Medizin

Siegen: Tumor-Entfernung mit Roboter im Jung-Stilling

Die urologische Abteilung im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen um Chefarzt Dr. Peter Weib (rechts) und Mahmoud Farzat, Sektionsleiter Robotische Urologie, nutzt seit fast zwei Jahren erfolgreich den Da-Vinci-Roboter.

Die urologische Abteilung im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen um Chefarzt Dr. Peter Weib (rechts) und Mahmoud Farzat, Sektionsleiter Robotische Urologie, nutzt seit fast zwei Jahren erfolgreich den Da-Vinci-Roboter.

Foto: Diakonie in Suedwestfalen

Siegen.  In Siegen wird das Robotersystem „da Vinci X“ am Diakonie Klinikum Jung-Stilling seit zwei Jahren erfolgreich für präzise Operationen genutzt

Komplexe Operationen an Prostata, Blase, Harnwegen und Niere minimalinvasiv und mit modernster Technik durchführen – dies ist für die urologische Abteilung im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen seit fast zwei Jahren Alltag. Mehr als 250 Eingriffe hat das Urologie-Team um Chefarzt Dr. Peter Weib, Sektionsleiter Robotische Urologie Mahmoud Farzat und dem leitenden Oberarzt Christoph Holtmannspötter seit November 2018 mit dem Robotersystem „da Vinci X“ erfolgreich vorgenommen.

Das Spektrum an Operationen vergrößert sich dabei stetig. So hat das Team jetzt erstmals eine Entfernung der Harnblase mit anschließendem Harnblasenersatz mit dem Roboter durchgeführt. Hierbei wird an Ort und Stelle eine Ersatzblase aus Dünndarm geformt. Zwei bis drei dieser komplexen Operationen führt das Team im Monat durch – von nun an mit dem Da-Vinci-System. „Der Roboter kommt seit längerem bei gut- und bösartigen Erkrankungen der Prostata, der Blase, der Harnwege, der Niere und der Blase zum Einsatz. Nun können wir auch den Harnblasenersatz robotisch durchführen. Damit decken wir bis auf Nierentransplantationen die gesamte Bandbreite urologischer Operationen robotisch ab“, erklärt Dr. Weib.

Krankenhausaufenthalt in Siegen wird verkürzt

Das Da-Vinci-System ermöglicht es den Chirurgen, besonders präzise von innen zu operieren. Der Operateur steuert die Instrumente von einer Konsole aus millimetergenau und kann so feinste Schnitte ohne Zittern setzen. Der Vorteil für die Patienten: Ein schonenderer Eingriff mit schnellerer Heilungszeit, auch nach komplexen Eingriffen. „Bisher haben wir den Harnblasenersatz mikrochirurgisch operiert. Dabei war der Schnitt etwa neun Zentimeter lang, mit dem Roboter sind es nur noch neun Millimeter“, veranschaulicht Farzat die Unterschiede. Dank des schonenden Verfahrens können die Patienten statt nach mehreren Wochen bereits nach einigen Tagen entlassen werden. Auch bei Nieren- und Prostataoperationen verkürzt sich der Krankenhausaufenthalt. „Die meisten Patienten sind schon am Tag nach der OP fit, mobil und mit üblichen Schmerzmitteln beschwerdefrei“, so Farzat.

Ein weiterer Pluspunkt für Prostata-Patienten: Statt nach einer Woche kann der Katheter schon am ersten Tag nach dem Eingriff entfernt werden, denn die Nähte können wasserdicht geschlossen werden. Der Einsatz des Roboters eröffnet den Chirurgen außerdem Möglichkeiten, auch Patienten zu operieren, für die eine offene Operation nicht infrage käme, wie Dr. Weib erläutert: „Zum Beispiel konnten wir mehreren Patienten mit Prostata- und Blasenerkrankung helfen. Diese hatten einen speziellen Gefäß-Bypass, der quer durch den Bauchraum verlief. Eine offene Operation mit Längsschnitt wäre nicht möglich gewesen. Außerdem haben wir auch stark übergewichtige, kardiologisch vorbelastete oder mehrfach voroperierte Patienten operiert.“

Auch Nicht-Risiko-Patienten profitieren von der besonders präzisen Technik. „Mehr als 90 Prozent unserer Patienten sind nach der Roboter-OP tumorfrei. Das liegt daran, dass wir zusätzliche Blickwinkel auf das Organ haben und genauer schneiden können.“

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