Mobilität

Siegen: Carsharing kommt rund ums Kreishaus in Fahrt

Der Kreis Siegen-Wittgenstein nutzt als Ankermieter drei Fahrzeuge des Carsharing-Anbieters Flinkster als Dienstwagen. Außerhalb der Dienstzeiten der Kreisverwaltung stehen die Autos auf dem Parkplatz an der Koblenzer Straße der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein nutzt als Ankermieter drei Fahrzeuge des Carsharing-Anbieters Flinkster als Dienstwagen. Außerhalb der Dienstzeiten der Kreisverwaltung stehen die Autos auf dem Parkplatz an der Koblenzer Straße der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.  Ohne die Kreisverwaltung als Ankermieter wäre ein wirtschaftlicher Betrieb der Flinkster-Fahrzeugflotte noch nicht möglich.

Das erste Carsharing-Angebot in der Groß- und Universitätsstadt Siegen kommt langsam in Fahrt. Das Angebot sei gut angelaufen, „für einen wirtschaftlichen Betrieb des Projekts muss die Zahl der Nutzer aber noch steigen“, teilt das Unternehmen Flinkster mit, das die drei Siegener Carsharing-Fahrzeuge betreibt. Das Angebot hat im März seinen Betrieb aufgenommen. Zumindest aber für den Kreis ist das auf ein Jahr angelegte Pilotprojekt schon jetzt eine Erfolgsgeschichte – die ursprünglich drei Autos wurden inzwischen um ein viertes ergänzt.

Das System

„Ankermieter“ der drei Flinkster-Fahrzeuge, die gegenüber dem Kreishaus an der Koblenzer Straße auf dem Parkplatz zwischen ehemaligem Landesbehördenhochhaus und Tankstelle stationiert sind, ist die Kreisverwaltung. Die hatte, nachdem alte Leasingverträge für in die Jahre gekommenen Wagen ausgelaufen waren, darauf verzichtet, eigene neue Dienstfahrzeuge zu beschaffen, sondern stattdessen die Kooperation mit der Bahn-Tochter Flinkster ins Leben gerufen – eine bis dahin unbesetzte Marktlücke in Siegen.

„Wir müssen noch Erfahrungen sammeln und uns an das System gewöhnen“, meint Klaus Irle, zuständiger Sachgebietsleiter Immobilien im Kreishaus. Einige Mitarbeiter würden die Flinkster-Autos sehr gern nutzen, wüssten die flexible Handhabung wie beispielsweise die unkomplizierte Buchung über eine Smartphone-App sehr zu schätzen. Andere blieben bei der „altbewährten“ Methode der kreiseigenen Fahrzeugflotte – was völlig in Ordnung sei, „wie können beides anbieten“, sagt Irle.

Der Allgemeinheit stehen die Wagen außerhalb der Kreis-Dienstzeiten zur Verfügung: Wer ab spätnachmittags und an Wochenenden ein Flinkster-Fahrzeug nutzen möchte, muss sich dazu lediglich auf flinkster.de registrieren und kann nach Anmeldung und Wahl des Siegener Fahrzeugs per App oder Schlüsselkarte das Auto freischalten. Es gibt keine Monatsgebühr, Buchungen sind ab 1,50 Euro pro Stunde möglich.

Die Vorteile

Beide Seiten profitieren – Flinkster kann sich auf eine regelmäßige Nutzung seiner Fahrzeuge verlassen, das Angebot ist wirtschaftlich. Der Kreis spart sich Beschaffung und Betreuung zumindest eines Teils des Fuhrparks, der nun nicht mehr verwaltet, gewartet, versichert und repariert werden muss. Das wird über Pauschalen an Flinkster abgegolten – was im Vergleich zum Leasing Geld und Personal spart. Eine Win-win-Situation.

Als drittes profitiert perspektivisch auch die Bevölkerung. Denn es hat Jahre gedauert, bis sich in der 100.000-Einwohner-Stadt ein Carsharing-Angebot etablieren konnte. Was untypisch ist, gerade für Universitätsstädte, in denen zum Beispiel Studierende häufig nicht genug Geld, aber dennoch regelmäßig Bedarf an einem fahrbaren Untersatz haben. In Ballungszentren ist das längst der Fall. Für die etablierten Carsharing-Anbieter ist Siegen, von der Bevölkerungszahl durchaus groß genug, offensichtlich ein Standort mit Unwägbarkeiten; noch ist nicht klar, wie groß das Potenzial von eigenwirtschaftlich betriebenen Carsharing-Stationen in der Stadt ist. Es könnte sich lohnen – mindestens als Ersatz für Zweit- oder gar Drittfahrzeuge. Man arbeite zusammen mit dem Kreis daran, noch mehr Bürgerinnen und Bürger von der Alltagstauglichkeit zu überzeugen und für das Carsharing als zeitgemäße Mobilitätslösung zu gewinnen, so Flinkster.

Die Stadt Siegen könnte zudem langfristig profitieren. Neben einer Vorbildfunktion der öffentlichen Hand soll die Zahl der Fahrzeuge im chronisch verstopften Zentrum reduziert werden – neben der Anpassung von Ampelschaltungen kann ein sich mehr und mehr etablierendes Carsharing-Angebot durchaus dazu beitragen. Auch deshalb, weil die Mitarbeiter, die für Dienstfahrten ihre privaten Autos nutzen, nun die Möglichkeit haben, nicht mehr zur Arbeit fahren zu müssen – ihnen stehen ja Autos am Arbeitsplatz zur Verfügung.

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