Soziales

Jubiläum: Stadt Siegen hat seit 100 Jahren eigenes Jugendamt

Susanne Wüst-Dahlhausen und  Dr. Raimund Jung

Susanne Wüst-Dahlhausen und Dr. Raimund Jung

Foto: Steffen Schwab

Siegen.   „Der Druck auf Eltern ist deutlich gestiegen“, sagen Jugendamtsleiter Dr. Raimund Jung und Susanne Wüst-Dahlhausen, die Leiterin des Jugendamts.

Das Jugendamt der Stadt Siegen wird 100. Über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat Steffen Schwab mit Amtsleiter Dr. Raimund Jung und mit Susanne Wüst-Dahlhausen, der stellvertretenden Leiterin der Abteilung Kinder-, Jugend- und Familienförderung gesprochen.

Was feiern Sie?

Raimund Jung: Wir feiern 100 Jahre Jugendamt der Stadt Siegen. Am 23. Mai 1919 hat der Magistrat der Stadt beschlossen, ein Jugendamt einzurichten.

Das Jugendamt hatte damals vier Beschäftigte, drei Männer und eine Sozialfürsorgerin. Ein Chef, ein Stellvertreter, ein Anwärter und die Frau. Die Frau hat als „Sozialarbeiterin“ gearbeitet, die war draußen. Heute sind es ein paar mehr - rund 170, überwiegend Sozialpädagogen und nur noch zu etwa einem Fünftel Verwaltungskräfte. Planung und Qualitätsentwicklung sind eigene Arbeitsbereiche.

Was haben Sie zu feiern?

Jung: Wir machen sehr gute, wichtige Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien. Wir feiern einen großen Wechsel im Selbstverständnis. Im Kaiserreich waren Themen wie Gesundheitsfürsorge und Armenfürsorge an erster Stelle. Daraus ergeben sich auch die Wurzeln der Kinder- und Jugendarbeit in Siegen. Während es damals die Fürsorge für Waisen war, haben wir heute ein deutlich breiteres Spektrum, was Beteiligung einschließt von Kindern und Jugendlichen, die gefragt werden: Was können wir für euch tun? Sollen wir überhaupt was für euch tun? Also: zugehen, beraten, unterstützen statt Fürsorge und Probleme abnehmen.

Was ist eigentlich Jugend, wo fängt sie an und wo endet sie?

Jung: Früher gab es keine Jugend. Kinder waren in den Minen und auf den Feldern. Kindheit und Jugend waren reserviert für bestimmte Kinder und Jugendliche.

…die aus besseren Häusern.

Jung: Und für die anderen waren dann die Jugendämter da. Jugend beginnt da, wo die Gesellschaft auch demokratisch reif ist und wo es auch eine Notwendigkeit ist, Jugend Bildung zu gewähren, um den Produktivitätsfortschritt beherrschen zu können, Reichtum und Wohlfahrt möglich zu machen. Das fängt schon um 1800 mit Humboldts Ideal von Allgemeinbildung und Schulpflicht an – zunächst auch nur für bestimmte Kinder. Erst nach dem 1. Weltkrieg können alle daran partizipieren.

In der Chronik, die Sie zum Jubiläum herausgeben, werden die Waisen genannt. Die Kinder, die nicht verhungern sollten. Die Jungen, nicht die Mädchen, die aus der Schule kamen und irgendwie in Griff gehalten werden sollten, bevor das Militär sie einzog.

Jung: Die Säuglings-, Kleinkinder- und Schulkinderfürsorge haben Sie noch vergessen. Aus dem Ferienhilfswerk, das im Haushaltplan heute noch so heißt, ist der Ferienspaß geworden mit deutlich anderen Angeboten, die sich an dem orientieren, was Kindern und Jugendlichen heute Spaß macht. Die Ursprünge kommen von der „Kinderlandverschickung“, den seinerzeitigen Erholungsmaßnahmen für Kinder.

Kommen wir zur Gegenwart und fangen mal bei den Jüngsten der um die 20.000 Siegener unter 18 an: den Babys.

