Urteil

Lange Haft für Kirchenräuber-Bande aus dem Siegerland

Zwei der Angeklagten im Landgericht Köln.

Foto: Henning Kaiser/dpa

Zwei der Angeklagten im Landgericht Köln. Foto: Henning Kaiser/dpa

Siegen/Köln.  Der Mammutprozess gegen acht Angeklagte aus dem Siegerland hat bundesweit Aufmerksamkeit erlangt. Jetzt fiel ein Urteil gegen die Kirchenräuber.

Die Kirchenräuber müssen ins Gefängnis. Das urteilte das Landgericht Köln gestern nach 90 Verhandlungstagen. Die 1. Große Strafkammer sah es als erwiesen an, dass sich sieben der acht Angeklagten des schweren Bandendiebstahls schuldig gemacht haben. Die Männer, die unter anderem in Kirchen und Schulen im Siegerland einbrachen und nach Ansicht des Gerichts mit der Beute den Dschihad in Syrien unterstützen wollten, erhielten Freiheitsstrafen zwischen 3 Jahren, 6 Monaten und 4 Jahren, 10 Monaten. Ein Angeklagter wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt.

Dem Vorsitzenden Richter Dr. Ralf-Peter Sossna ist es in seiner fast dreieinhalbstündigen Urteilsbegründung ein Bedürfnis, sich gegen Tendenzen der „Verharmlosung“ im langen Prozessverlauf zu wenden: „Hier wurden keine Eierdiebstähle verhandelt“, sagt er, auch wenn die Beute aus den Einbrüchen (insgesamt 19 000 Euro) eher moderat erscheint.

Keine nennenswerten Geldbeträge nach Syrien geflossen

Dem Hauptanklagevorwurf der Staatsanwaltschaft – Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat – wollte das Gericht nicht folgen. Man habe nicht mit Sicherheit feststellen können, dass „nennenswerte Geldbeträge nach Syrien geflossen sind“.

Die Angeklagten – darunter vier Brüder einer Familie, die aus Dreis-Tiefenbach im Siegerland stammt - hatten die Einbrüche eingeräumt, aber von sich gewiesen, als Bande gehandelt zu haben. Die Taten seien eigener finanzieller Not geschuldet. Diese Sichtweise nahm das Gericht den Männern nicht ab. „Aus einer radikal-islamistischen Glaubensüberzeugung entwickelte sich das gemeinsame Einvernehmen, Beute bei Ungläubigen zu machen, um damit den Dschihad in Syrien zu unterstützen“, so Richter Sossna.

Teil einer salafistisch orientierten Unterstützer-Szene

Nach Überzeugung des Gerichts waren die vier Brüder aus dem Siegerland seit Mitte 2013 „Teil einer salafistisch orientierten Unterstützer-Szene“. Die beiden älteren Brüder – darunter Kais Ben O. „als spiritueller Kopf“ – hätten von Köln aus agiert, die beiden anderen seien zusammen mit anderen jungen Leuten in der salafistischen Szene in Siegen verankert gewesen.

Irgendwann sei man übereingekommen, den Dschihad gegen das Assad-Regime in Syrien mit Hilfe von Einbrüchen finanziell zu unterstützen. Aus den abgehörten Telefongesprächen der Angeklagten – 340 Telefonate waren Gegenstand der Hauptverhandlung – sei durchaus ein starker sozialer Druck herauszuhören, findet Richter Sossna: „Wenn man schon selbst nicht in den Dschihad ziehen kann oder will, dann hat man die Mindestpflicht, andere zu unterstützen.“

Moderate Summen, hohe Schäden

Also brach man in Kirchen, Schulen und Läden ein, erbeutete zwar keine riesigen Summen, aber verursachte teils massive Schäden. „Es war keine banale Kriminalität.“ Die „Siegener Truppe“ sei davon ausgegangen, dass ihre Telefongespräche von den Sicherheitsbehörden mitgehört wurden. Dennoch hätte sie eine „extrem hohe Risikobereitschaft, fast absurde Gleichgültigkeit und grandiose Überheblichkeit“ demonstriert, so Sossna.

Am Ende des Mammutprozesses wünscht der Richter den Angeklagten aus ehrlicher Überzeugung „viel Glück“. „Sie werden es brauchen“, sagt er an die acht Männer gerichtet, „Sie waren sehr eingegraben in eine bestimmte Sichtweise. Es wird schwer, da wieder herauszukommen.“

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