Politik

CDU will einen anderen Landrat für Siegen-Wittgenstein

Glückwünsche zur Nominierung: Kreisvorsitzender Volkmar Klein, Arne Fries, Kreistagsfraktionschef Bernd Brandemann (von links).

Glückwünsche zur Nominierung: Kreisvorsitzender Volkmar Klein, Arne Fries, Kreistagsfraktionschef Bernd Brandemann (von links).

Foto: Michael Kunz

Kaan-Marienborn.  Fast einstimmig hat die Kreis-CDU Arne Fries am Mittwochabend zum Landratskandidaten nominiert.

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Das Ergebnis steht eigentlich schon zu Beginn des Abends fest. Aber die CDU macht es trotzdem spannend am Mittwoch in der Käner Weißtalhalle. Erst kurz vor 21 Uhr wird das Ergebnis der Wahl für den Landratskandidaten 2020 bekannt gemacht. Arne Fries, einziger Kandidat und schon nach seiner Vorstellungsrede mit langem Applaus bedacht, 93,8 Prozent der Stimmen bekommen.

Jetzt gibt es zum Klatschen auch die „Standing Ovation“, während der Kandidat gerührt strahlt und von Ehefrau Katja umarmt wird, bei der er sich dafür bedankt, dass sie schon viele Jahre an seiner Seite ist. Der Gegensatz zum nüchternen SPD-Unterbezirksparteitag vor einer guten Woche ist unübersehbar. „Hörgerät“ schafft mit Songs wie „Über den Wolken“ die richtige Stimmung, speziell für den Kandidaten wird immer wieder „Tage wie diese“ angesungen. Die große Sorge von Versammlungsleiter Volkmar Klein ist schon sehr früh, alle Interessierten in der Halle unterzubringen. 99 hatten sich angemeldet, gut 130 Stühle waren gestellt worden. Es sind aber deutlich mehr Mitglieder, die Arne Fries unterstützen wollen. „Wir sind überrascht. Positiv“, stellt Kreisgeschäftsführer Roland Jung fest.

„Einige kennen mich schon, die anderen können mich kennenlernen, in den nächsten Monaten“, verspricht Arne Fries nach Abarbeitung aller Formalien, die in einer solchen Versammlung einzuhalten sind, zu Beginn seiner Rede. Als „kompetent und sympathisch“ ist er von Volkmar Klein angekündigt worden, mit dessen kraftvoller Extrovertiertheit Fries eher nicht mithalten kann. Aber das will er auch gar nicht. Er wolle anpacken, arbeiten. „Ich bin eher der Verwaltungsfachmann. Nicht so der Showman“, betont der 47-Jährige und meint damit den jetzigen Landrat, an dessen Politik und Stil er sich ordentlich abarbeitet.

Heimat und Sicherheit

„Heimat. Sicherheit. Zukunft“, das sind die Themen, mit denen Arne Fries 2020 in den Wahlkampf ziehen will und die er in seiner gut halbstündigen Rede mit Leben füllt. Er möchte dem Kreis als verwaltungserfahrener Landrat dienen, der seine Mitarbeiter schätzt, bodenständig in der Heimat verwurzelt ist. Fries berichtet über seine Jugend in Oberheuslingen, seine Ausbildung zum Schreiner und den Weg in die Verwaltung, zuletzt als Leiter des Schulverwaltungsamtes des Kreises und heute als Beigeordneter in Siegen. Er will aktiv an der Spitze der Verwaltung stehen, ein neues Gemeinschaftsgefühl mit den Kommunen aufbauen -- alles Dinge, die er unter der jetzigen Führung durch Andreas Müller nicht sehen könne, ruft der Kandidat. Müller habe etwa für das kommende Jahr einen Heimattag ausgerufen. Das finde er gut, nickt Fries, „aber nicht vor dem Kreishaus und kurz vor der Wahl.“ Das gehöre „vor Ort“, findet er und sieht in der nun geplanten Version fast schon „einen Missbrauch des Ehrenamtes“.

Umwelt, Gesundheit, Digitalisierung

Trotz aller Angriffe betrachtet er den Amtsinhaber, der bis 2017 sein Chef war, grundsätzlich als „netten Kerl“ und verspricht „einen fairen Wahlkampf über der Gürtellinie. Und das erwarte ich auch von meiner CDU!“ Die ist für Fries eine Partei der Mitte. Er möchte den ÖPNV stärken, nach Einholung eines vernünftigen Gutachtens, sieht „die bestmögliche Krankenhausversorgung“ als klare Aufgabe und auch den Umweltschutz sehr wichtig. Digitalisierung ist für Arne Fries ein zentrales Thema. Da solle der Bürger große Erleichterung bekommen. Was er als Beigeordneter in Siegen begonnen habe, möchte er im Kreis weiterführen.

Dazu gibt es Unterstützung in einer kleinen Talkrunde mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik, zu der neben Ex-Minister Eckhard Uhlenberg die Freudenberger Spediteurin Linda Reinsch und der „Digital“-Unternehmer Ulf Lück zählen. Gefragt, wo Siegen-Wittgenstein denn in dieser Hinsicht heute stehe, schüttelt Lück nur kurz den Kopf. Jeder brauche da nur die Internetseite des Kreises aufzurufen, „schon sind wir in den 90ern“, stellt er fest und hat sich schon vorher amüsiert, als er von Volkmar Klein als Geschäftsführer einer PR-Agentur vorgestellt wurde: „Den Begriff habe ich schon seit 20 Jahren nicht mehr gehört.“

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