Ratssitzung Kreuztal

Realschule Kreuztal soll wieder drei Klassen bilden dürfen

Kinder spielen in den Wasserfontänen auf dem Roten Platz in Kreuztal: Diesen Spaß machen sie sich auch in diesem Sommer, wenn es wieder heiß wird. Die Schule ist – anders als bei den Erwachsenen – vergessen.

Kinder spielen in den Wasserfontänen auf dem Roten Platz in Kreuztal: Diesen Spaß machen sie sich auch in diesem Sommer, wenn es wieder heiß wird. Die Schule ist – anders als bei den Erwachsenen – vergessen.

Foto: Hendrik Schulz

Kreuztal.  Schuldebatte im Kreuztaler Rat zum Ferienauftakt: So schnell wird es wohl nicht gelingen, die Kapazität der Realschule wieder zu erweitern.

Der Schulausschuss wird sich im September erneut mit der Ernst-Moritz-Arndt-Realschule befassen. Darauf hat sich am Donnerstag der Rat verständigt. Ziel wird sein, die Schule wieder dreizügig zu führen.

Eine Schul-Diskussion am letzten Tag vor den Ferien und vor dem Ausstieg in die politische Sommerpause: Anlass war die Forderung der Realschule, dass der Rat seinen im November 2018 gefassten Beschluss wieder aufhebt – der hatte nämlich dazu geführt, dass die Schule 20 Anmeldungen zu den 5. Klassen im nächsten Schuljahr abweisen musste. Die Eltern von sieben betroffenen Kindern haben dagegen Widerspruch eingelegt, sechs Widersprüche wurden bereits von der Bezirksregierung zurückgewiesen.

Schulausschuss und Rat hatten die Auflösung der Hauptschule Eichen, die Erweiterung der Gesamtschule um einen fünften Zug und die Kappung der einst vierzügigen Realschule auf zwei Züge – die, so die Annahme, reichten angesichts der Anmeldezahlen aus den letzten Jahren aus. „Wir hatten uns auf den Schulentwicklungsplan verlassen“, sagte Schulausschussvorsitzende Heike zur Nieden (SPD) im Rat, „das Ergebnis des Anmeldeverfahrens hatte uns überrascht.“

Kein freier Platz für Wiederholer

Was nicht so folgenreich gewesen wäre, wenn nicht auch noch eine andere Annahme nicht eingetroffen wäre: Schule und Stadt waren davon ausgegangen, dass bei etwaigen höheren Anmeldezahlen eine „Mehrklasse“ unproblematisch gebildet werden könnte. „In gutem Glauben“ habe der Rat daher die empfohlenen Beschlüsse gefasst, erinnerte Uwe Saßmannshausen (fraktionslos). Die Bezirksregierung reagierte aber anders: Sie verwies auf freie Plätze an der Gesamtschule. Für die abgewiesenen Kinder stelle sich daher kein „Beschulungsproblem“. Die Realschule durfte nur 54 Kinder aufnehmen.

„Wenn man einen Fehler gemacht hat, sollte man ihn eingestehen und korrigieren“, forderte Reinhard Lange (UWG). Von „Fehler“ könne keine Rede sein, widersprach Frank W. Frisch (FDP): „Wir hatten doch keine andere Möglichkeit, als so zu entscheiden.“ Neue Erkenntnisse seien nun dazugekommen, auf die die Schule hingewiesen habe: Kinder, dei mit „Deutsch als Zweitsprache“ beginnen, besuchen die 5. Klasse in der Regel zwei Jahre – für sie wie später für die Wiederholer am Ende der Erprobungsstufe ist in den beiden Klassen, die nach den Sommerferien gebildet werden, kein Platz mehr frei, so dass sie im schlimmsten Fall die Schule wechseln müssten. Frisch: „Die Situation zwingt uns, erneut darüber nachzudenken.“

„Das konnten wir alle nicht vorhersehen“, sagte Philipp Krause (CDU), der die allgemeine Einigkeit über ein Umdenken ausdrücklich begrüßte: „Es gäbe auch andere Bereiche, wo wir noch nachjustieren könnten – es scheint ja möglich zu sein.“ Die Anspielung könnte auf die Situation der katholischen St.Martin-Grundschule zielen: Die ist von einer Ratsmehrheit auf einen Zug begrenzt worden, so dass in den letzten Jahren immer wieder Kinder abgewiesen werden mussten. Erst in diesem Sommer darf die Schule, weil die Kinderzahl insgesamt gestiegen ist, zwei Parallelklassen bilden.

„Wir sind sehr unzufrieden“, sagte eine Mutter später in der Einwohnerfragestunde. Der Rat hätte doch einmalig den Jahrgang dreizügig einrichten lassen können. „Warum wurde das nicht getan?“ Stadträtin Edelgard Blümel wies das zurück: „Das kann so nicht stimmen.“ Der Hinweis der Mutter auf die Auskunft eines Anwalts und der Bezirksregierung überzeugte die Schuldezernentin nicht: „Vor Gericht stehen immer zwei Anwälte – nur einer hat Recht.“ Stadträtin Blümel dämpfte auch die Erwartung, „schon“ zum Schuljahr 2020/21 könne die Realschule wieder drei Eingangsklassen bilden. Dazu müsse das Verfahren, einschließlich einer neuen Schulentwicklungsplanung, schon im November 2019 abgeschlossen sein. „Und das wage ich zu bezweifeln.“

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