Denkmal

Mit der Burg gegen das Umspannwerk in Kreuztal

Eigentlich ist Junkernhees nur ein Gutshaus: eine von zwei Burgen der Familie von der Hees. Der Adelssitz prägt mit seiner Landwirtschaft auch das weitere Heestal.  Aus der Mühle geht eine Gastwirtschaft hervor — später wird das Haus Restaurant, Hotel und vorübergehend sogar Discothek.

Foto: Steffen Schwab

Eigentlich ist Junkernhees nur ein Gutshaus: eine von zwei Burgen der Familie von der Hees. Der Adelssitz prägt mit seiner Landwirtschaft auch das weitere Heestal. Aus der Mühle geht eine Gastwirtschaft hervor — später wird das Haus Restaurant, Hotel und vorübergehend sogar Discothek. Foto: Steffen Schwab

Junkernhees.   Mit der Debatte über die Amprion-Pläne bezüglich des Umspannwerks rücken Junkernhees und das Heestal ins Blickfeld.

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Wenn das Umspannwerk in der Dönischen Wiese nicht gebaut wird, dann hat das vor allem mit dem Schloss zu tun. Dass Masten, Trafos und Gebäude die Sicht auf den denkmalgeschützten Adelssitz versperren könnten, verbindet viele Kreuztaler in ihrem Widerspruch gegen das Vorhaben von Amprion. Was nicht ganz so geläufig ist: Mit dem Schloss ist auch die historische Bedeutung des weiteren Heestals verbunden.

Die Burgen

Eigentlich zwei. Christian Gerhard, stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung von Schloss Junkernhees, zitiert den kulturlandschaftlichen Fachbeitrag des Landschaftsverbandes: „Durch seine Größe und Lage ist das Schloss als Blickdominante prägend für diesen Teil des Tals.“ Eigentlich waren es zwei Burgen, 1372 wird die alte Heesburg unten am Ufer der Osthelde, das heute nicht mehr vorhandene Unterhaus, zum ersten Mal erwähnt. Ein jüngerer Familienzweig machte sich ab 1513 im Oberhees, dem heutigen Schloss Junkernhees, selbstständig.

Alles über den Hof. Gerhard hat Landkarten verglichen: die älteste des Geometers J. Georg Weber aus dem Jahr 1790, das preußische Urkataster von 1836, die Karten aus der Gegenwart. Der Weg nach Mittelhees, der erst kurz vor dem Schloss abzweigt, verlief anfangs noch südlich des Mühlengrabens. Geradeaus geht es weiter direkt auf den Schaugiebel („ein Ausdruck von Stand und Status“) zu, als ob der gerade dafür gemacht wäre, die Passanten zu beeindrucken. Erst nach Überqueren des Schlosshofs geht es auf dem Heerweg, die Bergische Eisenstraße — heute Syberg­straße und Berghäuser Weg — weiter in Richtung Altenhof, spätestens ab 1836 zweigt dann hier auch der neue Weg nach Mittelhees ab, aus dem die heutige Heesstraße wird.

Der aus Littfeld stammende Kulturhistoriker Olaf Wagener nennt diesen Straßenverlauf „durchaus bemerkenswert“, heute werde das Schloss an der Heesstraße „an den Rand einer engen Kurve gedrängt“. Dass an diesem Sitz niederen Adels einmal der Verkehr ins Heestal und von und zur Landhecke wirksam kontrolliert wurde, bezweifelt Wagener: Es ging um die Inszenierung einer nur bescheiden großen Burg, die eigentlich Haupthaus eines landwirtschaftlichen Gutes war.


Syberg, Belz und Beer. Elisabeth Lukrezia von der Hees heiratete Heinrich von Syberg — daher der Name in der Balkeninschrift „Syberg 1698“ —, dessen Nachkomme den Besitz 1789 an das Haus Nassau verkauft. In preußischer Zeit ist das Schloss Domänengutshof. 1832 kauft der Mühlenpächter Johann Henrich Belz Schloss und Mühle. Seine Nachkommen betreiben dort ein Wirtshaus, das sie Mitte der 1960er Jahre aufgeben — Junkernhees wird, für wenige Jahre, Disco­thek. Die erste im Siegerland. 1971 werden Falko und Evelyne Beer neue Schlossherren. 1999 setzen sie auf den vorderen Turm zwei Obergeschosse und bringen ihn damit wieder auf die ursprüngliche Höhe, wie sie in einem Gemälde von 1870 dokumentiert ist.

Das Heestal

Die alte Heesburg, eine Schmiede und Ställe wurden um 1800 oder später abgerissen, auch die Kapelle, deren Altar heute in der Rudersdorfer Kirche steht. Aber Baumhof, Teiche, Mühlengraben und die neue Mühle von 1796 sind noch da. Und, in größerem Abstand, auch Hof Berghaus, Hof Wurmbach und Mittelhees, ebenso der Berghäuser Weiher und Robertsweiher.

Zum Bannbezirk der Mühle, die 1424 zum ersten Mal erwähnt wird, gehören Osthelden, Junkernhees, Mittelhees, Buchen und Sohlbach. Der Neubau der Mühle von 1796 wurde bis 1954 betrieben, heute ist das ein Wohnhaus — an die Mühle erinnert der Mühlstein am Straßenrand. Die älteste bekannte Urkunde, in der Mittelhees vorkommt, stammt aus dem Jahr 1452: Da verkauft Dietrich von der Hees Äcker und Wiesen an die Kirche von Holzklau. Hof Wurmbach, 1417 erstmals erwähnt, gehört dem Amt Freudenberg, das dafür an seinen Lehnsherrn, dem Grafen von Nassau, Abgaben entrichtet; ab 1555 gehört er der Familie Hees. Mittelhees wird 1690 als „Junckerngut“ bezeichnet.

Die Zukunft

Für die Zukunft blickt Christian Gerhard das Heestal nicht nur ­herauf, sondern auch herunter bis nach Fellinghausen mit seinem historischen Hauberg: „Eine Verzahnung mit dem Schloss und dem Heestal ergeben Möglichkeiten, diesen Teil der Kulturgeschichte aufzubereiten und erlern- und erlebbar zu machen.“ Zwei Projektskizzen steuert der Verein für das kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) bei: eine für das Schloss, die andere — bereits als Leitprojekt qualifiziert — für einen kulturhistorischen Lehrpfad im Heestal.

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