Ausstellung

Michael G. Müller macht aus gebrauchten Dingen Kunst

Michael G. Müller macht aus alten, nicht mehr gebrauchten Dingen Kunstwerke. Bis Ende Juni stellt er in der IHK-Galerie seine Collagen und dreidimensionalen Objekt-Kombinationen aus. Foto:Wolfgang Leipold

Michael G. Müller macht aus alten, nicht mehr gebrauchten Dingen Kunstwerke. Bis Ende Juni stellt er in der IHK-Galerie seine Collagen und dreidimensionalen Objekt-Kombinationen aus. Foto:Wolfgang Leipold

Siegen.  Ausstellung „Patina Paradox“ läuft bis Ende Juni in der IHK-Galerie. Der Künstler ist leidenschaftlicher Sammler und Besucher von Flohmärkten.

„Meine Großeltern haben nichts weggeworfen“, sagt Michael G. Müller. Diese Angewohnheit hat Müller, ein leidenschaftlicher Sammler und Besucher von Flohmärkten, zur Grundlage seiner besonderen Kunst gemacht: Alte, nicht mehr gebrauchte Dinge oder achtlos Weggeworfenes in seine Collagen oder dreidimensionalen Objekt-Kombinationen einzuarbeiten. Eine große Auswahl seiner Werke können die Kunstfreunde noch bis Ende Juni in der lichtdurchfluteten IHK-Galerie bestaunen.

Manchmal benötigt der Betrachter dazu einen zweiten Blick, um all das zu entdecken, was der Künstler kreativ kombiniert hat. Etwa unterschiedliche Zahnrädchen und Rollen, verbunden durch dünne Seile, die als Treibriemen zu dienen scheinen. „Informelle Reibungsverluste“ nennt Michael G. Müller dieses großformatige Bild aus seiner aktuellen Schaffensphase.

Chaotische Kunst

Übrigens perfekt zum Ausstellungsraum passend, denn auch im bestens funktionierenden System einer Industrie- und Handelskammer dürften Reibungsverluste nicht unbekannt sein. Neben dieser scheinbar zufälligen Kombination von technischen Details und menschlichen Figuren sind gestochen scharfe, exakte Buchstaben und Ziffern angeordnet. Irgendwie auch die gegensätzlichen Pole im Leben des Künstlers widerspiegelnd, der als studierter Grafik-Designer zunächst Art Direktor bei einer Werbeagentur war und heute im Hauptberuf Marketingleiter bei der LAS Systeme in Wilnsdorf ist. „Als Künstler bin ich eher chaotisch, beruflich bin ich diszipliniert“, sagt Michael G. Müller und betrachtet die Kunst als ideale Ergänzung zum Beruf.

Hintergründig und surreal

So hintergründig, fantastisch und manchmal surreal seine Bilder auf den ersten Blick auch sein mögen, so rätselaufgebend und wortspielhaft einige der Titel auch klingen („Trivialer Tansfer“, „Im Konjunktiv der Kontrolle“, vor allem aber die Überschrift der Ausstellung („Patina Paradox“).

Hinter jedem Bild versteckt sich für Michael G. Müller eine Geschichte. So auch hinter der Serie von Sportmotiven. Etwa dem Skispringer, der noch im Stil der 60er-Jahre parallel und mit vorgestreckten Armen von der Schanze fliegt („Mein Vater war selbst Skispringer“). Oder der Hochspringer, der in der Straddle-Technik die Latte überquert. Als Ständer fungiert ein abgebrochener Zollstock. Und auch der Turner, der in perfekter Haltung hinter einem Flugzeugpropeller herzuschweben scheint. Auch Sport nimmt in Michael G. Müllers Leben einen breiten Raum ein.

Ebenso wie die Kunst. Und da erlebte er, als der gebürtige Alsfelder 1995 ins Siegerland kam, direkt eine angenehme Überraschung: Im Ausstellungsraum des Siegerlandmuseums entdeckte er Werke seines Lieblingskünstlers Antoni Tapies. Was Michael G. Müller damals noch nicht wusste: Tapies hatte 1972 den Rubenspreis der Stadt Siegen gewonnen.

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