Presbyterium sieht keine „gedeihliche Zusammenarbeit” mehr – Landeskirchenamt wird entscheiden

Gemeinde trennt sich von ihrem Pfarrer

Foto: Journalistenbüro tellpress

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Das Presbyterium der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Netphen hat die Abberufung von Pfarrer Dirk Gogarn beantragt.

In einer Gemeindeversammlung, in der Pfarrer Heiner Montanus als Skriba des Kreissynodalvorstands die Entscheidung bekannt gab, wurde die nicht mehr „gedeihliche Zusammenarbeit” als Begründung genannt. Die „Gedeihlichkeits”-Formel ist neben der Aufhebung der Pfarrstelle und gesundheitlichen oder persönlichen Verhältnissen des Pfarrers einer von drei Gründen, in denen das Pfarrdienstgesetz die Abberufung eines gewählten Pfarrers erlaubt. Das zwölfköpfige Presbyterium, dessen Amtszeit mit der Einführung des neuen Presbyteriums am kommenden Sonntag endet, hat die Entscheidung einstimmig gefällt; ein Mitglied hat allerdings an der Sitzung nicht teilgenommen. Gründe wurden mit Hinweis auf die Fürsorgepflicht gegenüber dem Geistlichen, der seit Jahresbeginn wegen Krankheit keinen Dienst versieht, nicht genannt. Deutlich gemacht wurde den Gemeindemitgliedern aber, dass eine lange Auseinandersetzung über diese Personalentscheidung vorangegangen ist. „Wir können uns nicht mehr vorstellen, dass die Zusammenarbeit mit Pfarrer Gogarn weitergehen kann”, erklärte gestern stellvertretender Kirchmeister Wolfgang Schubert der WR. Es habe Beschwerden aus einzelnen Kreisen der Gemeinde, von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern gegeben, die auch mit Gogarn besprochen worden seien. Eingebunden worden sei auch der Kreissynodalvorstand, der das Netphener Votum nun an das Landeskirchenamt weitergibt. Wenn die Abberufung erfolgt ist, kann die Stelle ausgeschrieben und neu besetzt werden. Dirk Gogarn, heute 45 Jahre alt, war 1992 in die neu eingerichtete zweite Netphener Pfarrstelle gewählt worden; seit gut einem Jahr, als Pfarrer Klaus Seidenstücker verabschiedet wurde, ist er auch der einzige Pfarrer der Gemeinde: Seidenstückers Stelle wird nicht nachbesetzt, weil die - derzeit rund 3400 Seelen zählende - Gemeinde kleiner geworden ist und der Kirchenkreis auch Personalkosten einsparen will. Seidenstückers Weggang, räumt stellvertretender Kirchmeister Wolfgang Schubert ein, sei „sicherlich nicht einfach zu verdauen”. Zumal mit ihm auch ein Gegenpol zu Dirk Gogarn von der Kanzel abtrat: Der Gemeindepfarrer, mit dem die Gemeinde nun nicht weiter zusammenarbeiten will, hatte sich von Anfang an auch politisch eindeutig positioniert. Im evangelischen Arbeitskreis der CDU ist er bis in den Landesvorstand hinauf engagiert, in Netphen gehörte er der erweiterten CDU-Ratsfraktion an, und 2004 unterlag er gegen Monika Brunert-Jetter, als er für den Landtag kandidieren wollte. Unterstützt wird die Netphener Gemeinde von der Nachbargemeinde Deuz, die mit Pfarrer Michael Junk, Pfarrer Stefan Turk und Pfarrerin Helma Land drei Geistliche hat. In Netphen geblieben ist Pfarrer Lothar Schulte. Der Pfarrer im Entsendungsdienst sollte eigentlich schon Ende vorigen Jahres nach Kreuztal wechseln, um dort eine Vertretung wahrzunehmen; nun ist er bis auf weiteres in Netphen eingesetzt. Der neue Pfarrer wird eine große Gemeinde leiten müssen, die vor Herausforderungen gestellt ist: Im geistlichen Bereich erfolgt bereits die Kooperation mit Deuz und auch mit Dreis-Tiefenbach, wo Pfarrer Thomas Weiß bald auch auf die Unterstützung des in den Ruhestand wechselnden Diakons Siegfried Schmidt verzichten muss. Zusammenarbeit ist aber auch im Bereich der Senioren- und Jugendarbeit vorstellbar, wo die Netphener Gemeinde mit Hilfe ihres Fördervereins eigene hauptamtliche Kräfte einsetzt. Denn dauerhaft defizitär könne der Gemeindeetat nicht geführt werden, sagt stellvertretender Kirchmeister Schubert: „Wir zehren von unseren Reserven.”

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