Bürgerpark-Plan

Siegen: Das Herrengarten-Einkaufszentrum leert sich

An den neuen Ufern der Sieg wird ein Bürgerpark entstehen. Dazu soll das Ende der 1970er Jahre errichtete Einkaufszentrum abgerissen werden.

An den neuen Ufern der Sieg wird ein Bürgerpark entstehen. Dazu soll das Ende der 1970er Jahre errichtete Einkaufszentrum abgerissen werden.

Foto: Hans Blossey

Siegen.  Ende des Jahres wird das letzte Geschäft das Herrengarten-Einkaufszentrum verlassen – wenn Stadt und Mieter den Aufhebungsvertrag unterschreiben.

Die Rückverwandlung des Herrengartens in eine Grünanlage kann beginnen. Die Stadt ist mit dem letzten Mieter handelseinig geworden, der Hauptausschuss wird am heutigen Mittwoch, der Rat am 25. September über den Mietaufhebungsvertrag beschließen. Dann muss das Schriftstück nur noch beim Notar beurkundet werden.

Der Plan

Stadtbaurat Henrik Schumann skizziert im Gespräch mit dieser Zeitung die nächsten Schritte: Die Ausschreibung der Abbrucharbeiten kann beginnen, mit den Preisträgern des Realisierungswettbewerbs wird nun verhandelt, wie und durch wen die weitere Gestaltungsplanung erfolgt. Gewonnen hatte im vorigen Jahr das Dresdner Büro Rehwaldt mit dem Entwurf eines multifunktional nutzbaren Gartens mit Rasen, Sitzmöbeln und einem Zierkirschenhain. Mit der Bezirksregierung wird die Stadt über die Förderungsdetails sprechen; immer noch im Rahmen des Programms „Siegen zu neuen Ufern“ wird mit einem 70-Prozent-Zuschuss gerechnet.

2020/21 könnte das Einkaufszentrum abgerissen, danach der Park angelegt werden. Der Abbruch wird aufwändig: Die Bebauung ist komplett unterkellert. „Wir versuchen, das so schnell wie möglich zu verwirklichen“, sagt Schumann. 2013 schon hatte die Stadt den kleineren Teil der Immobile gekauft. Der größere gehörte den „Bahnhofs-Arkaden“, ein Konsortium aus Sparkasse und Bauunternehmen, das das Grundstück eigentlich neu bebauen wollte, damit aber auf massiven Widerspruch stieß. Ende 2016 konnte die Stadt auch die anderen Geschäftsflächen erwerben. Der Rat gab grünes Licht für den „Bürgerpark“, in den sich das 1977 errichtete Einkaufszentrum zurückverwandeln sollte. Erstmals erwähnt wird der Herrengarten als Landschaftspark von Fürst Wilhelm Moritz, der sich bis zur heutigen Tiergartenstraße erstreckte.

Die Mieter

Die „sinnvolle und rechtssichere Abwicklung der noch gültigen Mietverträge“ hat der Rat im Dezember 2016 der Verwaltung als Auftrag mit auf den Weg gegeben. Das ist dann nach und nach auch geschehen. Die letzte der drei Wohnungen wird Ende dieses Jahres geräumt. Der Optiker zog schon 2016 um, das Reformhaus folgte 2017. Friseur, Akustiker, Anwaltskanzlei und Bekleidungsgeschäft folgten 2018. In diesem Jahr zieht das Rückentrainingsstudio nach Weidenau, das Asia-Restaurant in die Oberstadt um.

Als Zwischennutzer eingestiegen ist die Uni, die Seminarräume im ehemaligen Reformhaus gemietet und das Fab Lab beim ehemaligen Optiker eingerichtet hat; die Berufs- und Wirtschaftspädagogik hat 2018 einige der ehemaligen Kanzleibüros bezogen. Übrig blieb das Blumengeschäft, dessen Inhaber – während die Stadt gerade mit den „Bahnhofs Arkaden“ handelseinig wurde – eine Verlängerungsoption zog: Bis 2028 hätte das Geschäft bleiben können. In ihrer – nicht öffentlichen – Vorlage berichtet die Verwaltung von den schwierigen Verhandlungen.

Etwa 20 Alternativstandorte seien angeboten worden, auch eine Containerlösung sei geprüft worden, wo das Geschäft bis zu einem Umzug ins neue Johann-Moritz-Quartier hätte bleiben können, das ab nächsten Jahr im Karree Bahnhof-/Fürst-Johann-Moritz-Straße entsteht. Untersucht worden sei schließlich auch Teil-Abriss, so dass der vermietete Teil der Immobile stehen geblieben wäre, während mit dem Herrengarten-Bau bereits begonnen würde. „Erhebliche und für die Stadt Siegen unannehmbare Abstandszahlungen“ seien gefordert worden, heißt es in der Vorlage. Den Auszug zum Jahresende 2019 lässt sich die Stadt nun einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich kosten.

Was das Vorhaben insgesamt kosten wird, ist für den Stadtbaurat offen. Aktuelle konkrete Zahlen werden wohl in den Verhandlungen mit den Architektenbüros auf den Tisch kommen, erwartet Henrik Schumann. Ende 2016 wurden die Kosten auf 7,6 Millionen Euro geschätzt, wobei die Stadt als Eigenanteil den bereits 2013 erfolgten Kauf der Teil-Immobilie einbringt.

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