Inklusion

Jobtausch: Warum nicht mal die Perspektive wechseln?

Der AWO-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe beteiligt sich am bundesweiten Aktionstag Schichtwechsel. Menschen mit Behinderung tauschen für einen Tag ihren Job mit Menschen ohne Behinderung.

Der AWO-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe beteiligt sich am bundesweiten Aktionstag Schichtwechsel. Menschen mit Behinderung tauschen für einen Tag ihren Job mit Menschen ohne Behinderung.

Foto: Jennifer Wirth / WP

Deuz.  Der Aktionstag „Schichtwechsel“ ist am 24. Oktober: Menschen mit und ohne Behinderung dann tauschen ihre Jobs. AWO sucht dafür Firmen.

„Morgen, Chef! Na, alles frisch?“, sagt ein junger Mann zu Jörg Kettner und klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter. Jörg Kettner ist Betriebsleiter der Deuzer AWO-Werkstatt, ruft etwas Freundliches zurück und grinst. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten hier zusammen und haben vielfältige Aufgaben. Die lockere Art und der gute Umgang miteinander seien besonders, weiß Kettner. Was genau in den Werkstätten passiert und was die Beschäftigten dort leisten, dafür möchte der AWO-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe auch Externe sensibilisieren. Die Arbeiterwohlfahrt beteiligt sich in diesem Jahr erstmalig am bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel“ von der Bundesgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen am 24. Oktober.

Wichtig dabei: Es werden aktuell noch Unternehmen gesucht, die Lust haben mitzumachen. Die Sparkasse Wittgenstein hat bereits fest zugesagt.

Wie funktioniert die Aktion?

Beschäftigte aus heimischen Unternehmen können am Aktionstag ihren Arbeitsplatz mit Beschäftigten aus den Werkstätten tauschen. Das geht entweder 1:1 oder (falls die Interessen der Tauschpartner zu unterschiedlich sind) auch losgelöst. Es können also Tandempartner gebildet werden, müssen aber nicht. Ein Unternehmen kann auch nur Mitarbeiter in die Werkstätten entsenden oder nur Plätze anbieten. Die AWO ist flexibel und versucht mit dem Sozialen Dienst das Richtige für alle Teilnehmer zu finden.

Worum geht es dabei?

Stichwörter sind die gegenseitige Rücksichtnahme, der Abbau von Vorurteilen und vor allem Spaß. Es geht darum, die Perspektive zu wechseln und beiden Seiten ein gutes Gefühl für die jeweils andere Situation zu vermitteln. Eine Win-Win-Situation:

Die Beschäftigen der Werkstätten haben die Möglichkeit, ganz unverbindlich in ein anderes Berufsfeld zu schnuppern. Sie gewinnen neue Eindrücke und ihnen eröffnet sich unter Umständen die Option, im Anschluss ein Praktikum zu machen – oder sogar einen Job auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt zu finden. Und auch jene Mitarbeiter, die nicht selbst tauschen, sondern die „Neuen“ vor Ort in den Werkstätten als Pate in Empfang nehmen, erfahren dadurch Wertschätzung. Sie sind dann diejenigen, die anderen Menschen etwas zeigen können. „Wir haben herzliche Beschäftigte, die ihre Arbeit mit Stolz und Engagement vorstellen“, sagt Jörg Kettner. Bereits jetzt würden täglich Menschen auf ihn zukommen, die großes Interesse zeigen. „Sie fragen mich jetzt schon, was sie dann kennenlernen können. Wir wollen auch ermutigen, Wege aus der Werkstatt herauszufinden.“

Die Beschäftigen aus den Unternehmen arbeiten in einem inklusiven Team und macht das, was ihr Tauschpartner normalerweise macht. Sie lernen neue Gesichter kennen und gewinnen einen Eindruck von den Abläufen.

Warum ist das wichtig?

„Viele Menschen haben gar keine Vorstellung davon, was in den Werkstätten passiert“, sagt Uta Lode. Sie ist Leiterin des Bereichs Fundraising beim Kreisverband. „Uns geht es auch darum, mit dem angestaubten Klischee der exklusiven Werkstatt, in denen Menschen mit Handicap simple bis stumpfe Tätigkeiten ausüben, aufzuräumen.“ Denn die Arbeiten, die die Menschen dort machen, sind alles andere als stumpf. Angepasst an ihre persönlichen Bedürfnisse und teilweise mit innovativen Hilfsmitteln wie optischen Ampelwaagen stellen die Beschäftigen Produkte für die unterschiedlichsten regionalen und überregionalen Unternehmen her. Die Verarbeitung von Holz, Metall, Textilien und Kunststoff findet in den Werkstätten genauso statt wie industrielle Montagearbeiten, Landschaftsarbeiten und der Dienst im Restaurant.

Wie läuft der Tag ab?

Der Kreisverband organisiert den Fahrdienst für die Teilnehmer aus den Werkstätten. Idealerweise zwischen 9 und 15 Uhr übernehmen sie im Unternehmen ihre neuen Aufgaben. Idealerweise können sie jemandem über die Schulter schauen und haben einen Ansprechpartner. Jede Person hat Kontaktdaten für den Notfall dabei. Alle Details können individuell mit dem Kreisverband besprochen werden. Für die anderen Tauschpartner geht es ab 8 Uhr los.

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