Umwelt

Kreuztaler Klärwerk stinkt nach faulen Eiern

Nicht nur den unmittelbaren Anwohnern stinkt’s:  Nun gibt es einen Plan, wie die Abluft der Kreuztaler Kläranlage gereinigt werden kann. Foto:Roland Abel

Nicht nur den unmittelbaren Anwohnern stinkt’s: Nun gibt es einen Plan, wie die Abluft der Kreuztaler Kläranlage gereinigt werden kann. Foto:Roland Abel

Kreuztal.   Aktivkohlefilter sollen Gestank bannen. Ursache sind Abwässer von Brauerei und Umwelttechnik. Investition von rund einer Million Euro.

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Faule Eier sind erst der Anfang. Dr. Heinrich Herbst vom Kölner Ingenieurbüro Sweco schildert die Eskalationsstufen der Wirkung von Schwefelwasserstoff-Verbindungen plastisch. Die sind es nämlich, die die Anwohner der Kläranlage Kreuztal belästigen. In der nächsten Stufe, so Dr. Herbst, „reiben Sie sich die Augen“, weil die brennen. Später kommen Halsschmerzen dazu. Und: „Dann wird Ihnen duselig, Sie kriegen Schwindelanfälle und können umfallen.“ Alles nichts Neues, kommentiert Arne Siebel (CDU) im Infrastrukturausschuss den Vortrag des Ingenieurs, gespiegelt werde der „jahrzehntelange Kampf der Bevölkerung im Littfetal“.

Fest steht, dass die Sulfate aus den Abwässern der Brauerei und von Lindenschmidt-Umwelttechnik kommen. „Durchaus zulässig“, betont Tiefbauamtsleiter Matthias Tanger, „ist das, was die da einleiten.“ Die Großeinleiter, so Stadtbaurat Eberhard Vogel, haben besondere Verträge mit der Stadt, beteiligen sich an den Kosten für Betrieb und größere Investitionen der Anlage. Das Ausmaß der Geruchsbelästigung ist unterschiedlich — letztlich legt auch der Gutachter nicht bis ins Letzte dar, welche Faktoren zusammentreffen, wenn es besonders stark stinkt. Auf jeden Fall aber ist das Konzept, das Sveco jetzt vorlegt,darauf ausgelegt, den übelsten Gestank zu binden: Rund eine Million Euro wird die Stadt am Klärwerk vor allem in Rohrleitungen und Gebläse investieren müssen, um die Abluft an verschiedenen Betriebsteilen — vom Sandfang über die Klärbecken bis zur Schlammentwässerung — zu binden und durch einen Aktivkohle-Filter zu jagen. Je nach Station wird die Anlage dimensioniert: Zwischen zwei und sieben Mal pro Stunde müssen bis zu 3100 Kubikmeter Luft ausgetauscht werden.

Eisen bindet Schwefelwasserstoff

Für den jährlichen Betrieb muss die Stadt dann noch rund 190 000 Euro einplanen. Um auch am Entstehungsort des Geruchs etwas zu tun, wird dem Abwasser der Brauerei bereits beim Einleiten in den Kanal Eisen in größeren Mengen beigegeben, das den Schwefelwasserstoff bindet. Entlang der Kanaltrasse wirkt das auch, sagt Tiefbauamtsleiter Tanger: „In Eichen haben wir das ganz gut in Griff.“

Dass die Abluftreinigung wie geplant funktionieren wird, haben die Gutachter bereits im vorigen Jahr mit einem Provisorium ausprobiert. „Das muss nun erweitert werden“, sagt Dr. Heinrich Herbst, der von einer „relativ simplen Technik“ spricht. Dass der Erfolg beim Probelauf noch nicht richtig durchschlug, erklärt sich Stadtbaurat Vogel mit den alten Rohrleitungen und der alten Ventilation: „Die haben vielleicht nicht gereicht.“ An anderen Versuchen, den Gestank zu besiegen, hat es auch nicht gefehlt. Dr. Herbst erinnert an den Versuch mit Biofiltern aus Rindenmulch. „Da war die Mikrobe am Ende ihrer Leistungsfähigkeit.“

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