Susanne Wüst-Dahlhausen: Die Willkommensbesuche. Es geht aber nicht nur um die Kinder, sondern auch um die Eltern, und da fangen wir schon vor der Geburt an. Heute bietet das Jugendamt Information, Beratung und Unterstützung für alle Kinder und alle Eltern an, nicht nur für die Bedürftigen.

Was möchten werdende Eltern von Ihnen wissen?

Wüst-Dahlhausen: Sie wollen Eltern sein, aber Familie und Beruf miteinander vereinbaren. Das ist so ziemlich der erste Gedanke, den in erster Linie Frauen bzw. werdende Mütter haben. Kinderbetreuung ist sehr früh ein Thema. Eltern informieren sich darüber schon vor der Geburt. Die Entwicklung des Kindes ist ein anderes Thema: Eltern wollen in der Regel alles richtig machen und informieren sich früh.

Sind Sie dann auch Erziehungsratgeber?

Wüst-Dahlhausen: Es geht vor allem um Informationen zu möglichen Angeboten oder auch Erziehungsberatungsstellen. Glücklicherweise verfügen wir in Siegen über ein breites Spektrum an Beratungsstellen und konkreten Angeboten. Das Familienbüro hat hier vor allem also eine Lotsenfunktion. Wir haben mit verschiedenen Menschen zu tun. Die einen wollen alles möglichst schon vor der Geburt wissen und früh regeln. Andere kümmern sich erst spät um Unterstützungsangebote, die dann sehr dringend benötigt werden.

Und dann gibt es die, die gar nicht kommen – die aber wahrscheinlich großen Unterstützungs- und Förderbedarf haben.

Jung: Das ist häufig auch ein kulturelles Problem. Im Zuge des Ausbaus der Betreuung für unter Dreijährige haben wir vor ein paar Jahren überlegt, wie wir insbesondere Migrantenfamilien besser erreichen können. Wir haben festgestellt, dass alle sehr interessiert sind und beispielsweise Informationen zu Kindertagesbetreuung und Bildungsangeboten gerne aufnehmen. Sie wollen gleichzeitig ihre eigene Kultur an ihre Kinder weitergeben. Die kulturelle Identität ist wichtig und so ist das sehr verständlich – das haben Sie mit der deutschen Community auf Mallorca genauso. Die Sprachprobleme werden dadurch allerdings nicht kleiner.

Wüst-Dahlhausen: Aber es ist in Ordnung. Das Jugendamt muss nicht immer wissen, was für Kinder und Familien das Beste ist. In aller Regel wissen Familien das für sich selbst. Die Wege, Kinder gut zu erziehen und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht, sind extrem vielfältig. Selbstbestimmt leben zu können ist ein Recht, das allen Eltern zugesteht.

Jung: Wir haben im Bereich der Kinderbetreuung einen großen Anteil an türkischen Tagesmüttern. Die Akzeptanz der Community, ihre Kinder dort betreuen zu lassen, ist deutlich höher. Das fängt bei Vertrauen, Ernährung und Sprache an.

Wüst-Dahlhausen: Wir haben auch Angebote, zum Beispiel ein Elterncafé, das vorrangig für Frauen mit Fluchthintergrund gedacht ist, um Vernetzung zu ermöglichen. Das Gesundheitssystem beispielsweise kennen diese Eltern häufig nur im Zusammenhang mit Krankheit. Zur Vorsorge mit dem Kind zum Arzt gehen zu können, obwohl es gar nicht krank ist, müssen sie erst einmal verstehen. Zunächst ist das für sie ein fremder Gedanke.

Jung: Auch Informationsveranstaltungen zum Bildungssystem werden sehr gut besucht. Dahinter steht der Ehrgeiz, etwas für die Kinder zu erreichen. Sie sollen es einmal besser haben…

Tagesbetreuung ist ein Schwerpunktthema.

Wüst-Dahlhausen: Bis zum Ende der Grundschulzeit.

