Versteigerung

Fundsachen-Auktion der Stadt Siegen ist wieder der Hammer

Das Ordnungsamt der Stadt Siegen lädt wieder zur Fundsachen-Online-Auktion ein. Dabei gibt es durchaus Überraschendes zu entdecken.

Das Ordnungsamt der Stadt Siegen lädt wieder zur Fundsachen-Online-Auktion ein. Dabei gibt es durchaus Überraschendes zu entdecken.

Foto: i-picture - Fotolia

Siegen.  Die Stadt Siegen versteigert online das, was ehrliche Finder abgegeben haben. Die Redaktion stöbert ein wenig und stellt ihre Favoriten vor.

Ein freudiges Raunen geht alljährlich durch die Redaktion – na gut: durch Teile der Redaktion – wenn die Stadt Siegen die neue Online-Auktion von Fundsachen ankündigt. Gerade ist sie angelaufen. Und wie immer gibt es außer einer ziemlichen Menge Fahrräder (wieso verlieren eigentlich so viele Leute so etwas Großes wie Fahrräder?), Smartphones (die sind klein. Die verliert man leicht) und Schmuck (der Klassiker) auch diese charmanten Besonderheiten, die Begehrlichkeiten wecken. Diesmal stehen zum Beispiel eine Cajon und ein nackter Fahrradrahmen auf der Liste. Wer wünscht sich so etwas nicht? Was man damit alles anfangen kann!

Packages mit Wundertüten-Charme

Die Liebe der Redaktion gilt aber in der Regel vor allem den liebevoll zusammengestellten Paketen aus teils recht unterschiedlichen Fundstücken, die das Ordnungsamt zusammenstellt. Mehr ist nämlich mehr. Außerdem hat das so etwas von Wundertüte. Wir haben uns die Sachen einmal genauer angeschaut und stellen unser persönliches Best-of vor.

Wer etwas ersteigern möchte: Die Anmeldung ist kostenlos, die Preise fallen. Und ein Blick ins Angebot lohnt wirklich. Die Auktionsgüter sind (per Klick auf die Karte) einsehbar auf www.sonderauktionen.net

Steffen Schwab: 38 Schirme für alle Regenfälle

Wenn ich mir das Foto ansehe, frage ich mich zwar, warum die 38 Regenschirme als „Herren-Accessoires“ rubriziert werden. Egal: Ich nehme die so, wie sie sind, und wenn das eine oder andere Markenfabrikat dabei ist, sind die maximal 40 Euro sogar gerechtfertigt. Ich werde die Dinger gut verteilen: Auto, Büro, Keller, Wohnung, Garage, die Taschenschirme in jeden Rucksack. Das dürfte dann eine Weile reichen. Die guten Schirme verliere, verlege oder vergesse ich als erste, die hässlichen behalte ich eher länger, bis sie von einem Windstoß zerfetzt werden.

Und weil ich überzeugt davon bin, dass niemand außer mir solch einen Schirm-Verschleiß hat, bin ich auch bester Dinge, dass ich mit viel weniger als 40 und vielleicht sogar dem Minimalpreis von einem Euro hinkomme. Richtig gemein wäre nur, wenn es sich gerade jetzt einregnet. Denn das könnte den Preis doch noch treiben. Mit dem Alternativ-Einsatz der Regen- als Sonnenschirme, oft zu beobachten bei Reisenden aus dem asiatischen Raum, kann ich übrigens nichts anfangen. Dafür habe ich einen reichhaltigen Vorrat an Kappen und einen Strohhut. Die verliere ich nie.

Generell möchte ich an dieser Stelle die Auswahl kritisieren, die das Fundbüro auf den Markt wirft: Die Leute verlieren durchweg Zeug, das ich auch nicht haben will. Zweifelhaften Modeschmuck, an dem vielleicht auch noch Erinnerungen kleben, zum Beispiel. Besonders gemein finde ich die „Verschiedenen Technikartikel“: ein Wirrwarr an Kabeln und Ladegeräten, das ich längst zu Hause habe, ohne irgendeine Ahnung, was wozu passt. Ob ich die besser auch mal „verlieren“ soll?

Hendrik Schulz: Handyaufladen für alle!

Seien wir doch ehrlich, man hat nie ein Handyladekabel zur Hand, wenn man mal eins braucht. Man hat auch dann nie eines zur Hand, wenn man keins braucht, aber das soll uns hier nicht weiter stören. Diverse Netzteile jedenfalls – was man da nicht alles anstellen kann! Handys aufladen, die man gar nicht besitzt, beispielsweise. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass genau das Kabel, das zu meinem Handymodell passen würde, nicht dabei ist. Das ist immer so.

Aber wenn dann Leute kommen, kann ich in jedem Zimmer diverse Möglichkeiten der Stromwiederauffüllung bieten. Und wenn sie nicht wollen, dann lade ich ihre Handys trotzdem auf! Schließlich werde ich 6,90 Versand für den Kabelsalat bezahlt haben! Das muss sich ja amortisieren! Apropos: Bei all dem, was mittlerweile als Essens-Trends so durchgeht, könnte man womöglich auch noch mehr oder weniger schmackhafte Speisen zubereiten.

