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Gartenfreunde Kreuztal: So entsteht der frische Apfelsaft

Reinhard Stahlschmidt füllt den noch warmen Apfelsaft in die Kundenflaschen ab. 

Reinhard Stahlschmidt füllt den noch warmen Apfelsaft in die Kundenflaschen ab. 

Foto: Kai Osthoff

Ferndorf.  Morgens gebracht, abends gemacht: An einem Tag werden in der Mosterei in Ferndorf für Kunden aus 1,2 Tonnen eigenen Äpfeln 700 Liter Apfelsaft.

„Morgens gebracht, abends gemacht“ gibt Reinhard Stahlschmidt als Antwort auf die Frage, wie lange Kunden auf frischen Apfelsaft warten müssen. Drei Vereinsmitglieder der Gartenfreunde Kreuztal haben mit dem Mosten begonnen: Aus den offenen Toren der Mosterei am Aherhammer 11a im Industriegebiet Johannespfad in Ferndorf, die der Verein dort seit 2013 betreibt, duftet es nach Äpfeln.

Die Ernte: Bei vielen Apfelbaumbesitzern fällt das Obst schon vom Baum

Durch eher kalte Temperaturen zur Zeit der Apfelblüte ist die Ernte dieses Jahr in der Region gering. „Es sind relativ wenig Äpfel, aber es läuft“, sagt Reinhard Hillnhütter, 1. Vorsitzender der Gartenfreunde.

Eigentlich sollte die Most-Saison erst am 17. September beginnen, weil aber bei vielen Apfelbaumbesitzern die Äpfel schon von den Bäumen fallen, geht es eher los. Zehn Anmeldungen waren es mit insgesamt 1,2 Tonnen Äpfeln. „Das gibt gut 700 Liter frischen Apfelsaft“, spricht Hillnhütter aus Erfahrung.

Die Anlieferung: Keine Kartons, Wannen oder Plastiksäcke

Saft aus eigenen Äpfeln kommt bei vielen gut an. Ohne Zusatz- und Allergiestoffe. Das Obst soll am besten in sogenannten „Raschelsäcken“ (gelbe Kartoffelsäcke) zu je maximal 25 Kilo angeliefert werden, Kartons, Wannen, Plastiksäcke oder ähnliche Gefäße nehmen die Gartenfreunde nicht an.

„Wir möchten sehen, wie die Äpfel sind. Und wir wollen nur einwandfreie Früchte haben. Am liebsten sollen sie gewaschen oder zumindest sehr sauber sein und keine Blätter oder Stiele mehr haben“, sagt Reinhard Stahlschmidt. Tipp der Apfel-Experten: Eine saubere Plane unter den Apfelbaum legen. Denn schon kleine Berührungen mit Pilzen können die Qualität des Apfelsafts verschlechtern.

Das Mosten: Mit 31 Tonnen Druck gepresst, bei 80 Grad pasteurisiert

Das saubere Obst kommt in ein Wasserbad. Dort wird es aber nicht gewaschen, sondern mit einer Schnecke in die Ratzmühle befördert, dort wie auf einer Küchenreibe durch rotierende Messer zerkleinert. Das zerkleinerte Obst, auch Maische genannt, fällt in mehreren Lagen auf Mosttücher. Die werden von den Helfern auf Zwischenbretter gelegt, dieser „Turm“ dann mit etwa 31 Tonnen Druck gepresst.

Der Saft (Rohmost) fließt über einen Vorfilter in eine Wanne und wird von dort in den Feinfilter gepumpt. Die Ausbeute liegt bei diesem Verfahren bei rund 68 Litern auf 100 Kilo Obst. Im Feinfilter werden die groben und weniger groben Mostbestandteile ausgefiltert, verbleibende Rückstände sind gewollt. Nach dem Feinfilter kommt der Rohmost in die Kundentanks.

Noch davor durchläuft der Rohmost den Pasteur. „Die Pasteurisierungstemperatur liegt bei uns zwischen 78 und 82 Grad. Durch ein Ventil wird sichergestellt, dass der pasteurisierte Saft erst dann zur Abfüllung fließen kann, wenn die Temperatur erreicht ist“, erklärt Stahlschmidt. Der frische, noch warme Apfelsaft wird in Literflaschen aus Glas oder in Beutel zu je drei Litern, so genannte „Bag in Box“, gefüllt.

Meist sind fünf bis sechs Helfer der Gartenfreunde Kreuztal in der Mosterei beschäftigt, an diesem Tag sind Reinhard Stahlschmidt, Reinhard Hillnhütter und Gunter Krieger zu dritt.

Die Kunden: Trester bekommen örtliche Landwirte für die Tiere

Im Laufe des Morgens kommt Olaf Latsch aus Netphen mit seiner Mutter Christel vorbei, mit rund 110 Kilo Äpfeln im Gepäck. Aber nicht aus dem eigenen Garten, sondern vom Gemüsehändler ihres Vertrauens. „Wir haben dieses Jahr selbst keine Äpfel ernten können, Futter-Äpfel gibt es für 85 Cent pro Kilo“, sagt Christel Latsch.

Während sie noch etwas erledigen, werden ihre Äpfel zu frischem Saft verarbeitet, der einige Stunden später wieder abgeholt werden kann. Den Trester, die gematschten Äpfel, bekommen meist örtliche Landwirte. „Da freuen sich die Tiere drüber“, sagt Gunter Krieger. Die Gartenfreunde Kreuztal machen Mensch und Tier glücklich.

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