Bundestagswahl

Heiko Beckers Start in einen langen Wahlkampf für die SPD

Im Gespräch mit der Redaktion: Heiko Becker ist der SPD-Bundestagskandidat für Siegen-Wittgenstein

Im Gespräch mit der Redaktion: Heiko Becker ist der SPD-Bundestagskandidat für Siegen-Wittgenstein

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Wieder ein Kreuztaler: Heiko Becker will als Nachfolger von Willi Brase den Wahlkreis Siegen-Wittgenstein für die SPD gewinnen. Er startet früh.

Heiko Becker schaut vorbei. Er macht das mit Plan. Wie alles, seit Willi Brase vor gut einem Jahr hat wissen lassen, dass er keine sechste Wahlperiode im Bundestag anstrebt. Er war der Erste, der seinen Anspruch auf Brases Nachfolge anmeldete. Und er verbrannte nicht wie so viele, die zu früh in das Rennen um ein Amt gehen. Beim Parteikonvent im November setzte er sich gegen eine Mitbewerberin und einen Mitbewerber durch. „Das war schon ein harter Wahlkampf“, sagt er im Rückblick. Der richtige folgt jetzt erst noch: Wenn er nach Berlin will, muss er Volkmar Klein überrunden. Zwei Wahlperioden Bundestag, vier Wahlperioden Landtag. Der CDU-Mann ist auch Profi. Erst recht.

Über den Wahlkampf

„Ich will zu den Leuten hingehen und die Probleme anhören.“ Überall hingehen, sich vorstellen. Das bekennt Heiko Becker, als er 2004 in Erndtebrück in den Gemeinderat gewählt werden wollte – Antje Laues-Oltersdorf, die damalige Fraktionsvorsitzende, und Ortsvereinschef Udo Grebing suchten noch jemanden aus Womelsdorf. Der Parteinovize, der gerade noch bei der Bundeswehr Sandsäcke gegen die Elbeflut gestapelt hatte und dann, 2002, wegen Schröders Nein zum Irak-Krieg in die SPD eingetreten war, wurde auf Anhieb stellvertretender Fraktionschef, ab 2012 Fraktionsvorsitzender. „Ich bin jetzt erst mal ein bisschen im Hintergrund“, sagt er.

Bis zur Landtagswahl überlässt er in der SPD Tanja Wagener und Falk Heinrichs die Bühne. Im Juni wird Beckers Wahlkampfteam stehen. Und genau wissen, wo Präsenz sich besonders lohnt. „Wir analysieren das im Moment.“ Die Themen, die mit ihm verbunden werden sollen, hat Heiko Becker längst definiert. Und jeder, der im letzten Jahr einmal mit ihm diskutiert hat, kennt sie: Familienpolitik, Demografie, Verkehr, Infrastruktur. Wunsch-Promis, die ihn unterstützen würden? Martin Schulz „wäre natürlich ein Highlight.“ Warum auch nicht. 2005 haben sich Schröder und Steinbrück nach Siegen bemüht. Als Merkel hinterher erstmals Kanzlerin wurde.

Über die Politik als Beruf

Ich habe natürlich einen ordentlichen Startvorteil“, sagt Heiko Becker, der eine Wahlperiode lang Mitarbeiter von Petra Crone ist, der SPD-Bundestagsabgeordneten für Olpe und den Märkischen Kreis. Geplant war das alles nicht, sagt Heiko Becker. „Die Juso-Karriere habe ich nie gemacht“, sagt der 33-Jährige. Immerhin: Begonnen hat er zumindest genau da, wo Laufbahnen zu beginnen pflegen – als stellvertretender sachkundiger Bürger in einem Ausschuss des Erndtebrücker Gemeinderates. Denn an dieser Stelle der kommunalpolitischen Hierarchie ist nur der Aufstieg möglich. Becker beginnt ein Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Siegen, setzt am Ende ein Fernstudium drauf und schließt als Magister ab.

Maschinenbau wäre auch eine Alternative gewesen. Aber die wissenschaftliche Laufbahn wird es dann doch nicht: Mit seiner Partnerin Pia hat er zwei Söhne, zieht von Erndtebrück nach Kreuztal um. Die Mutter der Jungs ist Lehrerin und arbeitet voll, der Vater reduziert auf Teilzeit. „Ich war auch zwei Mal in Elternzeit.“ Becker kennt den Alltag junger Familien und allein Erziehender: „Man muss sich gut organisieren.“ Die Vorzüge einer guten Ausstattung mit Tagespflegestellen und des ausgedehnten Betreuungsangebotes einer Plus-Kita wissen die Becker-Heinemanns zu schätzen: „Wir sind ja in Kreuztal gut versorgt.“

Über die Zukunft

„Da wird garantiert noch jemand sein“, sagt Heiko Becker über das Jahr 2050 im heimatlichen Wittgenstein. Eine Legislaturperiode lang hat Heiko Becker im Abgeordnetenbüro bundespolitischen Stoff gelernt — er ist nicht der Erste, der aus der Mitarbeiterfunktion in die Abgeordnetenrolle wechselt. Dirk Wiese aus Meschede ist so einer, zum Beispiel, gerade sogar schon zum Parlamentarischen Staatssekretär aufgestiegen. Petra Crone und Willi Brase gehen mit 66 in den politischen Ruhestand. Heiko Becker hätte bis dahin 33 Jahre Zeit – das wären locker acht Wahlperioden. „Eine lange Zeit“, überlegt Becker, Schäuble kommt ihm in den Sinn, zu Unrecht, denn der macht gerade sogar schon 45 Jahre voll. Nein, Heiko Becker hat sich die Frage nach der Dauer des Engagements ganz offensichtlich noch nicht gestellt: „Ich klebe nicht an Posten, manchmal tut auch ein Wechsel ganz gut.“ Und was ist dann, 2050, wenn seine Laufbahn als Berufspolitiker vielleicht schon längst wieder vorbei ist? Vielleicht sind dann alle ein bisschen älter, mit selbst fahrenden Autos unterwegs, die überall einstiegsbereit warten, bestens digital vernetzt. Der nächste Schritt in die Zukunft findet am 25. März statt. Dann stellt die SPD in Münster ihre Landesliste für die Bundestagswahl auf. Am selben Tag wie die CDU. Ein Kandidat von beiden — nämlich der, der den Wahlkreis nicht gewinnt — wird auf diese Absicherung angewiesen sein.

>>>>Info: junge Talente

  • Die Siegen-Wittgensteiner SPD setzt nicht zum ersten Mal auf die ganz Jungen. 2014 wurde Andreas Müller mit 31 zum Landrat gewählt; er schlug Amtsinhaber Paul Breuer (CDU) in der Direktwahl. Im Kreistag waren Andreas Müller und Heiko Becker Platznachbarn — von den Senioren in die letzte Reihe platziert.

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