Mobilität

ÖPNV-Befragung: Das wünschen sich die Siegen-Wittgensteiner

Einer von vielen Kritikpunkten: Wenn die Züge am Siegener Bahnhof ankommen, sind einige Busse bereits weg.

Einer von vielen Kritikpunkten: Wenn die Züge am Siegener Bahnhof ankommen, sind einige Busse bereits weg.

Foto: Hans Blossey

Siegen-Wittgenstein.  Umfrage zu Verbesserungen im Busverkehr: Bessere Taktung, schaffbare Umstiegszeiten, erreichbare Anschlüsse oder schnellere Ampelschaltungen.

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Fast 1000 Rückmeldungen mit mehreren tausend Hinweisen hat Landrat Andreas Müller zur kreisweiten Umfrage zum Busverkehr in Siegen-Wittgenstein erhalten: „Die allermeisten waren äußerst konstruktiv und werden uns auf jeden Fall dabei helfen, das ÖPNV-Angebote im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer besser zu machen“, so Müllers Überzeugung.

Die Umfrage: Verbesserungen durch organisatorische Veränderungen

„Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, mir ihre Erfahrungen zu schildern und konkrete Verbesserungsvorschläge zu machen!“ betont der Landrat. Aktuell werden die Mails und Postkarten ausgewertet.

In manchen Fällen handelt es sich dabei auch um mehrseitige Briefe. Schon jetzt zeichnen sich aber verschiedene Schwerpunkte ab. Die vollständige Auswertung der ÖPNV-Umfrage soll bis nach der Sommerpause abgeschlossen werden.

„Wir schauen uns alle Einsendungen sehr genau an und werden daraus ein Maßnahmenpaket schnüren“, erläutert Müller: „Manche Verbesserungen sind wahrscheinlich schon durch kleinere organisatorische Veränderungen sehr zeitnah zu erreichen – das ist zumindest mein erster Eindruck.“ Andere sollen in einer Vorlage für den Kreistag zusammengefasst werden.

Attraktiver ÖPNV für Lebensqualität und Klimaschutz alternativlos

Unabhängig davon werde die Entwicklung des ÖPNV in den kommenden Monaten eine wichtige Aufgabe für die Region und ein ganz zentrales Politikfeld bleiben. So haben Bemühungen zur Gewinnung zusätzlicher Busfahrer bereits begonnen.

„Wir müssen den ÖPNV attraktiver machen. Dazu gibt es für mich sowohl mit Blick auf den Klimaschutz als auch auf die Lebensqualität der Menschen in Siegen-Wittgenstein überhaupt keine Alternative.“ Um das zu erreichen, seien eine ganze Reihe von Maßnahmen erforderlich, für die der Landrat in den kommenden Monaten entsprechende Vorschläge unterbreiten will. „Ich setze darauf, dass diese auf breite Unterstützung treffen werden.“

Vorschläge und Kritik: Konkretes und Grundsätzliches

In verschiedene Richtungen verkehren zwar zwei oder mehr Buslinien verkehren, diese fahren aber immer innerhalb eines kurzen Zeitfensters ab – und dann kommt lange Zeit kein Bus mehr, etwa in Richtung Eiserfeld. Dort plädieren Fahrgäste eher für einen 20-Minuten-Takt der unterschiedlichen Linien.

Ein Hauptwunsch sind mehr und besser getaktete Verbindungen zwischen Siegen, Weidenau und Geisweid. Für die R10 wird ein 15-Minuten-Takt angeregt – und Gelenkbusse als Standard. Auf dieser wie auch auf anderen Hauptlinien werden wiederholt grundsätzlich Gelenkbusse eingefordert, um zu vermeiden, dass Fahrgäste wegen Überfüllung an Haltestellen stehen gelassen werden oder Behinderte mit Rollstuhl oder Eltern mit Kinderwagen nicht mehr hinein kommen.

