Naturschutzbericht

Siegen bleibt Deutschlands waldreichste Großstadt

Der Tiergarten ist eine der Waldflächen, die von vielen Stellen in der Innenstadt aus auch zu Fuß schnell zu erreichen sind.

Der Tiergarten ist eine der Waldflächen, die von vielen Stellen in der Innenstadt aus auch zu Fuß schnell zu erreichen sind.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Der Naturschutzbericht 2018 der Stadt Siegen weist einen Waldanteil von 51,8 Prozent aus. Probleme gibt es mit invasiven Tier- und Pflanzenarten.

Die Ausweisung weiterer Gewerbegebiete wird für die Stadt Siegen aus Gründen des Natur- und Umweltschutzes „enorme personelle Anstrengungen und einen erheblichen Kostenaufwand erfordern“. Grund sind die bei derartigen Projekten gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Unter anderem geht das aus dem Naturschutzbericht der Stadt Siegen 2018 hervor, der am heutigen Dienstag Thema im Ausschuss für Umwelt, Landschaftspflege und Energie ist.

Formales

Nach 1996 und 2003 ist es der dritte Naturschutzbericht, den die Umweltabteilung vorlegt. Hintergrund ist der Beschluss des Umweltausschusses, „in regelmäßigen Abständen den Ausschuss und die Öffentlichkeit über den Zustand der Umwelt im Stadtgebiet Siegen“ zu informieren, wie es in der Vorlage heißt. Dies soll der Dokumentation dienen, Handlungsdefizite und „Maßnahmen zur Verbesserung der landschaftsökologischen Situation im Stadtgebiet“ aufzeigen und „zur Steigerung des Umweltbewusstseins“ beitragen.

Inhalte

Die 72-seitigen Ausführungen bauen „weitgehend auf den ersten Berichten auf“, so die Vorlage. Sie wurden aber auch um weitere Themen – zum Beispiel Neophyten – ergänzt.

Flächennutzung. Mit 51,8 Prozent Waldfläche bleibt Siegen „die waldreichste Großstadt Deutschlands“. Von den rund 5800 Hektar Waldflächen gehören der Stadt 950 Hektar, der Rest ist überwiegend Eigentum von Waldgenossenschaften. 33,8 Prozent des Gesamtgebiets der Stadt sind Siedlungs-, 12,9 Prozent Landwirtschaftsfläche – letzteres bedeute „einen vergleichsweise geringen Anteil“, ist im Bericht vermerkt. 1995 machten dieser Posten noch 14 Prozent aus – dafür haben sich seitdem die Siedlungsflächen anteilmäßig vergrößert (1995: 31,9 Prozent), ebenso wie die Waldflächen (1995: 50,5 Prozent).

Ausgleichsmaßnahmen. Für Bauprojekte und sonstige Eingriffe in die Natur sind gesetzliche Maßnahmen vorgeschrieben, mit denen negative Auswirkungen minimiert beziehungsweise ausgeglichen werden können. Diese können, müssen aber nicht in unmittelbarer räumlicher Nähe erfolgen. Im Bericht sind Beispiele, wie die Anlage einer Feldhecke und einer Obstwiese im Jahr 2000 in Volnsberg (als Ausgleich für Maßnahmen im Zuge des Wohngebietprojekts „Bürbacher Giersberg“) oder die Anlage von zwei Amphibien-Laichgewässern im Jahr 2010 (wegen des Gewerbegebiets Martinshardt), aufgeführt. Es gebe allerdings auch die Möglichkeit, so genannte Ökopunkte Dritter zu kaufen, die diese durch ökologisch wertvolle Maßnahmen gesammelt haben. Dies biete sich, wie es in den Ausführungen heißt, „bei der geplanten Ausweisung von Gewerbegebieten (z.B. Martinshardt 2)“ als „praktikabler Weg an“, sofern entsprechende Maßnahmen nicht mit eigenen Ressourcen zu leisten sein sollten. „Zuvor sollten jedoch alle Möglichkeiten zur Durchführung ortsnaher Kompensationsmaßnahmen genutzt werden, um tatsächliche landschaftsökologische Verbesserungen im Stadtgebiet zu erreichen.“

Neophyten und Neozoen. Gebietsfremde, invasive Pflanzen- und Tierarten sind ein zunehmendes Problem. Die Umweltabteilung hat bezüglich der Pflanzen mit der Erarbeitung eines stadtweiten Katasters begonnen, um Vorkommen und Ausbreitung als bedenklich eingestufter Neophyten im Blick zu haben und gegebenenfalls darauf reagieren zu können. Vor allem geht es dabei um Riesenbärenklau und Beifuß-Ambrosie. Bei den invasiven Tieren steht der Signalkrebs unter Beobachtung, weil er „als Überträger der Krebspest den heimischen Edelkrebs auch in den Siegener Gewässern bereits an den Rand des Aussterbens gebracht hat“.


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