Kindergarten

Niederdielfen: Kita soll im Überschwemmungsgebiet entstehen

Die neue Kita in Niederdielfen wird noch auf sich warten lassen. (Symbolbild)

Die neue Kita in Niederdielfen wird noch auf sich warten lassen. (Symbolbild)

Foto: Michael Kleinrensing

Siegen.   Damit eine Kita in Niederdielfen gebaut werden kann, müssen zunächst Hochwasserschutz-Baumaßnahmen durchgeführt werden – was entsprechend kostet.

Einstimmig hat der Jugendhilfeausschuss des Kreises einen Zuschuss für den Neubau der geplanten Kita Augraben in Wilnsdorf-Niederdielfen gebilligt. Für die vom Caritasverband Siegen-Wittgenstein getragene Einrichtung müssen bauliche Maßnahmen „im Rahmen des Hochwasserschutzes“ vorgenommen werden, die vom Investor, dem Sozialdienst katholischer Frauen Siegen, nicht leistbar sind. Ohne den Zuschuss könne das Projekt nicht umgesetzt werden, teilte die Verwaltung in der Sitzung mit.

Nach Kritik und Nachfragen vor allem aus der CDU wurde deutlich, dass die Gemeinde Wilnsdorf selbst das Grundstück vorgeschlagen hatte, „weil dort Baurecht existierte“. Erst im April war bei einem Ortstermin aufgefallen, dass der Baugrund im Bereich des Überschwemmungsgebietes der Dielfe liegt. Nach dem Gesetz müssen solche Grundstücke eigentlich in ihrer Funktion als Rückhaltefläche erhalten werden.

Kostenexplosion vermeiden

„Um das Bauvorhaben trotzdem durchführen zu können, müssen auf Grundlage eines erstellten Gutachtens der Firma „BauPlan“ Tief- und Straßenbauliche Maßnahmen (Errichtung eines Damms / Bau eines „Durchlassbauwerkes“ zur Hochwasserregulierung) zum Schutz von Anwohnern oberhalb des Bachlaufes und Straßennutzern vor Überschwemmungen ausgeführt werden“, heißt es in der Vorlage.

Bedauerlicherweise wären die Hintergründe nur in den Unterlagen der Unteren Wasserbehörde vermerkt gewesen, bedauerte Dezernentin Helge Klinkert. Sie sieht allerdings wenig Möglichkeiten, die ursprünglichen Planer dafür in Regress zu nehmen, wie Thomas Mager für die CDU angedacht hatte. Wenn überhaupt ein Fehler geschehen sei, dann bei „einer Behörde“, betonte Klinkert. Um eine weitere Kostenexplosion zu vermeiden, wurde der Zuschuss auf Vorschlag von Kornelia Busch-Pfaffe (CDU) ausdrücklich auf „maximal 85.000 Euro“ begrenzt.

Steigende Kinderzahlen – größere Gruppen?

Ebenfalls einstimmig wurden 315.000 Euro im Jugendhilfehaushalt 2019 als Finanzierung zusätzlicher Übergangslösungen für die Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen durch den Kreis bereitgestellt. Geburtensteigerungen und Zuzüge hätten für deutlich steigende Kinderzahlen und entsprechend mehr Plätze und Übergangslösungen gesorgt, als ursprünglich geplant.

Das führt nach den Ausführungen der Verwaltungsvertreter zu Mehrkosten von insgesamt 1.065.000 Euro, von denen 315.000 nicht unmittelbar anderweitig gedeckt werden können. Das Thema steigende Kinderzahlen soll nach der Vorstellung von Politik und Verwaltung künftig auch zu einer Veränderung bei den Vorschriften über die Gruppenanzahl führen. Die 2017 festgelegte „Priorisierung von Kita-Neubauten in Siedlungsschwerpunkten“ wird nach einer weiteren ohne Gegenstimme verabschiedeten Vorlage dahingehend verändert, dass für Angebote auch wieder kleinere Einrichtungen mit zwei Gruppen oder auch nur einer in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen möglich werden.

Stärkere Bindung von Dorf-Kindern an ihre Heimat

Kinder, die verstärkt in ihren Dörfern aufwüchsen, hätten auch eine stärkere Bindung, betonte Helge Klinkert, nachdem sie auf die eher unerwartet verlaufende demographische Entwicklung verwiesen hatte. Die Bevölkerungszahlen sänken nicht wie prognostiziert, die Dörfer stürben nicht aus, Familien mit drei oder vier Kindern seien keine Seltenheit mehr.

Es gehe hier nicht um eine Verpflichtung der Träger, sondern um Wünsche der Räte und der Eltern, um die Aufhebung einer Sperre, ergänzte der Ausschussvorsitzende Michael Plügge (SPD). FDP-Vertreter Karl-Heinz Jungbluth verwies auf die Bemühungen um eine Einrichtung in Helberhausen, die genau diese Wünsche widerspiegelten. Natürlich müssten nach wie vor die Vorschriften eingehalten werden, bei zehn Kindern in einem Dorf reiche es nicht, ergänzte die Dezernentin.

In größeren Strukturen Ausfälle kompensieren

AWO-Vertreterin Christiane Mohl verwies auf die Probleme, die ein Träger beim Betrieb solcher kleiner Einrichtungen bekommen könne, wenn bei zwei Erzieherinnen eine ausfalle. Als Teil einer größeren Struktur könne das sicher besser kompensiert werden.

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