Serie "24 Stunden"

Geisweid: Tag für den Hausmeister fängt vor Schulbeginn an

Timo Köhlers Hausmeisterloge im Foyer der Geschwister-Scholl-Schule ist Werkstatt und Büro zugleich.

Timo Köhlers Hausmeisterloge im Foyer der Geschwister-Scholl-Schule ist Werkstatt und Büro zugleich.

Foto: Hendrik Schulz

Geisweid.   7 Uhr: Jetzt beginnt der Tag für Timo Köhler. Die Arbeit des Hausmeisters der Geschwister-Scholl-Hauptschule bestimmen Kinder und Lehrer.

24-h-Südwestfalen

Reportage zum Tag der Arbeit.
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Der Tag beginnt mit dem Kontrollgang. 7 Uhr, Timo Köhler ist früh aufgestanden, wie immer. Er mag das. Früh anfangen, früh fertig sein, da hat man noch was vom Tag. Sein kleiner Sohn ist fünf Monate alt – die Nächte sind sowieso nicht lang. Jetzt im Frühling schiebt sich die Sonne langsam über den Haardter Berg, das gelbe Morgenlicht fällt durch die Bäume aufs Gelände der Geschwister-Scholl-Schule (GSS). Die Vögel zwitschern, irgendwo im Hüttental rauscht leise die HTS. Der Hausmeister beginnt seinen Rundgang.

7.05 Uhr. Köhler öffnet die Brandschutztüren, die im Ernstfall zufallen und die zu den Klassenzimmern, damit die Luft zirkulieren kann. Damit die Schüler und Lehrer es gleich nicht so stickig haben. Köhler ist in den Beruf hineingewachsen: Seine Eltern sind Hausmeister an der Realschule, im Schulzentrum gleich nebenan. Die Lehre hat er beim Möbelhaus Sonneborn gemacht, die weiten Fahrten jeden Morgen, das war nichts. Köhler bewarb sich bei der Stadt Siegen als Hausmeister für Übergangswohnheime. Er wurde zwar nicht genommen, aber als Ende Dezember die Stelle an der GSS frei wurde, riefen sie ihn an.

7.10 Uhr. Naturgemäß besteht jede Schule aus diversen Trakten, und die GSS ist da keine Ausnahme. Köhler geht zum Technikkeller hinunter. Das Blockheizkraft tut, was es soll, es muss nicht gewartet werden, Öl tritt nicht aus, es hustet keine Abgase in den Raum. Einmal, er war noch recht neu, öffnete Köhler morgens die Tür und hatte gleich den Geruch in der Nase. Er schaffte es, dass die Feuerwehr nicht kommen musste. Sein Vater half ihm. Der wohnt ja gleich nebenan.

7.15 Uhr. Weiter durch die Katakomben Richtung Turnhalle. Ausgediente Regale, Baumaterial an den Wänden, alles sorgfältig gestapelt. Man weiß ja nie, wozu man das nochmal brauchen kann. In seiner Hausmeisterloge im Foyer der Schule hat Köhler eine Werkbank. Ein Hausmeister ist immer auch Handwerker, „auch wenn das immer weniger wird und die Verwaltungsarbeit zunimmt“, wie Köhler sagt. Wartungen planen, damit sie nicht den Unterricht beeinträchtigen.

Termine mit den Firmen absprechen. „Von allem ein bisschen“, sagt Köhler. Grade wird umgebaut an der GSS: Die Haupt- geht in der Gesamtschule auf, die naturwissenschaftlichen Unterrichtsräume bekommen ein modernes Gas- und Wassersystem, das Dach wird neu gemacht. Da war Köhler natürlich auch involviert, regelmäßig bespricht er sich mit den Bauarbeitern. Die Kräne sind manchmal morgens noch früher an der Schule tätig als der Hausmeister.

7.20 Uhr. Alles ruhig, auch in der Turnhalle. Alles funktioniert, alles geht seinen Gang. Keine Schüler, die die Wasserhähne über Nacht aufgedreht haben. Noch will keiner was von ihm. Das wird später anders werden. Die Tür zur Hausmeisterloge ist immer offen – Handtuchpapier oder Seife leer, ein Fenster ausgehängt. „Ich mag meinen Job“, sagt Köhler auf dem Weg zurück zur Loge. „Ich hab’ gern mit den Kindern zu tun.“ Sie bestimmen seine Arbeit, ebenso die Lehrer, irgendwas liegt immer an, wofür der Hausmeister nötig ist.


7.22 Uhr. Die ersten Busse spucken Schüler unten an der Bushaltestelle aus. Ab 7.30 Uhr ist das Bistro geöffnet, wo die Kinder für ein paar Cent ein Frühstück bekommen können. „Zeit für ein bisschen Papierkram“, sagt Köhler.

7.25 Uhr. Ein Junge mit Sommersprossen und Gel in den Haaren drückt sich die Nase an der geschlossenen Tür platt. „Der Kevin“, sagt Köhler. Er kennt seine Pappenheimer. Die Lümmel stellen ab und zu mal etwas an, wie das halt so ist. Meistens harmlose Sachen. Letzte Woche hat ein Mädchen ihren Ball fröhlich unter die abgehängte Decke gedonnert, Köhler musste die Leiter holen, halb so wild. Sie gab Köhler einen Entschuldigungsbrief, handgeschrieben, das freute ihn. Manche arbeiten aber öfter für ihn, die Lehrer fragen dann, ob er etwas für die Rabauken hat. Unkraut zupfen, Müll aufsammeln, sowas. Einmal ging um 7.45 Uhr der Feueralarm los – ein Schüler hatte den Knopf gedrückt, die Feuerwehr rückte an, Köhler hatte noch Bescheid gegeben: kein Ernstfall. Der Schuldige war schnell ermittelt. Köhler nahm ihn sich vor: „Stell Dir vor, es hätte zu dieser Zeit bei dir zu Hause gebrannt! Die Feuerwehr war hier!“

7.40 Uhr. Eine Lehrerin braucht den Kellerschlüssel. „Denk dran, dass Du mir den wiedergibst“, sagt Köhler. „Du traust mir Sachen zu“, sagt die Frau lachend.

7.45 Uhr. Der Gong ertönt, die schwatzenden und kichernden Schüler strömen ins Gebäude, verteilen sich auf die Trakte, die Lehrerin bringt den Schlüssel zurück.

8 Uhr. Schüler und Lehrer sind in den Klassen, es wird wieder ruhig, Köhler sitzt am Schreibtisch und erledigt Papierkram, bevor er zur Besprechung mit den Bauarbeitern muss. Als Bildschirmhintergrund hat er ein Foto seiner dreijährigen Tochter eingestellt. Vor Feierabend wird er wieder seine Runde drehen. Türen und Fenster müssen zu sein. Nicht, dass ihn ein Anruf aus dem Feierabend reißt.

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