Landwirtschaftsmuseum

Hademer Museum: Platz für Mähbinder und Dreschmaschine

Die Mähmaschine könnte auch noch einen Platz in der neuen Remise finden. Der Erweiterungsbau des Landwirtschaftsmuseums ist in den letzten Wochen in ehrenamtlicher Arbeit entstanden.

Die Mähmaschine könnte auch noch einen Platz in der neuen Remise finden. Der Erweiterungsbau des Landwirtschaftsmuseums ist in den letzten Wochen in ehrenamtlicher Arbeit entstanden.

Foto: Steffen Schwab

Hadem.  Die Remise ist fertig. Landwirtschaftsmuseum wird nun auch außerschulischer Lernort. Partnerschaft mit Hilchenbacher Florenburgschule.

Die Remise steht. Mit vereinten Kräften haben die Ehrenamtlichen des „Vereins zum Erhalt historischer Gerätschaften“ an den Wochenenden dieses Frühlings den Unterstand aus Fichtenholz aus dem Hademer Wald errichtet, der Platz für den Flügelmäher, Dreschmaschine, Mähbinder, Leiterwagen und weitere Geräte aus der Sammlung des Landwirtschaftsmuseums bieten wird.

„Jetzt müssen nur noch die Wände beschlagen und der Boden gepflastert werden“, sagt Henning Moll, Vorsitzender des Vereins und Gründer des Museums, das seit 2004 im ehemaligen Dreschschuppen an Johanns Haus wächst, das schon 1542 erwähnt wurde und somit eines der ältesten Anwesen im Dorf ist. In drei Monaten, im August, ist das Museumsfest, das der Verein alle zwei Jahre ausrichtet. „Bis dahin sollten wir das Gröbste hinter uns haben.“

Sieben mal zwölf Meter Fläche überdeckt die Remise, die drei, im Giebel um die fünf Meter hoch ist: Schließlich soll auf der Dreschmaschine ja auch noch jemand stehen können. Die großen Maschinen waren in den letzten Jahren übers ganze Stadtgebiet verteilt ausgelagert, derzeit schützt sie ein Zelt beim Haus vor Wind und Wetter. Um die 10.000 Euro hat der Verein investiert, etwa die Hälfte davon kam bei einer Crowdfunding-Aktion zusammen.

Das Museum

Der Kinderwagen, der neben dem Flügelmäher steht, gehört nicht dorthin. „Den habe ich gerade erst mitgebracht“, berichtet Henning Moll. Das wuchtige Gefährt („Da kann man die Kinder drin baden“) ist vollgepackt mit anderem Hausrat. Auf dem Leiterwagen daneben steht eine Registrierkasse – „leider zu groß für die Theke“, bedauert Moll, der im vorigen Jahr einen kompletten Tante-Emma- – Laden nach Hadem verfrachten und wieder aufbauen konnte. „Wir sind mittlerweile bekannt“, erklärt Moll zur Herkunft der Gerätschaften, „die Leute rufen hier an.“ Auf diese Weise kam auch die Obstpresse mit Zubehör herbei – alles wird nach und nach seinen Platz in Ausstellung oder Fundus des Museums finden. „Irgendwo ist immer jemand, der irgendwas verwahrt hat.“

Gezeigt werden die ganzen Schätze nicht nur in Hadem. Für den Herbst plant Moll zusammen mit der Stadt wieder eine Ausstellung im Stadtmuseum. Diesmal über die Landwirtschaft in und um Hilchenbach. „Ein breit gefächertes Thema“, sagt Henning Moll, der nicht nur Geräte sammelt, sondern auch Dokumente und Bilder, zum Beispiel auch über die Molkerei, die es bis 1932 in der Nähe des Hilchenbacher Bahnhofs gab. Ein Thema für die Vergangenheit: Heute, sagt Henning Moll, gibt es im ganzen Stadtgebiet nur noch vier Milchkühe. Auch Liesel, deren Namenstafel mit dem Geburtsdatum 16. April 2008 im Stall hängt, ist Geschichte. Und Helga, die ihren Platz eingenommen hat, ist aus Plastik. Sie stand vorher im Schaufenster einer Metzgerei in Erndtebrück.

Längst ausgemustert wurden die Kuhgeschirre, die zwar farbenprächtig aussehen, für die Vierbeiner aber, deren Köpfe darin eingezwängt wurden, eine echte Qual waren. 1910 wurden die Instrumente aus dem Verkehr gezogen. Carl Kraemer, der Vater des deutschen Tierschutzgesetzes, stammt aus Hilchenbach. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Der Lernort

Das Landwirtschaftsmuseum wird außerschulischer Lernort. Die Uni hat die Kooperation mit der Florenburgschule vermittelt, deren Dritt- und Viertklässler künftig landwirtschaftliche Vergangenheit hautnah erfahren werden. Denn der Parcours führt sie vom Stall, wo sie selbst Butter herstellen werden, über den Laden, die Werkstätten und das Schulzimmer an den Webstuhl. „Dann können sie mal selbst spüren, wie unangenehm hart früher die Unterwäsche war“, sagt Henning Molls Ehefrau Katja, die stellvertretende Vorsitzende des Museumsvereins ist.

Jedes Schulkind wird einmal in seiner Grundschulzeit die Gelegenheit zu diesem besonderem Ausflug bekommen. Katja Moll: „Die Kinder werden sehen, dass damals längst nicht alles so bequem war wie heute.“ Mit der Kooperation verbinden die Betreiber des Museums auch eine Hoffnung: „Vielleicht kommen die Kinder einmal mit ihren Eltern wieder.“ Denn das Landwirtschaftsmuseum lebt nicht nur von den 12 Euro Jahresbeitrag, den jedes der rund 40 Mitglieder im Trägerverein entrichtet, sondern auch von seinen Besuchern. Die draußen aufgestellte Milchkanne soll sich füllen: mit Geldspenden, die den Betrieb auch in Zukunft ermöglichen.

Die Landwirtschaft

Auf der Wiese oben stehen eine Mähmaschine und ein Jauchefass. Nur Museum ist das Museum dann doch nicht. Im Sommer weidet oben das Rindvieh, während unten sich die Schafe um das Gras kümmern. Der Besuch der Kühe wird in diesem Jahr womöglich kurz ausfallen. „Auf der Wiese ist kein Futter“, stellte Henning Moll fest, „im vorigen Sommer war es einfach zu trocken.“ In Not stürzt das heute niemanden mehr. Früher war auch das anders.

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