Demonstration

Ostermarsch in Siegen mit klaren Botschaften

Beim Ostermarsch ziehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Siegener Unterstadt. Etliche Gruppen und Initiativen machen mit.

Beim Ostermarsch ziehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Siegener Unterstadt. Etliche Gruppen und Initiativen machen mit.

Foto: Michael Kunz

Siegen.   Breites linkes Bündnis will in Siegens Innenstadt Zeichen gegen Aufrüstung und militärischen Weg der Konfliktlösung setzen.

Über die Siegbrücke schallt Pete Seegers „Where have all the Flowers Gone“, in der deutschen Fassung. Marlene Dietrich singt, oder zumindest jemand, der sich ziemlich ähnlich anhört.

Es werde Zeit, auch in Siegen einmal wieder ein Zeichen für den Frieden zu setzen, angesichts einer zunehmenden Anzahl von Kriegen überall auf der Welt, verkündet Ute Waffenschmidt-Leng mit lauter Stimme. Die Pfarrerin der Evangelischen Martini-Kirchengemeinde spricht vor einigen Dutzend Menschen, die dem Aufruf gefolgt sind, in einem kleinen Ostermarsch durch die Stadt zu ziehen. Die bummelnden Passanten zeigen eher wenig Interesse.

Pantomimische Anklage

„Friedensfreunde und Kriegsgegner“ werden von allen Rednern des Tages adressiert, die für die verschiedenen Initiatoren der Aktion stehen, die Deutschland als einen der entscheidenden Verantwortlichen der „verheerenden weltpolitischen Situation“ sieht: ABFS – Aktionsbündnis Friedensbewegung Südwestfalen, ADHK-Siegen, attac Siegen, Aufstehen Siegen, Buchhandlung Bücherkiste, B90/Die Grünen Stadtverband Siegen, Die Linke Siegen-Wittgenstein, DKP Siegen, Gustav-Heinemann-Friedensgesellschaft, Hackers Against Climate Change, Internationalistisches Bündnis, IPPNW Siegerland, MLPD Siegen, Pflege am Boden Siegen, SDAJ Siegen.

Nach ersten Ansprachen geht es über die Sandstraße und die Hindenburgstraße Richtung Bahnhof, dann über die Bahnhofstraße zurück zum Ausgangspunkt. Dort warten weitere Redebeiträge. Am Anfang steht eine pantomimische Anklage gegen die Rüstungsexporte. „Wir haben uns drei Länder als Beispiele herausgesucht“, sagt Renate Helm, die dunkel und „seriös“ gekleidet an einem Tisch mit der Aufschrift „Bank“ sitzt und einen Tresor neben sich aufgebaut hat, für die unlauteren Gewinne.

Es werde ja immer gesagt, die Exporte würden den Ländern helfen, sich zu verteidigen und Sicherheit zu schaffen – natürlich sei das Gegenteil der Fall, erklärt die Sozialpädagogin, während ihre Mitstreiter die Ukraine und die Zentralafrikanische Republik repräsentieren und an die bitteren Folgen des Bürgerkriegs im Jemen erinnern.

Kritik an Nato und Bundesregierung

Ärztin Monika Richter, seit der Gründung 1982 Mitglied der deutschen Sektion der „Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung“, kurz IPPNW, fordert den Abzug aller Atomwaffen und den Austritt Deutschlands aus der NATO, prangert wie auch andere Redner die ständige Aufrüstung an und ist überzeugt, dass die Autobahnen vor allem deshalb ertüchtigt und mit Brückenneubauten versehen werden, um noch leichter Truppen Richtung russischer Grenze verlegen zu können.

„Nach wie vor gilt: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland!“, findet Linke-Bundestagsabgeordnete Sylvia Gabelmann und warnt vor den Verschärfungen der Polizeigesetze in verschiedenen Bundesländern, während Traugott Nassauer (Internationalistisches Bündnis) allgemein gegen die stete und heimliche Aufrüstung der EU wettert und jede Zurückhaltung der Bundesregierung in diesem Bereich als heuchlerisch abtut.

Ulrich Schloos (ABFS) fordert eine Wandlung in der Haltung zu Russland, einen Rückzug der deutschen Soldaten aus allen NATO-Verbänden im Osten, einen neuen Dialog und eine Aufhebung aller Sanktionen.

Weitere Themen sind die Aufhebung des INF-Vertrags und die Auslandseinsätze der Bundeswehr, die nach Ansicht der Redner und Teilnehmer nichts zu tun haben mit „weltweiter Verantwortung“, sondern insbesondere Einflussgebiete und Zugang zu Rohstoffen absichern helfen sollen. All dies und gerade auch die Anwürfe gegen Europa werden unter anderem von Mitgliedern der Grünen beklatscht, die zugleich mit einem Wahlkampfstand auf der Oberstadtbrücke vertreten sind, und auf deren Plakaten zur bevorstehenden Wahl die EU als gute Idee für den Frieden und die Zukunft beworben wird.

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