Tagung

Geheimnisse von Rubens’ Glatzen im Siegerlandmuseum erhellen

Tagung zu Rubens "Kreuzabnahme"

Tagung zu Rubens "Kreuzabnahme"

Foto: Michael Kunz / Michael Kunz, Siegen

Siegen.  „Die (Mantuaner) Kreuzabnahme“ – ein Werk des jungen Peter Paul Rubens oder nicht? Internationale Experten untersuchen das Gemälde in Siegen.

Über eines sind sich die Anwesenden am Montag im Siegerlandmuseum ziemlich sicher und einig: Dass sie am Dienstagabend kein Ergebnis und keine Einigung erzielt haben werden, dass es „ein großes und viele Fragezeichen“ geben wird, wie es Prof. Ulrich Heinen (Bergische Universität Wuppertal) formuliert, Mitveranstalter des ganz besonderen wissenschaftlichen Treffens in der Krönchenstadt.

Die internationale Tagung, mehr als hochrangig besetzt, wird sich zwei Tage lang mit einem einzigen Gemälde beschäftigen, das sich seit 2018 im Siegerlandmuseum befindet und mit dem jungen Peter Paul Rubens in Verbindung gebracht wird, aus seiner frühen Zeit um 1600: „Die (Mantuaner) Kreuzabnahme“, eine Leihgabe des Kunsthauses Lempertz Brüssel. Ist es ein Original? Eine Kopie? Lässt sich die Arbeit tatsächlich mit einer gewissen Sicherheit mit dem Künstler in Verbindung bringen?

Stolz auf Kooperation

Prof. Ulrich Heinen bringt es auf einen markanten Punkt links oben im Gemälde. Hat Rubens damals eine Glatze so gemalt, wie sie bei einem der Männer ausgearbeitet ist, die Jesus vom Kreuz heben? Das wäre auch etwas für jeden normalen Besucher, findet der Wissenschaftler – diese Glatze mit anderen auf eindeutig bei Rubens verorteten Gemälden in der Sammlung vergleichen, sich eine eigene Meinung bilden.

Das genau ist es, was sich die internationalen Herren und Damen in den zwei Tagen vorgenommen haben, die gegenseitigen Vorträge hören und dann diskutieren, das Bild in allen Facetten genauestens prüfen, erklärt Prof. Arnout Balis von Centrum Rubenianum Antwerpen, mit dem die Siegener bei diesem Symposium sehr eng kooperieren. Gerade diese ‚Connection’ macht Museumsleiterin Prof. Ursula Blanchebarbe mehr als stolz, „dass diese große In­stitution mit dem kleinen Siegerlandmuseum zusammenarbeitet“.

Endgültige Sicherheit gibt es nicht

Mit Prof. Joseph Imorde (Universität Siegen) ist sie sich zugleich sicher, dass Siegen durch eine solche Tagung an Bedeutung deutlich gewinnen werde, dass mehr Menschen auf die Idee gebracht werden, sich die Ausstellung im Oberen Schloss einmal anzusehen, „statt auf der Autobahn an Siegen vorbeizufahren“.

Leider sei der (Wieder-)Entdecker des Bildes, der auf den frühen Rubens spezialisierte Kunsthistoriker Justus Müller Hofstede, bereits 2015 gestorben, bedauert Prof. Ulrich Heinen. Hätte jener Kollege doch ansonsten sicher noch verstärkt zum Werk publiziert. „Deshalb müssen sich jetzt so viele von uns hier treffen“, sagt er lächelnd. Endgültige Sicherheit könne es nicht geben, „wir waren alle nicht dabei“, sagt er und meint die Entstehung.

Meinung seit der Jahrtausendwende mehrfach geändert

Er selbst habe seine Meinung seit dem Auftauchen des Bildes zu Beginn des Jahrtausends mehr als einmal geändert, ergänzt der Wissenschaftler. Beim ersten Erblicken auf einem Zeitungsfoto sei er sicher gewesen, „das hat mit Rubens nichts zu tun“.

Später habe er aber immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen, die nun hier vertieft und eben diskutiert werden sollen. Darauf freuen sich alle Teilnehmer, zu denen auch die Restauratorin gehört, die das Werk zwischenzeitlich bearbeitet hat.

Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Siegerland gibt es hier.

Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben