Kunst

Letzte Ausstellung im Siegener Projektraum „Monopol:i“

"CMYK" von Alana Klemm (Bild) und Jennifer Cierlitza ist die letzte Ausstellung im Projektraum Monopol:i in der Siegener Bahnhofstraße.

"CMYK" von Alana Klemm (Bild) und Jennifer Cierlitza ist die letzte Ausstellung im Projektraum Monopol:i in der Siegener Bahnhofstraße.

Foto: Florian Adam

Siegen.  In der Bahnhofstraße in Siegen ist der Projektraum über dem „Verstärker“. Ende des Monats ist Schluss. Das Haus soll weg.

Es ist die letzte Ausstellung, bevor der Projektraum „Monopol:i“ in der Bahnhofstraße Geschichte sein wird. Noch bis Ende des Monats darf das Künstlerkollektiv „gruppe 3/55“ die Räume am Bahnhofsvorplatz über dem „Verstärker“ nutzen. Dann ist Schluss; mittelfristig soll das Gebäude Platz für das Johann-Moritz-Quartier, einen neuen Wohn- und Geschäftskomplex, Platz machen. Und die letzten, die die im Inneren weitgehend zum Rohbau zurückgebauten Etagen des Hauses mit einer Auswahl ihrer Werke bespielen, sind Jennifer Cierlitza und Alana Klemm. „CMYK“ haben sie die Ausstellung genannt.

Der Titel verweist auf die klassischen Druckfarben. Das Analoge, die praktische Produktion von Bildern, die Arbeit mit Pinsel, Farbe, Stift und Leinwand, ist ein zentrales Moment. An meist unverputzten Wänden, auf dem nackten, roten Mauerwerk zeigen die beiden jungen Künstlerinnen Bilder, die in ihrer oft unmittelbaren, spontanen, improvisierten Art mit der brachial-rohen Umgebung korrespondieren; mit dem Geruch nach Staub und Putz, dem gedämpften Licht, dem kahlen Boden. „Man muss schon genau überlegen: Was passt hier hin?“, beschreibt Jennifer Cierlitza, Mitglied der gruppe 3/55, die Auswahl der Exponate für diesen besonderen Ort.

Cierlitza

Kringel, Bögen, Linien auf Papier, dazu Farbflächen und Kritzeleien in langen Reihen: „Ein Vokabular von abstrakten Zeichen“, sagt Jennifer Cierlitza über ihre Beiträge. Sie geht von der Geste aus, „immer vom Prozess“, legt den Malgrund vor sich auf den Boden und lässt der Bewegung Lauf. Es sei der Versuch, „für sich selbst eine eigene Bildsprache zu finden“, im Geschehen Elemente oder Codes zu entdecken. Die Nachempfindung dieses Ansatzes „funktioniert nur in der Serie“, begründet sie die Anordnung der Einzelbilder. Dabei dechiffriert sie selbst allerdings nicht, betont sie, und ob der Betrachter dies probieren möchte, bleibt jedem selbst überlassen.

Besonders deutlich wird die Reflexion über die Urfragen der Bildgestaltung in einer Installation. Ein Diaprojektor wirft in schneller Folge 80 Dias an die Wand, auf denen gerade schwarze Linien zu sehen sind; einzeln, parallel, über Kreuz, in Formation. Jennifer Cierlitza hat sie mit Edding direkt auf die Dias gemalt. Die Striche sind zum Teil ausgefranst, die Farbe nicht gleichmäßig, Luftbläschen erkennbar. Das Ergebnis sei ganz bewusst „nicht perfekt“, sagt die Künstlerin. Das nicht Makellose, das Analoge, das Handgemachte ist ein Kontrapunkt zu den Möglichkeiten der Digitalisierung, die den Alltag durchdringt; veranschaulicht an der Illustration des malerischen Grundelements der Linie, dessen Variationsbreite der durchlaufende Dia-Fluss demonstriert: „Es stellt Fragen an Komposition, an Form, an Farbe.“

Klemm

Alana Klemm arbeitet großformatig. „Prinzip der Schichtenmalerei: Ich beginne irgendwie, reagiere dann auf jede Schicht.“ Farbe, oft intensive Töne, trägt sie dabei mal lasierend, mal pastos auf die Leinwände auf, lässt sie mal durchschimmern, mal reliefartig als Untergrund hervortreten – gepinselt, gegossen, gewischt. Es sei „die Suche nach dem Bild“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise. „Wann ist ein Bild ein Bild?“ Und vor allem: „Wann hört man auf?“ Das Abpassen des richtigen und perfekten Moments, in dem ein Bild – egal, ob es in expressiver Bewegung oder in akribischster Planung entsteht – genau die Stimmigkeit erreicht, die es als Kunstwerk kennzeichnet und über bloßen Zufall oder seelenlose Massenware erhebt.

Neuer Standort gesucht

„CMYK“ ist am Samstag, 20. Juli, von 13 bis 15 Uhr und am Sonntag, 21. Juli, von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Adresse: Bahnhofstraße 32. Die gruppe 3/55 nutzte das Gebäude rund zwei Jahre als kulturellen Schauplatz. Nun läuft die Suche nach einem neuen Objekt : gruppe3-55.de

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