Nachhaltigkeit

Naturkosmetik „W2L“ aus Siegen: „Produkte kommen von Herzen“

Jennifer Patt bietet ihre Naturkosmetik im Mädelskramladen in Eiserfeld an. Ihre Produkte stellt sie dort in einem weißen Schrank aus.

Jennifer Patt bietet ihre Naturkosmetik im Mädelskramladen in Eiserfeld an. Ihre Produkte stellt sie dort in einem weißen Schrank aus.

Foto: Ina Carolin Lisiewicz

Siegen.   Die Siegenerin Jennifer Patt macht sich mit einer eigenen Produktlinie selbstständig: Das „W“ steht für Wertschätzung der Natur – unter anderem.

Jennifer Patt möchte die Umwelt nicht weiter belasten und mit ihrer Naturkosmetikmarke „W2L“ etwas Gutes tun. Die 32-Jährige wagte im November 2018 den Schritt in die Selbständigkeit und hat mittlerweile ihre sichere Stelle als Wirtschaftsjuristin aufgegeben. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt sie. Zeit, Kraft und Geld fließen nun in „W2L“. Zurzeit renoviert sie ihre kleine Manufaktur am Stockweg; seit Anfang Juni ist sie Teil des Mädelskramladens in Eiserfeld und verkauft dort ihr Sortiment. Im Interview mit Ina Carolin Lisiewicz spricht Jennifer Patt über W2L, Nachhaltigkeit und ihre Zukunftspläne.

Wofür steht der Name W2L?

Jennifer Patt:Unser Name W2L soll das widerspiegeln, was wir in unseren Produkten vereinen. Das W steht für Wertschätzung der Natur gegenüber: Wir achten darauf, möglichst immer biozertifizierte Rohstoffe zu verwenden, da wir die Umwelt nicht ausbeuten wollen. Das W steht aber auch für Weisheit, daher nehmen wir es mal zwei. Wir wollen altes und neues Wissen vereinen. Das alte Wissen um Heilkräuter und deren Wirkungsweisen, was über Generationen weitergegeben wurde, soll nicht verloren gehen. Aber wir wollen natürlich auch neue Erkenntnisse miteinbeziehen. Das L steht für Liebe, denn unsere Produkte kommen von Herzen.

Sie sprechen stets von einem „Wir“. Wer steckt noch hinter W2L?

W2L ist mein Herzensprojekt. Es war meine Idee. Aber mein Freund Marvin Koch hilft mir sehr viel. Ich bin im Grunde genommen nie alleine: Viele Menschen testen für mich neue Produkte. Deshalb sage ich immer „Wir“. Ich will nicht behaupten, dass W2L nur Meins ist. Da sollte man sich auch nicht mit fremden Pfauenfedern schmücken. Es gibt immer Einflüsse von anderen. Insgesamt gebe ich aber die Richtung vor.

Wie sind Sie dazu gekommen, Naturkosmetik zu machen?

Vor ein paar Jahren wurde bekannt, dass Deodorants Aluminium enthalten, was eine Ursache für Brustkrebs sein kann. Das war der Auslöser. Da habe ich angefangen, mir eigene Deo-Cremes zusammen zu rühren. Das hat sich dann verselbstständigt. Zudem erzählten mir meine Mutter und die Frauen aus meiner Tai-Chi-Gruppe, dass ihnen die Pflegecremes aus der Drogerie nicht mehr reichen. So bin ich auf Gesichtsöle gekommen. Auf die möchte ich auch meinen Schwerpunkt legen und mit vielen verschiedenen Ölen arbeiten.

Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Produkt-Zusammensetzungen?

Ich habe da meistens Eingebungen oder probiere einfach Sachen aus. Mir kommen da diverse Duftmischungen in den Kopf. Ich habe in den letzten Jahren aber auch viel Literatur über Aromatherapie und Naturkosmetik gelesen. Literatur, den Kopf arbeiten lassen und dann ausprobieren – das ist meine Vorgehensweise.http://Idee_aus_Wilnsdorf-_Volle_Dosis_Nährstoffe_für_zwischendurch{esc#216597517}[news]

Wenn das Produkt einmal fertig ist, wo stellen Sie es dann her?

