Prozess

Gericht Siegen: Vorfall mit Spucke bleibt ungeklärt

Richter Uwe Stark hat es mit völlig unterschiedlichen Aussagen zu tun.

Foto: Hendrik Schulz

Richter Uwe Stark hat es mit völlig unterschiedlichen Aussagen zu tun. Foto: Hendrik Schulz

Ein Streit auf der Straße in Neunkirchen landet vor dem Amtsrichter. Doch aufklären kann die Angelegenheit niemand.

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Siegen. Es muss eine denkwürdige Begegnung gewesen sein, am 13. Januar in einem Ortsteil von Neunkirchen. Die 28-jährige Zeugin P. hatte ihren Sohn zu ihren Eltern gebracht und wollte zum Snowboard-Vergnügen nach Winterberg fahren. Unterwegs traf sie auf den Angeklagten M. — und wurde von diesem beschimpft und angespuckt, so dass sie sich „angeekelt und in ihrer Ehre verletzt fühlte“. So steht es in der Anklageschrift, über die Amtsrichter Uwe Stark am Dienstag verhandeln musste. Denn den zuvor gegen ihn ergangene Strafbefehl mochte der Angeklagte nicht akzeptieren.

Amtsrichter Uwe Stark musste mit zwei völlig entgegengesetzten Aussagen zurechtkommen. Vor Ort hatte es trotz Polizeieinsatz keine schriftlich festgehaltenen Vernehmungen gegeben. Der Angeklagte (46) wollte an diesem schneereichen Tag auf dem Heimweg gewesen sein, aufgrund des kaum begehbaren Bürgersteiges sei er auf der Fahrbahn gelaufen. Dann sei ein Auto vorbeigefahren, habe angehalten, das Fenster sei geöffnet worden. „Ich dachte, da will jemand nach dem Weg fragen und bin hingegangen“, sagt der Mann. Er sei aber als Blödmann beschimpft worden, der gefälligst von der Straße verschwinden solle. Gespuckt habe er nicht.

Verfahren wird eingestellt

„So etwas ist mir noch nie passiert“, empört sich die Geschädigte. Sie habe einen Mann in zerrissener Kleidung wahrgenommen, „der über die Straße hinkte“. Sie hielt an, fragte, ob etwas passiert sei. M. sei aggressiv geworden, habe versucht, ihre Beifahrertür aufzureißen und mehrfach ins Auto gespuckt, sie dabei auch am Hals getroffen. Verteidiger Udo Hesse: Offenbar versuche die Zeugin, die Dinge zu dramatisieren. Außerdem trage sein Mandant eine schlecht sitzende Prothese, sei in zahnärztlicher Behandlung und habe einen trockenen Mund. „Er kann gar nicht spucken.“

Die 28-Jährige rief die Polizei, verfolgte den Angeklagten durch halb Neunkirchen. Der Polizist, der die Frau vernahm, hat kaum Erinnerungen. Sein Kollege, der eigentlich nur mit M. zu tun hatte, bestätigt die Darstellung mit dem vermuteten Unfall. Am Ende stellt Richter Stark („Mit so was müssen sich die Gerichte heute beschäftigen“) das Verfahren ein, trotz „großer Bauchschmerzen“ von Staatsanwältin Jahan Memarian-Gerlach. Da gebe es schließlich eine Reihe von Vorstrafen. „Alles Beschaffungskriminalität, das ist ewig her“, ruft der Angeklagte. „Er hat ein neues Leben begonnen“, bestätigt Anwalt Hesse.

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