Vielleicht finde ich auch noch raus, wie man mit den ebenfalls enthaltenen diversen Ohrhörern Handys aufladen kann. Falls nicht, ist es ungemein praktisch, dass ich einfach nie Musik über Kopfhörer höre. Selbst im Fitnessstudio, wo pausenlos grässliche Töne in abartiger Lautstärke herumdröhnen, die ich kaum wage als Musik zu bezeichnen, tue ich das nicht. Keine Ahnung warum. Vielleicht, weil ich keine Musik auf dem Handy habe.

Und da schließt sich der Kreis irgendwie. Wie genau, weiß ich aber auch nicht.

Florian Adam: Träumerei im Haushalt

Bilderrahmen und Gartenwerkzeug, wie sie im Paket „Haushalt 2“ kombiniert sind, sind eine dieser klassischen Paarungen. Das gehört zusammen wie Sonne und Mond, wie Ernie und Bert, wie Skylla und Charybdis. Wie oft denke ich mir daheim: „Ach, gerade hast Du mal Zeit, hark doch mal die Bilderrahmen durch“ – und dann ist kein Werkzeug zur Hand.

Mit diesem Set passiert das nicht mehr. Außerdem sind noch irgendwelche Textilien dabei, und die werden schließlich immer gebraucht für … nun, für irgendwelche Sachen halt. Und um was genau es sich bei diesem fliederfarbenen Häkelobjekt handelt, das zum Angebot gehört: Ich wüsste es nur zu gern. Obwohl ich auch ein wenig Angst davor habe, dass Teile der Antwort mich verstören könnten.

Der Hauptgrund aber, der mich für dieses Package erwärmt: In manchen Rahmen sind Bilder von irgendwelchen Leuten. Die sind mir zwar völlig fremd – aber ich könnte meinen Gästen gegenüber behaupten, dass es sich um liebe Freunde von mir handelt, und mit denen dann angeben. Ich nenne sie Melvin und Carla und erzähle, wie ich damals mit ihnen durch den Teutoburger Wald wanderte, wo wir Zeugen einer wüsten Rauferei zwischen ein paar germanischen Gesellen und einigen römischen Rüpeln wurden. Und danach habe ich Carla und Melvin gemalt, behaupte ich dann noch – zu sehen auf dem Gemälde, das ebenfalls Teil des Sets ist. Zauberhaft.

Ina Carolin Lisiewicz: Endlich das Programm bestimmen!

Vielleicht bin ich, im Gegensatz zu meinen Kollegen, etwas zu rational an die Fundsachenauktion ran gegangen. Aber mein Gegenstand sollte auch für etwas gut sein. Eine Ladung Schirme wäre bestimmt auch eine gute Entscheidung gewesen. So hätte ich vorgesorgt und es wäre egal gewesen, wie viele Schirme ich noch verliere oder schrotte. Trotzdem möchte ich lieber den Beamer. Er muss allerdings noch deutlich günstiger werden. Mithilfe des Beamers könnte ich meine Lieblingsserien endlich auf Leinwand schauen und wäre für einen Serienmarathon („Binge Watching“ erster Güte!) perfekt gerüstet. Oder ich könnte allen mein Programm aufdrängen, da ich mit einem Beamer eh jeden Fernseher überbiete. Das hieße: nie Fußball, endlich selbst das Programm bestimmen. Ein Träumchen.

Jennifer Wirth: Endlich Brillenschlange

Meiner Meinung nach habe ich in diesem Jahr den ganz großen Fang gemacht: 57 Lesebrillen in unterschiedlichen Farben, Ausführungen und Stärken. Wer braucht schon einen Fahrradrahmen namens Rocky, einen Haufen mieser keltischer CDs oder einen Steckschlüsselsatz von Proxxon (was ein entzückender Markenname), wenn er 57 Lesebrillen haben kann? Ganz klarer Fall von „Alles richtig gemacht!“.

Ich bin auch einfach ein Brillentyp. Zumindest ist es das, was mir die tüchtigen Verkäufer in Fachgeschäften immer erzählen. Und mal im Ernst: Was gibt es Besseres? Mir fällt nicht viel ein. Dieses Set für maximal 60 Euro ist doch spitze und richtig nützlich. Gut, ich bin kurzsichtig. Die Dinger kann ich also nicht im Entferntesten gebrauchen. Aber wen stört das schon. Mehr ist mehr. Und wer weiß: Vielleicht muss man nur genug Lesebrillen gleichzeitig tragen, um den absoluten Durchblick zu haben. Ich sehe mich selbst schon mit dem Modell „kecke feuerrote Zora“ durch die Straßen ziehen – blind versteht sich. Aber auch die Ausführung „sexy wilde Sekretärin“ hat doch was. Dann könnte ich endlich dem Klischee der blonden Frau im Büro entsprechen. Und dann wäre auch die Brillenstärke von Vorteil: Ich müsste mein Gegenüber nicht mal sehen.

Und übrigens: Während das Set mit 38 Schirmen als Herren-Accessoires durchgeht, zählen die 57 Lesebrillen ganz klar als Damenvariante. Irre.

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