Große Tour

Mit Pferden auf Wanderschaft durch Oberndorf

Ulli und Nina Bange mit ihrer Gastgeberin Isolde Ganseuer (von links) sowie den Vierbeinern Fiona und Esel. Die heißt so, weil sie grau ist – und stur.  

Ulli und Nina Bange mit ihrer Gastgeberin Isolde Ganseuer (von links) sowie den Vierbeinern Fiona und Esel. Die heißt so, weil sie grau ist – und stur.  

Foto: Michael Kunz

Oberndorf.  Ulli und Nina Bange aus dem Taunus wandern 250 Kilometer mit zwei Stuten – aber ohne zu reiten. In Oberndorf machen sie Halt bei Isolde Ganseuer.

Nina und Ulli Bange machen es sich am Tisch auf der Terrasse gemütlich. Die beiden haben gerade Tag fünf einer ungewöhnlichen Unternehmung hinter sich gebracht: Sie wandern mit Pferden. Sprichwörtlich. Die Tiere tragen das Gepäck und laufen nebenher. Geritten wird ganz bewusst nicht.

Das habe unterwegs schon für die eine oder andere ungewöhnliche Reaktion gesorgt, sagt Nina Bange vergnügt. Am vergangenen Wochenende sind die beiden in Pohl im Taunus losgezogen, wollen im Laufe der kommenden Woche Bad Sassendorf erreichen und Verwandte besuchen. 230 bis 250 Kilometer seien das, so Nina Bange.

Im Schnitt 20 bis 25 Kilometer am Tag

Genau lasse sich das nicht festlegen, „weil immer wieder Hindernisse auftauchen und Umwege nötig machen, die nicht aus den Karten zu ersehen sind“, ergänzt Ulli Bange. Im Westerwald etwa sind sie auf eine Brücke gestoßen, die derart unsicher aussah, dass sie lieber einen anderen Überweg suchten: „Bevor wir mit den Pferden runter krachen...“

20 bis 25 Kilometer am Tag sind sie durchschnittlich unterwegs. Wenn es mit der Unterkunft schwierig wird, auch schon mal 30. An diesem Abend macht das Paar aus Pohl in Oberndorf halt, bei Isolde Ganseuer. Die Oberndorferin hat selbst Pferde, die zur Zeit auf der Weide stehen, also kam sie auf die Idee, ihren Stall sowie eine Übernachtungsmöglichkeit für Pferdewanderer online anzubieten (siehe Infobox).

Wandern ist das große Hobby

Die Banges, 30 und 31, haben das Angebot dankbar angenommen, sind „direkt von der Rothaarhütte heruntergekommen“ und hören in diesem Zusammenhang interessiert die Geschichte vom Brandanschlag auf das Objekt vor einigen Monaten. Die beiden sind noch nie in der Gegend gewesen, „alles Neuland“, obwohl Wandern ansonsten ein großes Hobby sei, berichten sie. In den USA etwa haben sie vor ein paar Jahren 429 Kilometer des Appalachian-Trails hinter sich gebracht und sind fest entschlossen, irgendwann einmal die kompletten 3500 Kilometer zu schaffen. Isolde Ganseuer schüttelt lachend den Kopf. Dann auch mit Pferden? „Nein“, wehrt Nina ab. Die Tiere im Flieger mitzunehmen käme nicht in Frage. Und das seien auch keine Wege für Vierbeiner.

Die Kutsche ist zuhause geblieben

Apropos Pferde. Das sind zwei Kaltblüter, Noriker aus Österreich, die die Banges auch gern vor einen kleinen Planwagen spannen. Ursprünglich hätten sie überlegt, sich mit der Kutsche auf den Weg zu machen, erzählt Ulli Bange, aber das sei in unbekanntem Gelände immer so eine Sache. Wenn dann mitten im dichten Wald eine Schranke auftauche und auf engstem Raum gewendet werden muss ...

Und auf der Straße werde ein Wagen schnell mal zum Hindernis. Wo viele Autofahrer doch schon durch zwei Wanderer mit Pferden genervt seien, die unbedingt auf der Straße laufen müssten. „Dabei dürfen wir gar nicht auf den Bürgersteig mit Pferden“, sagt Nina Bange. Das wüssten die meisten Autofahrer schlicht nicht. „Auch, dass Pferde Fluchttiere sind, ist kaum noch bekannt“, sagt ihr Mann.

Jedenfalls ist der Wagen daheim geblieben, die Banges entschieden sich für die Wanderwege. Und warum wird nun nicht geritten? „Fiona ist noch jung, gerade mal fünf“, erklärt Nina Bange, das Tier solle noch nicht so stark belastet werden. Die andere Stute, Esel, sei schon neun und bereits auf Wanderritten dabei gewesen. Außerdem reitet sie das Tier auch in einer Pferdestaffel der Johanniter.

Mit Vierbeinern über die Alpen

Eigentlich heiße die graue Stute ja „Leanda“, aber das verwechselten die meisten Leute mit „Leander“. Und außerdem sei sie „genauso stur wie ich“. Fiona hingegen entdecke jetzt die Welt, könne in wenigen Jahren ebenfalls geritten werden. Für diese Tour wollten die Banges die beiden Pferde nicht allein zu Hause lassen, also machten sie sich zu viert auf den Weg. Jedes Pferd trägt 17 Kilo Gepäck – viel mehr hätten die Wanderer auch ohne tierische Begleitung nicht mitgenommen.

Und nun geht es weiter Richtung Soester Börde. Am Dienstag wollen Ulli und Nina Bange dort ankommen, nächstes Ziel nach Oberndorf ist Arpe im Sauerland. Danach geht es mit dem Hänger wieder Richtung Heimat. Weil der Urlaub für eine zweite Wanderung leider nicht ausreiche. Für die nächsten Jahre hat das unternehmungslustige Paar, die beide in einem Labor arbeiten, einiges geplant. Neben einem USA-Trip weitere Touren durch Europa. Mit ihren Vierbeinern. Über die Alpen soll es unter anderem gehen. Weil die Rasse aus Österreich stamme und Leanda alias Esel dort auch geboren sei. „Sie soll ihre Heimat wiedersehen“, sagt Nina Bange lachend.

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