Jugendrotkreuz

Darsteller für den Notfall im JRK Siegen-Wittgenstein

Sieht schmerzhaft aus – ist es aber nicht: Melanie Graf, Leiterin des Kreis-Jugendrotkreuzes, lässt sich von Jacqueline Herr eine blutige Wunde auf die Stirn schminken.

Foto: Florian Adam

Sieht schmerzhaft aus – ist es aber nicht: Melanie Graf, Leiterin des Kreis-Jugendrotkreuzes, lässt sich von Jacqueline Herr eine blutige Wunde auf die Stirn schminken. Foto: Florian Adam

Siegen.   Die Notfalldarsteller des Jugendrotkreuzes Siegen-Wittgenstein geben Rettungsübungen die realistische Note.

So ein Daumen ist schnell ab. Selbst, wenn er gar nicht ab ist: Nur ein paar Minuten hat Janina Baldus gebraucht, um die Hand ihrer Kollegin Jacqueline Herr aussehen zu lassen, als sei das obere Glied des Daumens abgetrennt. Eine klaffende Wunde. Blut. Knochenreste. Doch Jacqueline Herr lächelt, es geht ihr prima.

Bedarf

Es muss echt aussehen. Die Notfalldarstellergruppe des Jugendrotkreuzes im DRK-Kreisverband Siegen-Wittgenstein sorgt dafür, dass Feuerwehr und Rettungsdienste realitätsnah den Ernstfall proben können. „Die Leute, die mit Menschenrettung zu tun haben, sollen ihre Übungen unter realistischen Bedingungen ausführen“, erläutert Kreis-JRK-Leiterin Melanie Graf. Dazu gehört nicht nur, dass die Helfer simulierte Verletzungen zu sehen bekommen. „Sie müssen an der Darstellung auch erkennen, wie sie vorgehen müssen“, sagt Graf.

Anspruch

Eine Übung ist kein Ponyhof. Im Vorfeld klärt das Team mit den Helfern das Szenario und welche Verletzungen zu behandeln sein sollen. Wenn dann die Retter am Übungsort ankommen, „fangen die Notfalldarsteller an zu brüllen, zu husten, zu schreien“, beschreibt Graf – die Einsatzkräfte müssen die Verletzten orten können. Es geht aber nicht um wüstes Herumplärren, sondern um eine passgenaue und differenzierte Darbietung. Die Darsteller müssen sich mit dem Verletzungs- und Krankheitsbild genau auskennen, damit sie auf Maßnahmen der Helfer realistisch reagieren können. Unternehmen die das Richtige, muss der Darsteller eine Verbesserung der Symptome zeigen – andernfalls eine Verschlechterung. Verbale Kommunikation ist dabei nicht immer möglich, schließlich können sich Verletzte auch nicht in allen Fällen klar artikulieren – es sind also gute schauspielerische Fähigkeiten gefragt.

Sicherheit

Gerade bei Darstellern, die bewusstlose Verletzte verkörpern, steht oft ein so genannter Schatten daneben – jemand vom Team, der den Helfern sagt, wie sich ihre Maßnahmen auswirken. Es kann auch vorkommen, dass die Beteiligten so sehr in ihren Rollen sind, dass der Schatten sie stoppen muss, bevor es ans Eingemachte geht, wie Graf erklärt. „Man muss schon manche Sachen über sich ergehen lassen, und man muss den Helfern blind vertrauen“, sagt die Expertin.“ Aber alles hat Grenzen: Spätestens bevor Spritzen oder sonstige invasive Verfahren zum Zuge kommen, greift der Schatten ein.

Theorie

Das JRK Siegen-Wittgenstein bietet Lehrgänge für die Notfalldarstellung an. Mitmachen können Jugendliche ab 14 Jahren. Die Inhalte sind anspruchsvoll, doch „der Spaß soll an vorderster Stelle stehen“, betont Ausbilderin Janina Baldus. „Wir fangen mit dem Schminken an, gehen über zur Darstellung und erarbeiten dann die theoretischen Grundlagen. "Es ist Einiges an Fachwissen erforderlich, denn nur so können die Darsteller in der Übung realistisch auf das Verhalten der Helfer reagieren. Es gibt auch schauspielerische Übungen. Eine gewisse Begabung ist dafür natürlich erforderlich, ebenso die Fähigkeit, aus sich herauszugehen. „Es gibt auch Leute, die sagen, sie haben dieses Schauspieltalent nicht“, sagt Baldus. Das ist aber gar kein Problem, denn diese spezialisieren sich dann auf das Schminken – oder sie wirken als Schatten während der Übungen mit.

Praxis

Die Möglichkeiten der Darstellung sind nahezu unbeschränkt. Von einfachen Schürf- und Schnittverletzungen bis zu Knochenbrüchen und abgetrennten Gliedmaßen über Verbrennungen bis zu austretendem Gedärm lässt sich mit Hilfe der professionellen Schmink-Utensilien und einiger Hilfsmittel praktisch jeder Notfall verblüffend echt simulieren. Manchmal ist aber auch reine schauspielerische Leistung gefragt, etwa bei Schocks. „Da kann man richtig Stress machen“, erklärt Melanie Graf, wieso diese Rolle ihr persönlicher Favorit ist – und erzählt von einer Übung: „Da wollte mich ein Polizist mal einfangen. Ich habe mich aber nicht einfangen lassen.“

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