Gericht

Ex-Junkie: Seit zwölftem Lebensjahr immer Waffe dabei

Drohungen, Beleidigungen,

Drohungen, Beleidigungen,

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Die Anklage ist lang: Der ehemalige Junkie (23) ist vor Gericht aber einsichtig. Er muss noch fünf Monate sitzen – er ist bereits verurteilt.

Am Anfang steht eine umfangreiche Anklage, mit Drohungen, Beleidigungen, versuchter Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffengesetz und Sachbeschädigung, an mehreren Tagen in den Jahren 2016 und 2017. Nach zweieinhalb Stunden Verhandlung kann der 23-jährige Angeklagte den Gerichtssaal guter Dinge verlassen. Zwei wichtige Zeugen sind nicht gekommen, die von ihm bestätigten Vorwürfe werden vollständig eingestellt.

Alle angeklagten Taten lagen vor einer Verurteilung des Landgerichts Limburg, wo der Mann bereits elf Monate Haft bekommen hat, dazu die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung. Letztere hat er abgebrochen, wollte lieber ins Gefängnis zurück und muss dort noch fünf Monate absitzen. Die Therapie habe wenig Sinn für ihn gemacht in dieser kurzen Zeit, begründet der junge Mann, der sich nun um eine ambulante Behandlung bemüht. Ansonsten hätte er noch gut zwei Jahre freiwillig in der Einrichtung bleiben müssen.

Dauerkonflikt mit Vermieter

Die neue Strafe müsste kompliziert mit der aus Limburg verrechnet werden. Nicht sinnvoll, finden die Beteiligten am Schluss der Hauptverhandlung. Die hat den Angeklagten noch einmal in eine Phase zurückgeführt, die er unumwunden als „schlimmste Zeit meines Lebens“ bezeichnet. Er habe sich eigentlich „nur mit Gesindel herumgetrieben“, sei „noch nie so tief gewesen“, jeden Tag „zugeballert, immer mit einem Mix aus verschiedenen Drogen, dazu Alkohol“. An das meiste erinnert er sich nur dunkel. Es könne aber sein, dass er seine Ex-Freundin, eine unbeteiligte Frau und diverse Polizisten übelst beleidigt habe, das „lag einfach an meinem Zustand“. Er sei wohl auch mit einer Schnapsflasche auf die Beamten losgegangen, müsse sie aber mit seinem Vermieter verwechselt haben. „Ich hätte nie Polizisten angegriffen“, versichert er.

Mit dem Vermieter lag er in einem Dauerkonflikt, sei aber eher von diesem angegriffen worden als umgekehrt. Er habe nur versucht, einige Freunde vor dem Mann zu schützen, fügt er an; gibt zu, einmal einen Gummischlagstock gezogen zu haben. Nachdem der andere zuerst einen Metallstock benutzte. Auch den Besitz zweier Butterfly-Messer gibt der eloquente Mann zu, „seit meinem zwölften Lebensjahr hatte ich immer eine Waffe dabei. Zur Tatzeit „sogar auf dem Klo“, aus Angst vor seinem Vermieter.

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