Jung: Bildung und Erziehung – das ist mehr als Betreuung. Das ist ein Schwerpunkt der Arbeit, und darüber bekommen Eltern Kontakt zum Jugendamt, obwohl sie es gar nicht so wahrnehmen. Das macht auch vom Finanzvolumen am meisten aus. Wir geben in Siegen jährlich für diesen Bereich 38 Millionen Euro aus. Der Bereich Kinder und Jugend ist der teuerste – das ist gut angelegtes Geld. Mit 170 Beschäftigten sind wir auch personell der größte Bereich. Hinzu kommen die Beschäftigten der freien Wohlfahrtspflege und der freien Jugendhilfe, die auch Träger fast aller Kindertageseinrichtungen in der Stadt sind. Das ist ein Ausdruck von Vielfalt. Dahinter steht das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern: Wer soll die Hilfen leisten – und wer nicht?

Dann kommen die Kinder- und Jugendtreffs.

Jung: Was die Zahl der Beschäftigten angeht, der größte Bereich. Die meisten nehmen zunächst Ferienspaßangebote wahr, eher weniger das Angebot in den Jugendeinrichtungen. Dort sind eher die Kinder und Jugendlichen, die zu Hause nicht die Möglichkeit haben, ihr Umfeld selbst zu gestalten.

Das war nicht selbstverständlich. Jugendliche haben für ihre Jugendzentren gekämpft.

Jung: Auch in Siegen hat es besetzte Häuser gegeben. Heute hat sich die Arbeit verlagert, stärker hin zur Arbeit mit Kindern, insbesondere mit Grundschulkindern.

Womit wir bei der Verbindung zu den Schulen sind.

Jung: Die Schulsozialarbeit nach dem Siegener Modell hat eine große Tradition, die in die 70er Jahre zurückgeht. Ganztag war für uns nichts Neues.

Manchmal meint man eine Konkurrenz herauszuhören: Wessen Angelegenheit ist das eigentlich, die der Schulen oder des Jugendamts?

Jung: Beide sind gefragt. Und wir haben einen Zielkonflikt. Aus dem wollen wir gar nicht herauskommen. Das ist die Auseinandersetzung um die besten Wege für Kinder und Jugendliche. Wir haben Gott sei Dank Schulpflicht. Zugleich haben wir Jugendangebote, die sich Freiwilligkeit und Partizipation auf die Fahnen schreiben. Das hat in der Schule natürlich eine gewisse Grenze.

Wüst-Dahlhausen: Ein großes Thema sind Übergänge, zum Beispiel von Schule zum Beruf, insbesondere auch für Jugendliche, die Schwierigkeiten in der Schule haben. Auch da haben wir Angebote, um Jugendlichen bessere Chancen zu eröffnen.

Erlebnispädagogik, Freizeiten, Hip Hop tanzen, Trommeln basteln, Theater – die Freizeitangebote sind vielfältig. Auf der anderen Seite sind Sie an der Jugendgerichtshilfe beteiligt, arbeiten mit Jugendlichen, die Sozialstunden ableisten müssen. Und dann gibt es die Familien, wo es einfach schief läuft, wo der allgemeine Sozialdienst gefragt ist, der auch Teil des Jugendamts ist.

Jung: Das ist das Feld von Beratung und Unterstützung.

Aber nicht unbedingt nur auf Anforderung…

Jung: Das ist vielleicht ein Anteil von fünf bis zehn Prozent, wo es nicht mehr mit den Eltern geht. Das Ziel ist immer, mit den Eltern zusammen einen Weg zu suchen. Das klappt in der überwiegenden Zahl der Fälle. Weil so gut wie alle Eltern den Anspruch haben, den Weg mit ihren Kindern zu gestalten und zu meistern.

Wüst-Dahlhausen: Der Allgemeine Soziale Dienst ist der Bereich des Jugendamts, der das sogenannte „Wächteramt“ erfüllt. Hier gilt es dafür zu sorgen, dass es allen Kindern gut geht. Jede Familie weiß, dass es krisenhafte Situationen im Leben gibt, wo Unterstützung und Beratung hilft. Und dann haben wir die wenigen Fälle, wo Eltern tatsächlich ausfallen und das Jugendamt einspringen muss.

Es gibt die Tendenz, dass der Aufwand für ambulante und stationäre Hilfen steigt.

