Pflege

Hilchenbacher Guido Fuhrmann verkauft Haus Abendfrieden

Gewachsene Strukturen: Haus Abendfrieden gibt es seit 1951; es ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Nun hat Guido Fuhrmann das gesamte Familienunternehmen verkauft.

Gewachsene Strukturen: Haus Abendfrieden gibt es seit 1951; es ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Nun hat Guido Fuhrmann das gesamte Familienunternehmen verkauft.

Foto: Privat

Hilchenbach.   Familienbetrieb wechselt Besitzer: Dorea-Gruppe übernimmt den Betrieb, die Schweizer Valartis Group die Grundstücke. 281 Mitarbeiter betroffen.

Der Hilchenbacher Guido Fuhrmann hat die gesamte Abendfrieden-Gruppe verkauft. Die Dorea Gruppe mit Sitz in Berlin übernimmt den Betrieb, die Immobilien wurden von der Schweizer Valartis Group erworben. Der Unternehmer hat die Belegschaft am Donnerstag um 13 Uhr über die Veränderung informiert. Betroffen sind 281 Mitarbeiter, die bei den verschiedenen Gesellschaften unter Vertrag stehen. Nach Informationen unserer Zeitung soll durch den Verkauf kein Mitarbeiter schlechter gestellt werden, als bisher. Der Betrieb laufe gut, der neue Eigentümer sei breit aufgestellt. Die Teams, heißt es aus internen Kreisen, würden gut funktionieren. Die Fuhrmanns Familie stehe hinter der Entscheidung.

Worum geht es bei dem Verkauf?

Konkret geht es um zwei stationäre Häuser mit 92 Betten, vier Wohnkonzepte mit 46 Apartments für betreutes Wohnen und 64 Plätze für Tagespflege. Das Angebot soll bestehen bleiben. Mit der Übernahme steigt die Zahl der Dorea-Häuser auf 67 mit mehr als 6200 Betten. Mehr als 4600 Mitarbeiter erwirtschaften mehr als 230 Millionen Euro. Der Kauf stehe noch unter dem Vorbehalt des Kartellamtes. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart.

Seit 1951 gibt es das Haus Abendfrieden, das Guido Fuhrmann in der dritten Generation als privates Alten- und Pflegeheim geführt hat. Fuhrmann entwickelte das Konzept über viele Jahre. 2016 fand sein Ambulantes Hospiz in der Pflegebranche bundesweit Beachtung. „Es ist ein Hospiz für todkranke Menschen mit Demenz, die in einer selbstverantworteten Wohngemeinschaft zusammenleben und zudem von den Nutzungsmöglichkeiten einer Tagespflege mit dem Schwerpunkt Hospizarbeit profitieren“, so Fuhrmann. Außerdem stehen 46 Apartments zur Verfügung in denen die Senioren ein weitestgehend selbstständiges Leben führen und die hausinterne Tagespflege nutzen können.

Wieso wird verkauft?

Nach Informationen unserer Zeitung habe der Geschäftsführer zunehmend unter Druck gestanden. Externe Probleme wie Fachkräftemangel und -quoten hätten Fuhrmann, der alleine an der Spitze des Betriebes stand, sehr beschäftigt. Die Probleme seien gewachsen und Fuhrmann habe sich nicht mehr in der Lage gesehen, dem entgegenzuwirken – ohne, dass die Qualität des Angebots leide. Zudem hätten Fuhrmanns Kinder kein Interesse an einer Weiterführung signalisiert.

Was hat Dorea vor?

Dorea-Chef Axel Hölzer sagt: „Wir sind dankbar, auch mit dem Projekt Abendfrieden eine herausragende Kompetenz auch für Palliativ-Versorgung durch die erfahrenen Mitarbeiter gewonnen zu haben. Die Dorea-Familie wird vom speziellen Wissen profitieren und ihr Pflegeangebot dadurch qualitativ aufwerten.“

Für die nächsten Jahre hat sich Hölzer vorgenommen, durch Zukäufe weiterhin um 1500 bis 1600 Betten pro Jahr zu wachsen und auch im ambulanten Bereich um jährlich 600 bis 800 neue Patienten zuzulegen. Die Gruppe verfolgt dabei die „Akquisitionsstrategie, kleinen und mittelständischen, familiengeführten Unternehmen flexible Lösungen für die Nachfolge auch bei komplexen Eigentümerstrukturen anzubieten“, heißt es.

Mehrheitsgesellschafter von Dorea ist die französische Unternehmerfamilie Mulliez, deren Vermögen auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt wird. Ihr gehören unter anderem die Supermarktkette Auchan und Decathlon.

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