Bislang habe ich meine Gesichtswässer und -öle sowie die Aloe Vera-Gels bei einem kleinen Hersteller in Bühl abfüllen lassen. Bei der Deo-Creme habe ich mit „Sauerlandseifen“ zusammengearbeitet. Sobald meine kleine Manufaktur im ehemaligen Haus meiner Oma fertig renoviert ist, holen wir die Produktion nach Hause. Dann lassen wir die Kooperationen mit den bisherigen Produktionsstätten auslaufen. Momentan arbeiten wir mit dem Veterinär- und Lebensmittelamt zusammen, die müssen meine Manufaktur abnehmen. Und dann kann die Produktion hoffentlich bald starten!

Was zeichnet Ihre Produkte aus?

Sobald wir unsere kleine Naturkosmetik-Manufaktur im Stockweg eröffnet haben, arbeiten wir nur noch mit Bio-Produkten aus einer kleinen Manufaktur. Das heißt, mit reinen, unvermischten, kalt gepressten, nativen Ölen. Da sind noch alle Vitamine drin, sie wurden nicht chemisch behandelt. Die Qualität ist sehr hochwertig. Daher produzieren wir auch in kleinen Chargen, damit diese immer gewährleistet ist. Außerdem arbeiten wir ausschließlich mit natürlichen Inhaltsstoffen. „Back to basic!“, ist unser Motto. Wir verwenden nur das, was uns die Natur gibt.http://Bio-Bauern_aus_Stendenbach_suchen_Kontakt_zu_ihren_Kunden{esc#226143341}[news]

Es gibt unheimlich viele Naturkosmetikprodukte auf dem Markt. Warum sollte man W2L kaufen und nicht einfach etwas im Drogeriemarkt?

Es gibt so viele verschiedene Menschen und jeder braucht etwas anderes. Für die einen sind die Produkte aus dem Drogeriemarkt vollkommen ausreichend, andere freuen sich über Naturkosmetik. Ich möchte keinem etwas aufschwätzen oder mich aufdrängen. Da muss jeder für sich schauen, was für ihn das Beste ist.

Was genau ist an Ihren Produkten nachhaltig?

Die Herstellung der Rohstoffe. Da wird kein Raubbau der Böden betrieben und es kommen keine Pestizide zum Einsatz. Auch wird Naturkosmetik schonender produziert. Außerdem ist unsere Verpackung nachhaltig: Wir haben uns bewusst für Glas entschieden. So können keine Giftstoffe ins Produkt übergehen, wie es bei Plastikflaschen passieren kann. Die Etiketten bestehen aus hundertprozentig recyceltem Papier und sind mit wasserbasierter Farbe bedruckt. Denn auch außen sollten sich keine „Chemiekeulen“ an einem Naturprodukt befinden. Beim Versenden verwenden wir kompostierbare Versandchips. Wir versuchen, überall Plastik zu vermeiden, wo es geht. Die Pumper oder Deckel sind aus Plastik, aber die kann man ins Recycling geben. Außerdem verwenden wir veganen Kleber für die Anbringung der Etiketten.http://Unverpacktladen_eröffnet_bald_in_Weidenauer_Einkaufszentrum{esc#215361269}[news]

Es scheint, als hätte sich der Naturkosmetik-Markt in den letzten Jahren rasant entwickelt. Warum boomt der Markt für Naturkosmetik so plötzlich?

Es kommt langsam das Bewusstsein für Nachhaltigkeit auf. Die Menschen verstehen, dass unsere Welt begrenzte Kapazitäten hat. Wenn man sie immer weiter ausbeutet, kommt irgendwann nichts mehr. Gesellschaftskritisch betrachtet, hat alles irgendwie sein Maximum erreicht, wie zum Beispiel der Schönheits- oder Fitnesswahn. So langsam entwickelt sich aber wieder ein Bewusstsein dafür, dass man sich selbst etwas Gutes tun und mal von der vermeintlichen Überholspur runterkommen muss.

Was haben Sie für die Zukunft geplant?

Natürlich noch weitere Produkte. Außerdem haben mein Freund und ich ein Konzept im Kopf, das auf unserem Naturkosmetik-Konzept aufbaut und es erweitert. So etwas gibt es noch nicht in Deutschland. Das Projekt soll Ende des Jahres starten. Da werden wir noch Energie reinstecken! Außerdem wollen wir uns in Zukunft vor Ort bei unseren Rohstoffherstellern informieren. Wir werden uns auch erst einmal auf wenige Produkte spezialisieren und schauen, dass wir diese möglichst günstig anbieten können.

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