Umsteigezeiten vielfach nicht zu schaffen

Deutliche Kritik gibt es an der neuen Linienführung der R12 über Flammersbach, die erheblich längere Fahrzeiten mit sich bringt. Hier fordern zahlreiche Schreiber die Wiedereinführung der alten Linienführung und schlagen vor, dass die R13, die ohnehin an Flammersbach vorbeikommt, den Ort mit bedient.

Umsteigezeiten sind vielfach Thema: Etwa an der Haltestelle Netphen-Brücke, wo nur 2 Minuten zwischen Ankunft der R16 und der Abfahrt der L163 liegen – in der Praxis nicht zu schaffen, insbesondere weil die R16 oft zu spät kommt, bemängeln Einsender.

Auf etlichen Linien werden Taktverdichtungen angeregt – etwa ein Stundentakt auf den Schnellbuslinien SB5 Siegen – Bad Laasphe und SB4 Siegen – Burbach. Diese sollen auch am Wochenende verkehren, zumindest im Zwei-Stundentakt.

Anschlüsse an Bahnverkehr – Bus kommt an, Bahn ist weg

Auf einigen Verbindungen wird angeregt, morgens früher wieder einen regulären Bus statt eines Taxibusses einzusetzen, auf anderen besteht der Wunsch nach nach weiteren Verbindungen nach 20 oder 22 Uhr. Dies gilt vor allem freitags und samstags: „um nach Kino und Theater mit dem Bus noch nach Hause zu kommen“.

Die Anschlüsse an den Bahnverkehr werden thematisiert: Etwa wenn Busse in Kreuztal ankommen und der Zug nach Siegen gerade weg ist, mit dem man schneller in Siegen sein könnte. Oder abends, wenn die Züge aus Frankfurt und Gießen in Siegen ankommen und alle Busse auf den Hauptlinien gerade den ZOB verlassen haben. „Wobei die Anschlüsse zu den ankommenden Zügen aus Köln wiederum sehr gut passen – was ein Beispiel dafür ist, dass nicht alle Vorschläge eins zu eins umgesetzt werden können, weil wir die Auswirkungen an anderer Stelle immer mit bedenken müssen“, erläutert Müller.

Beschleunigung der Busse durch bessere Ampeln und Busspuren

Einige neue Verbindungen werden vorgeschlagen: Etwa einen Schnellbus von Hilchenbach über Herzhausen, Dreis-Tiefenbach und den Giersberg nach Siegen oder eine UX-Linie von Netphen über Dreis-Tiefenbach zum Adolf-Reichwein-Campus.

Viele Zuschriften enthalten grundsätzliche Hinweise und Anregungen: von der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken und der Schaffung eines S-Bahn-Verkehrs über die Beschleunigung des Busverkehrs in Siegen durch bessere Ampelschaltungen und Busspuren bis hin zur Anzeige der Busse in Echtzeit in ÖPNV-Apps.

Auch die Möglichkeit der Kartenzahlung in Bussen, die Schaffung eines 365-Euro-Jahrestickets oder sogar der völlig kostenfreie ÖPNV werden angeregt.

Rekommunalisierung des Busverkehrs gefordert

Zahlreiche Einsender fordern zudem die Rekommunalisierung des Busverkehrs in Siegen-Wittgenstein. „Die Frage, ob der Busverkehr nicht besser wieder vom Kreis mit einem eigenen Unternehmen betrieben werden soll, steht ganz offensichtlich wieder auf der Tagesordnung und bewegt viele Menschen“, sagt Landrat Müller.

In der Vergangenheit, so Müller, sollte der ÖPNV vor allem kein Geld kosten. „Das habe ich schon immer kritisiert.“ Es gehe ihm um ein gutes Angebot, das eine echte Alternative zum eigenen Auto oder zumindest zum Zweitwagen sei.

Umso erfreulicher sei, dass es erstmals öffentliche Signale aus den Reihen der Bürgermeister gebe, die ein kreiseigenes Busunternehmen unterstützen. „Das ist nicht unwichtig, weil es hier am Ende um Geld gehen wird, das über die Kreisumlage finanziert werden muss.“

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