bewahren, mit den Männern zu arbeiten – warum auch immer. Würde sie sonst dauernd begrapscht? Müsste sich Sprüche anhören? Wo sie doch unterwegs ist und die Pizzeria nur betritt, wenn sie von einer Tour zurückkommt? Warum soll sie das nicht schaffen? Würden sich die anderen gestört fühlen in ihrer Männerclique? Vielleicht hat der Mann es gut gemeint. Aber er hat sie geringgeschätzt, wegen ihres Geschlechts.

Der Inhaber ist sich keiner Schuld bewusst

Anruf in der Pizzeria. So könne man das nicht verstehen, sagt der Inhaber – es seien eben alles Männer im Team, er habe sie verschonen wollen. Wovor? Naja. Sie passe halt nicht gut rein. Er kennt sie doch gar nicht. „So kann man das nicht verstehen“. Doch, kann man. „Es gibt halt Berufe, für die Männer geeignet sind, sie sind robuster, im Handwerk zum Beispiel.“ Es gibt Handwerkerinnen. Die sind genauso gut in ihrem Beruf. „Ich wollte nicht diskriminierend sein.“ Waren Sie aber. „Es tut mir leid, das war nicht meine Absicht. Ich wollte nur ehrlich sein – ich hätte ja sagen können, dass der Job schon vergeben ist.“ Hätte er das mal gemacht.

Teresa Pflogsch hat jetzt einen Nebenjob in der Kinderbetreuung. Sie zieht ironisch eine Augenbraue hoch. „Das ist eher was für ‘ne Frau.“

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