Wahl

Prof. Holger Burckhart bleibt Rektor der Universität Siegen

Grund zum Strahlen: Prof. Holger Burckhart nach der Wahl.

Grund zum Strahlen: Prof. Holger Burckhart nach der Wahl.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.  Hochschulwahlversammlung der Uni Siegen bestätigt den Amtsinhaber für eine dritte Amtszeit. Burckhart möchte nun Weichen für die Zukunft stellen.

Der alte und neue Rektor der Universität Siegen heißt Holger Burckhart. Die Hochschulwahlversammlung stimmte im ersten Wahlgang am Montag, 1. Juli, mehrheitlich für den 63-jährigen Philosophieprofessor, der das Amt seit 2009 bekleidet. Seine dritte Amtszeit dauert vier Jahre, bis 2023. Nachdem sich die Wahlversammlung im Dezember auf keinen Kandidaten hatte einigen können, hatte der Amtsinhaber seinen Hut erneut in den Ring geworfen.

Der Kandidat

Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, so Burckhart. Die Ereignisse der vergangenen Monate hätten Kraft gekostet – etwa die gescheiterte Kandidatensuche, die Diskussion um Wissenschafts- und Meinungsfreiheit. Er habe intensiv überlegt, ob er für eine dritte Amtszeit noch Ideen habe, so Burckhart, „ich hätte auch noch anderthalb Jahre Professor sein und dann mit meinen Enkeln segeln gehen können.“ Schließlich seien er und seine Familie aber zu der Überzeugung gelangt, dass er eine dritte Amtszeit anstreben solle, um die Dynamik der Hochschule weiter zu begleiten – die Burckhart selbst maßgeblich angestoßen hat – und die Hochschule zukunftsfest aufzustellen.

Elf Bewerbungen gingen nach der Neuausschreibung des Rektorenamts ein, berichtete Prof. Martin Herchenröder, Vorsitzender der Findungskommission. Eine Personalagentur sei eingeschaltet worden, um mögliche weitere Kandidaten anzusprechen, es habe sich aber niemand weiter beworben. Man sei einstimmig zur Einschätzung gelangt, dass nur der Amtsinhaber die geforderten Kriterien erfülle. Burckhart verspreche gleichzeitig Kontinuität und Entwicklungsperspektiven.

Die Ziele

Sind durchaus nicht tief gestapelt. Zwei weitere Fakultäten ins Zentrum, die Naturwissenschaften auf dem Haardter Berg ausbauen sowie das Projekt „Medizin neu denken“ mit dem Ziel einer medizinischen Fakultät Siegen sind quasi gesetzt. Holger Burckhart betonte in seiner Bewerbungsrede den Anspruch, Volluni zu werden – inklusive juristischer Fakultät. Und auch für die Exzellenz-Initiative 2024/25 soll die Hochschule unter seiner Ägide ihren Hut in den Ring werfen. „Ich möchte Ruhe reinbringen, aber keinen Stillstand“, sagt er. Das soll sich auch personell – etwa in der Besetzung und im Zuschnitt der Prorektorate – zeigen. Seine Ziele für die Amtszeit hat Burckhart unter dem Konzept „Exzellente Strukturen für fokussierte Forschung und individualisierte Lehre“ zusammengefasst. Einige Eckpunkte:

Forschung an und für die Region. Interdisziplinäre Zusammenarbeit (Competence Areas) solle stärken, ohne einzelne Fächer zu schwächen. Industrieforschung an den Bedürfnissen und Fragestellungen der hiesigen Gesellschaft, des hiesigen Mittelstands ausrichten. Weitere Sonderforschungsbereiche, Ansiedlung außeruniversitärer Institute (Fraunhofer, Leibniz). Digitalisierung und Künstliche Intelligenz als Schwerpunktthemen, mit denen die Uni Siegen punkten könne: Nicht mit Grundlagenforschung, sondern in ihrer gesellschaftlichen Relevanz – ob und wie Wissenschaft in der Praxis angenommen und umgesetzt werde. „Der gesellschaftliche Kontext ist bereits die Forschungsmarke der Uni schlechthin geworden.“

Individualisierte Lehre. „Das Individuum beim eigenverantwortlichen Lernen unterstützen“, nennt Burckhart das. Die umstrittene Bologna-Reform als Gestaltungsschablone begreifen, Studierende in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stärker fördern, ihnen dazu Freiräume geben, statt ein Studium „voll mit Modulen zu stopfen.“ Hier – ebenso im akademischen Mittelbau – gelte es, Karrierewege frühzeitig und transparent aufzuzeigen und verlässliche Strukturen zu errichten.

Kommunikation und flache Hierarchien. Die Uni sei nicht nur Lernumgebung, sondern auch sozialer Lebensraum mit partizipativen Formaten und Verfahren, „es soll von allen getragen werden, ohne Zwang“, so Burckhart. Die Hochschule habe sich weiterentwickelt, wolle und müsse neue Perspektiven, Andersartigkeit – im Sinne von Gleichwertigkeit – zulassen.

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