Schulaktion

Kreuztaler Schüler experimentieren mit Lautstärke

Sebastian und Mara

Sebastian und Mara

Foto: WP

Kreuztal.  Am Aktionstag gegen Lärm, dem „International Noise Awareness Day“, lernen die Schüler spielerisch, wie Hören funktioniert und wann Geräusche zu Lärm werden.

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Dr. Rodica Tciacuc beginnt die Schulstunde mit einem Zitat von Kurt Tucholsky: „Der eigene Hund macht keinen Lärm – er bellt nur.“ Ob die Schüler diesen Spruch kennen, will die Physiklehrerin wissen. Viele von ihnen nicken. „Und wer mag Hundebellen?“, fragt Tciacuc. Die einen heben den Daumen, andere dagegen senken ihn. „Jeder empfindet Lärm eben unterschiedlich“, erklärt die Lehrerin.

Das Gymnasium Kreuztal hat gestern am Tag gegen Lärm, dem „International Noise Awareness Day“ teilgenommen. Die Schüler der Jahrgangsstufe 6 lernten spielerisch, wie Hören funktioniert, wann Geräusche zu Lärm werden, wie dieser den Menschen beeinflusst und ihn auch krank machen kann. Sie hatten Vorträge vorbereitet, etwa über die Anatomie des Ohrs, und durften an 15 einzelnen Stationen experimentieren.

Eine davon: die „Kirchturmglocken im Ohr“. Hanna umwickelt ihre beiden Zeigefinger mit dünnem Geschenkband, an dessen anderem Ende ein Löffel hängt. Sie steckt die Finger in ihre Ohren, lässt den Löffel gegen die Tischkante schwingen. Dong! Das klingt tatsächlich wie eine ziemlich große Kirchturmglocke.

Wellen im Wasser

Auch an anderen Stationen geht es darum, wie sich Schall überträgt. Mara nimmt eine Stimmgabel in die Hand, schlägt sie gegen einen Stuhl, taucht sie dann in eine Schale voll Wasser, das zu spritzen beginnt. Sobald die Schwingung etwas abgenommen hat, entstehen kreisförmige Wellen. Die Sechstklässler durchlaufen alle Stationen, haken sie auf ihren Zetteln ab und notieren ihre persönlichen Erfahrungen.

„Das sind spannende Sachen“, findet Semina. Ob sie sich an Lärm störe? „In der Schule nicht, zu Hause manchmal schon. Meine beiden Geschwister sind immer laut.“ Alina, erklärt, bei ihr sei es eher umgekehrt: „Zu Hause geht’s, in der Schule aber stört mich Lärm, wenn ich mich konzentrieren muss.“

Dr. Tciacuc macht dazu ein Klassenexperiment im kleinen Hörsaal. An einer Schulbank ist ein Dezibelmessgerät angebracht, auf das eine Videokamera gerichtet ist. Über den Computer und den Beamer wird das Bild auf die Leinwand übertragen – die Schüler können also alle das Display des Messgeräts sehen. Erste Aufgabe: keiner soll sprechen – sondern nur atmen. Das Gerät zeigt 35 Dezibel. Nächster Schritt: Jeder flüstert mit seinem Tischnachbarn – die Zahlen auf dem Messgerät pendeln zwischen 55 und 60 Dezibel. Dritter Schritt: Alle reden laut durcheinander. Das ergibt knapp 90 Dezibel. „Ab 85 Dezibel sollte man eigentlich schon einen Gehörschutz verwenden“, sagt Tciacuc. Die Schüler heben die Lautstärke noch etwas weiter, sie klatschen und schreien, erreichen in der Spitze 113 Dezibel. Dann ist die Schulstunde vorbei. Ob sie Interesse an weiteren Aktionstagen gegen Lärm hätten, will Tciacuc von den Schülern wissen: Einhellige Meinung: Ja! Fabian erlaubt sich beim Verlassen des Hörsaals noch einen Spaß: „Wenn die Schule an diesem Tag einfach geschlossen bliebe, wäre es hier auch ganz leise.“

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