Geschichte

Haincher Feuerwehrleute feiern Fest zum 90-Jährigen

Edwin Dehl (rechts) und Thomas Müller leiten seit 2016 die Löschgruppe Hainchen.  Nächstes Wochenende wird 90-Jähriges gefeiert.

Edwin Dehl (rechts) und Thomas Müller leiten seit 2016 die Löschgruppe Hainchen. Nächstes Wochenende wird 90-Jähriges gefeiert.

Foto: Steffen Schwab

Hainchen.  Ein Opel Blitz? Das Foto von 1978, auf dem die Haincher ihr Löschfahrzeug in Empfang nehmen, wirkt nur heute aus der Zeit gefallen. Mit dem Oldtimer, dessen erster Vorgänger immerhin schon 1930 das Werk verließ, war die Löschgruppe noch 1988 unterwegs. Für die Feuerwehrmänner war das nichts Besonderes. Erst 1989 schaffte die Gemeinde zum ersten Mal in der Geschichte der 1929 gegründeten Löschgruppe für Hainchen ein nagelneues Fahrzeug an.

Ein Opel Blitz? Das Foto von 1978, auf dem die Haincher ihr Löschfahrzeug in Empfang nehmen, wirkt nur heute aus der Zeit gefallen. Mit dem Oldtimer, dessen erster Vorgänger immerhin schon 1930 das Werk verließ, war die Löschgruppe noch 1988 unterwegs. Für die Feuerwehrmänner war das nichts Besonderes. Erst 1989 schaffte die Gemeinde zum ersten Mal in der Geschichte der 1929 gegründeten Löschgruppe für Hainchen ein nagelneues Fahrzeug an.

Heute

Die obere Etage des Bürgerhauses, das einmal die Volksschule war, sieht wie neu aus: 4000 Arbeitsstunden, berichten Löschgruppenführer Edwin Diehl und sein Stellvertreter Thomas Müller, haben die Wehrleute in die Renovierung der ehemaligen Lehrerwohnung gesteckt. Über drei Winter verteilt richteten sie Jugend-, Schulungs- und Sanitärräume ein, bis 2014 alles fertig war. Den Jugendraum ziert ein an die Wand gemalter fröhlicher grüner Löschdrachen. Die Jugendfeuerwehr gibt es seit 1983, die Kinderfeuerwehr kam 2012 hinzu. „Wir waren die ersten in der Stadt“, erinnert Diehl. Die Idee haben sie sich von den Partnern abgeschaut: der Feuerwehr im hessischen Limeshain-Hainchen, von der sie 2006 auch einen gebrauchten Mannschaftstransportwagen kaufen konnten.

Am nächsten Wochenende feiern die Haincher Feuerwehrleute 90-Jähriges – die Löschgruppe ist ebenso alt wie Deuz, älter als viele Neugründungen wie Herzhausen (1938), jünger als die heutigen Stützpunktwehren Dreis-Tiefenbach (1910) und Netphen (1923). Dass sie, wie in ihren Anfangsjahren, allein und gar nur mit der Handdruckpumpe ausrücken, ist längst Geschichte. Für einen „Trupp“, die kleinste Einheit, müssen schon sechs Leute zusammen sein – tagsüber wird diese Stärke allenfalls zusammen mit den benachbarten Irmgarteichenern erreicht. Für ein „Feuer 4“, so der Alarmschlüssel für Brände, bei denen Menschen in Gefahr sind, braucht es 23 Leute, mindestens. Das geht nie ohne Verstärkung von den Stützpunkten.

Damals

Große Brände? „Wir sind zum Glück verschont worden“, sagt Thomas Müller, drei von vier der jährlich 20 bis 30 Einsätze sind technische Hilfeleistungen: umgestürzte Bäume, Verkehrsunfälle, Türöffnungen, Hochwasser. Edwin Diehl klopft bestätigend auf Holz: Ab und zu brennt es mal in der Küche – einmal sogar im Bürgerhaus neben der Fahrzeughalle: Da mussten erst einmal die Schweinshaxen gelöscht werden, bevor die Feuerwehrleute zu ihrer eigentlich geplanten Wanderung aufbrechen konnten. Die schweren Einsätze, zu denen die Haincher mit ausrückten, waren woanders: der Waldbrand in Eschenbach im vorigen Jahr, der Brand des Hofs Spies in Netphen 2017, der Brand des Gasthofs Ley in Irmgarteichen – aber der ist auch schon über zehn Jahre her, das Haus ist längst wieder aufgebaut.

Die Menschen

Edwin Diehl ist seit 1983, Thomas Müller seit 1990 bei der Feuerwehr. Beide, seit 2016 in der Löschgruppenführung, sind über die Jugendfeuerwehr eingestiegen.

„Man sieht, dass man etwas erreichen und anderen helfen kann“, erklärt Müller, warum er dabei geblieben ist. Wie die anderen 24 Männer und vier Frauen, die derzeit die aktive Löschgruppe bilden. Und die zehn Kinder- und acht Jugendfeuerwehrleute, die vielleicht irgendwann nachrücken. „Irgendwann kann es ja auch einen selbst treffen“, sagt Diehl. Nie vergessen wird er den Einsatz 1987 bei einem Verkehrsunfall auf der Eisenstraße. „Ich war gerade 18, 19 Jahre alt…“ Drei Tote mussten die Wehrmänner bergen, Bekannte, mit denen man eben noch im Dorf unterwegs war. „Die waren in meinem Alter.“ Auch heute sind die Feuerwehrleute froh, wenn sie nur wegen fünf Küken gerufen werden, die sich hinter einem Absperrgitter verfangen haben. „Das sind die einfacheren Momente.“

Das Dorf

Beim Jubiläumsfest wird zurückgeblickt: auf Großbrände bei den Sägewerken und der Hausbaufirma Büdenbender. Auf den Waldbrand, den 1947 ein Autofahrer mit seinem brennenden Holzvergaser auslöste. Auf den Hausbrand, der kurz vor Kriegsende durch Artilleriebeschuss verursacht wurde – und dem die Wehrmänner tatenlos zusehen mussten, wegen des Ausgehverbots.

Das Gerätehaus neben der alten Schule, eigentlich eine Fahrzeughalle mit Nebenräumen, haben sie seit 1982, das dritte Domizil nach dem Geräteschuppen bei der Schreinerei Schmitt und dem Gerätehaus an der Wasserburg. Und hier, mit dem Löschfahrzeug des Baujahrs 2004 und dem Mannschaftstransportwagen, wollen sie auch noch lange bleiben. Spätestens beim Maifest und beim Martinszug wird klar, dass die Feuerwehr zum Dorf dazugehört, auch wenn es nicht brennt. Oder, wenn – im Zuge der laufenden Neugestaltung der Anlage – eben mal der Burggraben der Wasserburg leergepumpt werden muss. Etwa alle zehn Jahre wird die Frage nach der Fusion mit den Nachbarn in Irmgarteichen gestellt. „Vielleicht irgendwann“, sagt Thomas Müller. Aber nicht jetzt, sagt Edwin Diehl: „Solange die beiden Einheiten stark genug sind.“

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