Prügelattacke

Fausthiebe nach DFB-Pokalspiel: Gericht verurteilt Brüder

Das Amtsgericht Siegen hat zwei Brüder verurteilt, die nach dem DFB-Pokalspiel zwischen dem TuS Erndtebrück und dem Hamburger SV eine Gruppe von Fußballfans angegriffen hat.

Das Amtsgericht Siegen hat zwei Brüder verurteilt, die nach dem DFB-Pokalspiel zwischen dem TuS Erndtebrück und dem Hamburger SV eine Gruppe von Fußballfans angegriffen hat.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Nach dem DFB-Pokalspiel zwischen TuS Erndtebrück und dem HSV griffen zwei Brüder eine Fangruppe an. Ein Polizeibeamter bekam einen Fausthieb ab.

Es war eigentlich ein friedlicher Fußballabend im Siegener Leimbachstadion. Auch wenn der TuS Erndtebrück im August vergangenen Jahres das DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV mit 3:5 verlor, war die Stimmung der Fans heiter. Doch nachdem die Spieler beider Vereine längst das Spielfeld verlassen hatten, entstand vor dem Stadion noch eine handfeste Schlägerei.

Dabei haben zwei Brüder (25, 27) eine Gruppe von fünf Männern im Alter zwischen 25 und 48 attackiert. Eines der Gewaltopfer war ein Polizeibeamter. Wegen Bedrohung, Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung wurden die Täter gestern vor dem Amtsgericht Siegen zu je sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Angeklagten

Wie ist die Prügelei überhaupt entstanden? Gewissheit herrschte auch am Ende des fast dreistündigen Gerichtsprozesses nicht. Der ältere Angeklagte sagte, auf dem Heimweg vom Pokalspiel habe er die Männergruppe um eine Zigarette gebeten und sei dann „lautstark angepöbelt“ worden. Währenddessen sei sein Bruder rund 30 Meter weiter weg gewesen, weil er mal urinieren musste. Als dieser dann hinzu eilte, eskalierte die Situation. „Ich habe gesehen, wie die Männer sich um meinen Bruder gestellt und ihn angebrüllt haben. Ich wollte nur meine Familie schützen“, sagte der 25-Jährige.

Einer der Männer (32) habe ihn dann an den Handgelenken gepackt und zurückgedrängt. „Ich habe zurückgeschlagen, erst mit der flachen Hand, dann mit der Faust“, erzählte der jüngere Bruder, der zudem Morddrohungen ausgesprochen haben soll und deshalb auch wegen Bedrohung angeklagt wurde. Das wollte er allerdings nicht zugeben. Der andere Beschuldigte bekannte, einen der Zeugen am Hals gepackt und auf eine Motorhaube gedrückt zu haben. „Das tut mir leid, das war etwas unangebracht.“ Allerdings, so beteuern es die Brüder, wollten sie sich nur gegenseitig schützen. Beide waren volltrunken: Der ältere Angeklagte hatte 1,8 Promille intus, sein Bruder 1,6 Promille.

Die Zeugen

Sie seien gut gelaunt gewesen nach dem Spiel und wollten noch weiterziehen, sagten die fünf Männer, die als einzige Zeugen geladen waren. Die Frau eines Opfers sollte drei von ihnen mit dem Auto abholen. Als sie ankam, gaben die Männer Handzeichen – und das soll der ältere Angeklagte, der gerade an der Gruppe vorbeiging, als Provokation verstanden haben. Man habe dann versucht, den Mann zu beruhigen, erklärten die Zeugen.

Einer davon ist Polizeibeamter, am Abend war er nicht im Dienst. Der ältere Bruder habe ihm „massiv gegen die Brust geschlagen. Ich bin dann erstmal zurückgetaumelt“, sagte der 48-Jährige. Daraufhin habe er einen Notruf absetzen wollen, konnte zunächst allerdings niemanden erreichen. Nur wenig später soll sich die heftigste Tat des unübersichtlichen Tumults zugetragen haben: Beide Brüder prügelten gleichzeitig auf einen der Männer ein, beteuerten drei der Zeugen. „Ich habe auf dem Bordstein gehockt und nur die Hände über meinen Kopf gehalten, um mich zu schützen“, erzählte das Opfer (32). Er trug eine Gehirnerschütterung, eine Wunde über dem linken Auge sowie Prellungen am Oberkörper davon. Sonst wurde niemand verletzt. Einsatzkräfte der Polizei-Hundertschaft, die wegen des Fußballspiels vor Ort waren, konnten die Prügelei schließlich stoppen. Die Täter rannten zwar weg, konnten aber schnell gefasst werden.

Das Urteil

Amtsrichterin Stephanie Scheepers hatte keine Zweifel an der Schuld der Brüder und verurteilte sie zu je sieben Monate Haft auf Bewährung sowie 1000 Euro Geldstrafe. So hatte es auch die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer gefordert. Beide Täter machten sich wegen gefährlicher Körperverletzung strafbar. Während der Jüngere auch wegen Bedrohung verurteilt wurde, beging sein Bruder noch eine einfache Körperverletzung. Die Anwälte der Angeklagten bestritten, dass es sich um gefährliche Körperverletzung gehandelt habe und sprachen sich für Geldstrafen aus. Es sei nicht bewiesen, dass die Männer gemeinschaftlich auf das Opfer einschlugen.

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