Kommentar

Nach der Wahl ist vor der Wahl

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Die Siegen-Wittgensteiner haben gewählt — und das in starker Zahl: Die Wahlbeteiligung ist deutlich höher als vor vier Monaten bei der Landtagswahl und bei der Bundestagswahl 2013.

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Die Siegen-Wittgensteiner haben gewählt — und das in starker Zahl: Die Wahlbeteiligung ist deutlich höher als vor vier Monaten bei der Landtagswahl und bei der Bundestagswahl 2013. Das ist die erste gute Nachricht dieses Wahlabends. Die zweite: Siegen-Wittgenstein wird womöglich mit drei Abgeordneten in Berlin vertreten sein – wenn die gut zusammenarbeiten, wird die Region davon profitieren.

Dass in Siegen-Wittgenstein jeder zehnte Wahlberechtigte für die AfD gestimmt hat, gehört zu den unerfreulichen Resultaten dieser Bundestagswahl. Das lässt sich mit der Feststellung, dass die übergroße Mehrheit sich für eine der demokratischen Parteien diesseits des rechten Randes entschieden hat, auch kaum noch ins Positive wenden.

Becker jung genug für einen neuen Anlauf

Das Desaster der SPD auf Bundesebene überdeckt die Niederlage, die ihr die Wähler in Siegen-Wittgenstein zugefügt haben. Heiko Becker hat es – erwartungsgemäß – nicht auf Anhieb geschafft, aber er geht unbeschädigt aus der Wahl heraus. Sollte es nicht sowieso noch mit dem Mandat über die Landesliste klappen, ist er auch in vier Jahren noch jung genug für einen neuen Anlauf.

Das aber ist auch die einzige Erleichterung für die einst tonangebende Partei im Kreis. Denn nun muss sie ihren seit der Landtagswahl fälligen Neuaufbau angehen: Gesucht werden zwei Persönlichkeiten, die Format genug haben, 2022 die beiden Landtagswahlbezirke zurückzugewinnen. Und zuallererst ein Mann oder eine Frau, der oder die den Unterbezirk führt – falls Willi Brase dabei bleibt, sich im November auch aus diesem Amt in den politischen Ruhestand zu verabschieden.

Dagegen hat die CDU nur ein Luxusproblem: Sie muss sich irgendwann einmal um einen Herausforderer für Landrat Andreas Müller kümmern. Falls sie dem immer noch jugendlichen SPD-Mann nicht von vornherein das Feld für eine weitere Amtszeit überlassen möchte.

Kommunalwahl im Frühjahr 2020

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Abgesehen von dem Stimmungstest bei der Europawahl 2019 wird es erst wieder bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2020 ernst. Die Atempause wird den Parteien, die die Fähigkeit und den Willen zum demokratischen Gestalten haben, gut tun, sich auf die seit Sonntag veränderten Verhältnisse einzustellen und Wege zu finden, wie sie die Menschen zurückgewinnen können.

Die Wählerinnen und Wähler werden die Zeit nutzen können, die Politik der Parteien zu beobachten, die sie gewählt haben.

Ein Protest-Ergebnis wie am Sonntag für den Bundestag im Rat einer Stadt oder Gemeinde im Siegerland? Die kommunale Selbstverwaltung würde auch das überleben. Für die Entwicklung der betroffenen Kommune aber bedeutete das Stillstand und Rückschritt.

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