Sanierung

Oberholzklau: Neue Nutzung für die Evangelische Kirche

Die alten, festen Kirchenbänke werden durch Einzelstühle ersetzt. Damit kann der Raum je nach Bedarf unterschiedlich gestaltet werden.

Die alten, festen Kirchenbänke werden durch Einzelstühle ersetzt. Damit kann der Raum je nach Bedarf unterschiedlich gestaltet werden.

Foto: Hendrik Schulz

Oberholzklau.   Gotteshaus soll energetisch optimiert und der Sakralbau soll ein Ort für alle werden, nicht nur für Gemeinde. 268.000 Euro sind für eingeplant.

Die Ev. Kirche Oberholzklau, eine der ältesten Sakralbauten des Siegerlands, wird saniert. Die Pläne sehen eine behutsame Instandsetzung der Gebäudein­frastruktur vor, gleichzeitig soll das Gotteshaus, gebaut im 13. Jahrhundert, im Innenraum so umgestaltet werden, dass sich neue Nutzungsmöglichkeiten ergeben. Und das alles, eng abgestimmt mit dem Denkmalschutz, bei minimalen Eingriffen in die Substanz.

Die Pläne

„Die Kirche ist eine der schönsten in der Region“, findet Pfarrer Oliver Günther, sie sei ortsbildprägend, habe nicht nur aufgrund ihres Alters eine lange Tradition. „Wir sind die Generation, die damit beginnt, diese Geschichte fortzuschreiben“, sagt der Pfarrer, Gemeinde und Presbyterium seien sich der Verantwortung dem historischen Bauwerk gegenüber bewusst. Neben der denkmalgerechten Sicherung und der Wahrung des sakralen Charakters soll die Kirche multifunktional nutzbar

werden; einen Treffpunkt für Menschen aller Generationen auch außerhalb des Gottesdienstes ermöglichen, Raum bieten für Gruppen, Konzerte, Ausstellungen. „Ein Ort, in dem gemeindliches und gesellschaftliches Leben geschieht.“

Im Innenraum werden die Bänke entfernt und durch Einzelstühle ersetzt, die je nach Zweck flexibel angeordnet werden können. Unter die Orgelempore werden Tischgruppen gestellt, auch die mobil, sodass bei Bedarf im gesamten Kirchraum wie bisher bis zu 150 Personen Platz finden. Im Eingangsbereich, unter dem Turm, entsteht eine Toilette in einem weitgehend ungenutzten Nebenraum; außerdem eine Teeküche, die so konstruiert ist, dass die Tische aus dem Hauptschiff dort verstaut werden können. „Alles ohne Substanzeingriffe“, betont der Siegener Architekt Nobert Sonntag, „alles könnte wieder zurückgebaut werden.“

Die Technik

Vor allem Heizung und Lüftung sollen verbessert werden – unter energetischen Gesichtspunkten sind so alte Gemäuer nicht gerade günstig. Die derzeitigen Heizungsrohre unter den Bänken strahlen nur punktuell Wärme ab, es herrscht ein ständiger Wechsel zwischen warm und kalt, feucht und trocken, auch jahreszeitlich bedingt. „Heizung und Energiebilanz sind mit ein Hauptgrund für den Umbau“, so der Architekt.

Nun wird, damit der Wohlfühlfaktor im gesamten Kirchenraum steigt und die Substanz geschont wird, ein ausgeklügeltes System in­stalliert: Die alten, einfach verglasten Fenster im Chorraum sind zwar dicht, haben aber eine recht große Fläche, die bei entsprechenden Temperaturen abkühlt, kalte Luft fällt ins Kirchenschiff. Elektrisch betriebene Bodenstationen im vorderen Bereich lassen künftig warme Luft aufsteigen, die die kalte Luft von oben mitzieht und einen Luftstrom durch den gesamten Innenraum erzeugt. Das sorgt dafür, dass die Kirche insgesamt gut durchlüftet werden kann. Mithilfe eines weiteren Belüftungssystems, das innen und außen Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst, kann dies über Ventilatoren gezielt gesteuert und nachgelüftet werden. „Gerade für die Orgel ist der ständige Wechsel bei Feuchtigkeit und Temperatur schädlich“, sagt Architekt Sonntag.

Für die Systeme, auch für Elektro- und Wasserleitungen, müssen lediglich kleinere Kernbohrungen durch die Außenmauern geführt werden.

Die Kosten

268.000 Euro sind für die Gesamtmaßnahme eingeplant, so Friedhelm Röcher vom Presbyterium. Darin enthalten sind bereis 20.000 Euro „für Unvorhergesehenes“. 85.000 Euro kommen aus zweckgebundenen Rücklagen der Gemeinde, 55.000 Euro aus dem Baufonds des Kirchenkreises, 88.000 aus dem Kapitalvermögen.

40.000 Euro hofft die Gemeinde durch Spenden aufbringen zu können, von Menschen aus der Gemeinde und darüber hinaus, die vom Konzept

überzeugt sind. Bereits bei der Orgelsanierung habe man die Erfahrung gemacht, „dass dieser Ort vielen Menschen wichtig ist“, sagt Pfarrer Oliver Günther.

Die Gemeinde

„Es ist schön, dass die Kirche für die Gemeinde nicht unantastbar ist; dass sie Neuerungen aufgeschlossen gegenübersteht“, lobt Norbert Sonntag den Wunsch der Gemein de, die Kirche aufzuwerten, „zu aktivieren“, nennt das Pfarrer Günther. An der Schnittstelle zwischen Stadt und Land soll ein öffentlicher Raum für Glauben, Politik, Gesellschaft, Kunst, Kultur und Bildung entstehen, dabei aber eben das Erhabene, Kirchliche, Religiöse behalten.

Schon seit Jahren verfolgt die Gemeinde, die neun Ortschaften eine Konzeption ohne Bezirksgrenzen: Neben der historischen „Sommerkirche“ in Oberholzklau konzentriert sich das Gemeindeleben in gleicher Weise auf das moderne Gemeindehaus mit Gottesdienststätte in Alchen. Die Gemeinde hatte Pfarrstellenanteile verloren, zu hohe Ausgaben, viele Gebäude – „wir haben uns der Wirklichkeit gestellt: Wie kann Kirche auf dem Land präsent sein?“, so Günther. „Anfangs waren wir skeptisch, ob die Menschen aus den Ortschaften in Bewegung kommen – es ist ein Segen für uns, dass es gelungen ist.“ Die Kirche in Alchen sei auch die der Oberholzklauer – und umgekehrt. Die Gottesdienste seien mit durchschnittlich rund 100 bis 120 Besuchern gut besucht, ebenso die verschiedenen Gemeindegruppen.

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