Sanierung

Laurentiuskirche Ferndorf: Orgel pfeift aus dem letztem Loch

Das Pfeifenwerk füllt ein ganzes Zimmer von 25 Quadratmetern und umfasst 1500 Pfeifen.

Das Pfeifenwerk füllt ein ganzes Zimmer von 25 Quadratmetern und umfasst 1500 Pfeifen.

Foto: Kirchenkreis Siegen

Ferndorf.   Barocke „Königin der Instrumente“ in der Evangelischen Laurentius-Kirche Ferndorf muss saniert werden. Die Kirchengemeinde hofft nun auf Spenden.

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Es ist schlecht bestellt um die Orgel in der evangelischen Laurentius-Kirche in Ferndorf. Das 1928 gebaute Instrument „ist in einem desolaten Zustand und die Zeit naht, dass sie sich gar nicht mehr bespielen lässt“, sagt Kirchenmusikdirektor Ulrich Stötzel. Die evangelische Kirchengemeinde Ferndorf hat sich dazu entschlossen, die Sanierung der Orgel Anfang 2019 in Angriff zu nehmen.

Das Geld

Die Grundsanierung einer Orgel ist eine kostspielige Angelegenheit. Dessen ist sich die Kirchengemeinde bewusst und hofft auf Unterstützung aus der Bevölkerung: Etwa 170 000 Euro kostet die gesamte Sanierung des kostbaren Instrumentes. 135 000 Euro wurden bereits durch Spenden angespart. Die Finanzierungslücke von 35 000 Euro soll ebenfalls aus Spenden zusammengetragen werden.

Das Instrument

Die Ferndorfer Orgel gilt als ein besonderer Schatz in Südwestfalen. Sie ist die einzige Orgel der berühmten Orgelbaufirma E. F. Walcker in der Region und ein wichtiges Zeugnis der Orgelbaukunst zwischen den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Den Zweiten Weltkrieg hatte die Orgel bis auf einige Durchschüsse gut überstanden. Die ursprüngliche Walcker-Orgel von 1928 hatte 24 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal sowie zwei Pedal-Transmissionen, die Pedal und Manual miteinander verbinden.

Fachleute attestieren der Orgel ein potenziell einzigartiges Klangbeispiel für ihre Entstehungszeit in den 1920er Jahren, das unbedingt erhalten werden sollte. Es wurde empfohlen, die alten, denkmalwerten Pfeifen wieder ursprünglich anzuordnen, stilecht zu ergänzen und auf eine neue, solide technische Anlage zu stellen.

Die Schäden

Leider wurde die Orgel während verschiedener „Sanierungen“ in den 1950er Jahren, 1979 und zuletzt 1997 ihres ursprünglichen Klangbildes beraubt. Im Laufe der Jahrzehnte ist sie zudem stark verschmutzt, der Klang ist nicht mehr zufriedenstellend, da bei Sanierungen das historische Orgelwerk mit neueren Pfeifen vermischt wurde. Die Firma Krawinkel, die das In­strument begutachtet hatte, kommt zur Bewertung: „Das Instrument lässt derzeit jeglichen klanglichen Charme vermissen.“ Die Orgel wird von Organisten als technisch und klanglich fragwürdig eingestuft und gemieden.

Stark ins Gewicht fallen vor allem die technischen Mängel des Instruments: Die Windversorgung hat Konstruktionsmängel und transportiert nicht genügend Luft zu den Pfeifen. Einige der heute 26 Register laufen daher nur auf „halber Kraft“. Die Steuerungstechnik im Spieltisch ist marode. Hier arbeiten etwa 180 Elektromagnete an der Grenze der Belastbarkeit und sind zum Teil durchgebrannt. Relais und Platinen stammen aus der Autoindustrie der siebziger Jahre und sind zum Teil defekt.

Hinzu kommt, dass durch die Verschmutzung der freiliegenden Kontakte hinter den Tasten eine erhöhte Funkenbildung besteht. Eine sichere Funktion ist nicht mehr gewährleistet, ein Kabelbrand kann nicht ausgeschlossen werden. Das Pfeifenwerk besteht aus 1500 Pfeifen, von denen nur noch 1312 spielen. Die kleinste Pfeife ist zehn Millimeter hoch, die größte misst fünf Meter. Manche Pfeifen stehen locker oder drohen abzubrechen. Einige Metallpfeifen sind vom Bleizucker angefressen, einige Holzpfeifen von Schimmel befallen.

Die Sanierung

Da die historischen Pfeifen noch nahezu komplett vorhanden sind, hat sich die Kirchengemeinde entschieden, nicht nur die Technik auf Vordermann zu bringen, sondern gleichzeitig die Intonation dem ursprünglichen Klangbild der Orgel wieder anzunähern. Sie folgt somit der Empfehlung des Orgelsachverständigen der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Hans-Christian Tacke, und Kirchenmusikdirektor Ulrich Stötzel.

Ein Antrag auf kirchenaufsichtliche Genehmigung zur Sanierung wurde bereits gestellt. Nach der Sanierung soll in der Laurentiuskirche wieder eine spätromantische Königin der Instrumente erklingen, die in Gottesdienst und Konzert Aufgaben meistern kann.

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