Wüst-Dahlhausen: Das Bewusstsein, aufeinander aufzupassen, ist stärker geworden, Hilfen werden frühzeitiger eingestielt.

Jung: Der Druck auf Eltern, zu bestehen, ist deutlich gestiegen. Viele Kinder leben auch noch heute in Armut. Viele Eltern kommen mit einem Job nicht mehr aus. Da fehlt Zeit, Ruhe, Gelassenheit, sich in dem Maße um sich selbst und die Kinder kümmern zu können, wie es wünschenswert wäre.

Spüren Sie auch Druck auf sich selbst?

Jung: Das Verfahren zum Thema Kinderschutz ist standardisiert. Es ist genau festgelegt, an welcher Stelle welche Schritte und Maßnahmen greifen. Das gibt den Kolleginnen und Kollegen Sicherheit. Trotzdem gibt es Ausnahmesituationen. Wenn Sie in diesem Bereich arbeiten, dann sind Sie unter Druck. Weil jeder Fehler, den Sie machen, der große Fehler sein kann. Was wir nicht haben, sind Umstände wie in Lügde. Hier würde kein Kind zu einer Pflegefamilie auf einem Campingplatz gegeben werden.

Wüst-Dahlhausen: Es ist oft die Schwierigkeit im Allgemeinen Sozialdienst, bei zeitlichem Druck die Nachvollziehbarkeit des fachlichen Handelns sicherzustellen und adäquat zu dokumentieren. Denn der ASD muss sein Handeln immer legitimieren können. Und die Arbeit belastet. Auch deshalb kommt es im Allgemeinen Sozialdienst zu einer hohen Personalfluktuation.

Jung: Die Familie hat in Deutschland einen sehr hohen Rang, und das ist auch gut so. Es ist schwierig, Erziehungsverhältnisse bei Menschen zu beurteilen, mit denen Sie sonst nicht so viel zu tun hätten. Es ist gar nicht so einfach, dort die Distanz zu halten und gleichzeitig zu überlegen, wie ich diese Familie stärken kann.

Über die Eltern haben wir noch nicht gesprochen. Zu ihnen kommen ja nicht nur die, die Betreuungsplätze für ihre Kinder suchen und nicht auf Anhieb fündig werden.

Wüst-Dahlhausen: Trennung und Scheidung ist ein großes Thema in allen Beratungsstellen und auch im Allgemeinen Sozialen Dienst. Sorgerecht und Umgangsrecht werden oft diskutiert. Und Vaterschaftsanerkennung: Wir haben viele Eltern, die nicht verheiratet sind und ein Kind erwarten. Damit stellt sich dann oft die Frage des Geldes, des Unterhalts und des Sorgerechts.

Jung: Für Eltern und Erwachsene haben wir auch weitere Angebote, wie die Unterhaltsvorschussstelle. Und die Betreuungsstelle. Sie können hier beim Jugendamt auch eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht beglaubigen lassen.

Was ist die größte Errungenschaft für das Jugendamt in diesen 100 Jahren?

Jung: Kommunale Selbstverantwortung, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit freien Trägern, Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, die Partizipation der Jugendlichen, Unterstützen statt Eingreifen.

Was waren die größten Fehler?

Jung: Systematische Fehler haben wir nicht gemacht. Es gibt den Ausblick auf die nächsten großen Baustellen: Welche Organisation soll sich um Menschen mit besonderem Förderbedarf kümmern? Das wird eine große Herausforderung für die Jugendhilfe. Und es kommt der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Grundschulkinder. Vielleicht begehen wir da Fehler.

Das war die Antwort auf die Frage nach Themen, die neu kommen. Gibt es denn auch Themen, die in Zukunft keine mehr sein werden?

Jung: Mir fällt nichts ein.

Wüst-Dahlhausen: Die übergeordneten Fragestellungen sind aus meiner Sicht in den letzten 100 Jahren gleich geblieben und werden es auch zukünftig sein. Weil die Zielgruppe bleibt. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen ändern sich immer, aber grundsätzlich muss ein Jugendamt dafür Sorge tragen, dass ein optimales Aufwachsen für Kinder im jeweiligen Umfeld gelingt und die Rechte von Kindern berücksichtigt werden.

Jung: Zugenommen haben die Anforderungen an Kinder, Jugendliche und Familien. Die können auch Stress verursachen und Unsicherheit und Krisen auslösen. Da hat sich schon eine Menge verändert.

Fürsorge und Protest — Blick in die Geschichte 

Zur Jubiläums-Festveranstaltung im Gläsersaal am heutigen Donnerstag erscheint eine Festschrift. Die 100-jährige Geschichte des Jugendamts hat der Siegener Historiker Bernd D. Plaum dokumentiert.

1905

1905 ist Siegen eine kleine Mittelstadt mit rund 25.000 Einwohnern. Sie dehnt sich über die Altstadt hinaus auf Sieghütte, Hammerhütte und Hain aus, Wohngebiete entstehen an den Hängen. Weil es Arbeitsplätze gibt, wandern viele Menschen zu, auch aus Italien und Kroatien. 75 Prozent der Einwohner zählen zur Unterschicht. 31 Prozent verdienen so wenig, dass sie keine Steuern bezahlen. Siegen ist jung, 46 Prozent der Einwohner sind jünger als 21 Jahre. Schon 1899 klagt Stadtrat Peter Hubert Knops im Bericht des Armen-Unterstützungsvereins über „jugendliche Arbeiter, die bereits frühmorgens betrunken durch die Straßen ziehen und lärmen“. Die Rede ist von Schulschwänzern, Ausreißern aus „Fürsorgerziehungsanstalten“, „Rohlingen“, „Jünglingen aus dem Volke — frühreif, unkeusch, verwahrlost ...“

1911

1911 gründet der Magistrat einen Stadtausschuss für Jugendpflege, der „Jugendvolksabende“ veranstaltet und eine Broschüre mit „Verhaltensmaßregeln für die Jugend“ herausgibt. Die Stadt hat schon ein Waisenhaus, das Anna-Helenen-Stift, später kommen zwei konfessionelle Waisenhäuser hinzu, und einen Kinderhort, und sie fördert Badereisen und Erholungskuren für kranke Kinder.

1919

Am 23. Mai 1919 werden verschiedene Abteilungen zu einem Jugendamt zusammengefasst. „Während die männliche Jugend sich an fremdem Gut vergreift, verfällt die weibliche dem Laster der Unsittlichkeit“, heißt es in einem 1922 veröffentlichten Bericht der Dienststelle. Für obdachlose Mütter mit ihren Kinder richten die Kirchen „Mädchen(schutz)heime“ ein. In der Pfarrstraße wird 1928 ein städtisches Jugendheim eingerichtet, das schon 1929 wieder vom Arbeitsamt verdrängt wird.

1933

1933 übernehmen die Nazis den Großteil der Jugendarbeit in ihre Parteiorganisationen; beim kommunalen Jugendamt bleibt wenig mehr als die „Krüppelfürsorge“.

1945

1945 wird das Jugendamt neu eingerichtet – auch die schon vor 1933 beschäftigte Fürsorgerin, von den britischen Besatzern zunächst als „untragbar“ eingestuft, darf 1947 „entnazifiziert“ ihre Arbeit wieder aufnehmen. Karl-Heinz Meisel, der 1975 Amtsleiter wird, fängt als „Stadtkreis-Jugendleiter“ an, er ist Siegens erster hauptamtlicher Jugendpfleger.

1972

1972 besetzen Jugendliche und Pädagogikstudenten das Haus Austraße 13, das das Straßenneubauamt für den Bau der HTS abreißen will und eröffnen am 11. November ein „Autonomes Jugendzentrum – einen Monat später wird es von der Polizei geräumt. Ab 1974 gibt es mit dem „Haus der Jugend“ auf der Sieghütte neben dem 1956 eröffneten Jugendheim am Altenhof ein städtisches Jugendzentrum. Aus beiden geht 2004 die Blue Box hervor.

  • Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Siegerland gibt es hier.
  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben