Gesundheitswesen

Erste Demenz-Station in der Region am Kreisklinikum Siegen

 So wird der mehrgeschossige Bau aussehen. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant.

 So wird der mehrgeschossige Bau aussehen. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant.

Foto: Kreisklinikum

Weidenau.   Kreisklinikum errichtet Erweiterungsbau an Weidenauer Straße für 20 Millionen Euro: Die psychiatrischen Kapazitäten werden deutlich aufgestockt.

Das Kreisklinikum Siegen wird um einen rund 20 Millionen Euro teuren Neubau an der Weidenauer Straße erweitert. Das Krankenhaus vertieft damit seinen medizinischen Schwerpunkt und richtet unter anderem zwei Psychiatrische Tageskliniken ein sowie eine Interdisziplinäre Demenz-Station, in der Menschen mit der Begleiterkrankung Demenz unabhängig von ihren Krankheiten betreut werden. Ein Alleinstellungsmerkmal in der Siegener Kliniklandschaft: Das Konzept hat in Deutschland Seltenheitswert.

Der Neubau

16.000 Kubikmeter umbauter Raum, 15.200 Quadratmeter Nutz- auf 1250 Quadratmetern Grundfläche – der Neubau werde die Optik des Krankenhauses entscheidend verändern, so Geschäftsführer Bertram Müller.

Die Grundstücke der Hausnummern 68 und 70 wurden gekauft, die Gebäude bereits abgerissen, in Kürze beginnen die Bauarbeiten. Seitlich vor das Bestandsgebäude mit den Glasbausteinen wird der neue Trakt u-förmig angedockt. Die Fertigstellung ist für 2021 geplant.

Ziel ist eine moderne Optik, die aus dem einst verschachtelten Hinterhof-Krankenhaus eine auch optisch zeitgemäße Klinik macht. Die Architektur soll sich ins Stadtbild einfügen, das Erscheinungsbild des wuchtigen sechsgeschossigen Bestandsgebäudes mit den Glasbausteinen werde durch die Begrenzung auf vier Geschosse zur Straße hin gemildert.

Der Neubau ist der letzte Schritt einer 2009 begonnenen Bauzielplanung, an deren Ende das Kreisklinikum mehr als 105 Millionen Euro aus Eigenmitteln investiert haben wird, unter anderem in neuen Funktionstrakt, Parkhaus, Bettenhaus an der Ferndorf, Ärztehaus. „Danach haben wir dann wirklich keinen Platz mehr“, sagt Bertram Müller, alle Flächen im Umfeld der Klinik seien nun endgültig ausgeschöpft.

Die Demenz-Station

„Eine Normalstation überfordert Patienten mit Demenz und die Patienten überfordern die Station“, sagt der ärztliche Direktor Prof. Martin Grond. Die Menschen liefen weg, seien orientierungslos, verlangten kompromisslos die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, machten die Pflegekräfte verrückt. „Alle sind unglücklich, eine Katastrophe für alle Beteiligten.“ Die neue Station soll dem Rechnung tragen und sich den Patienten anpassen: Egal mit welcher Erkrankung – Menschen mit Demenz werden von den jeweiligen Fachabteilungen auf dieser Spezialstation behandelt und dort von Fachpersonal betreut. Sie können sich frei bewegen, ihrem eigenen Tagesrhythmus folgen.

Die Station selbst wird optisch so gestaltet, dass die Patienten zur Ruhe kommen, sich wohl fühlen können. Natürlich ist ein höherer Personalschlüssel für die Betreuung Dementer nötig, laut Prof. Grond sei die Entlastung der anderen Stationen aber dadurch so groß, dass sich das betriebswirtschaftlich lohne. „Diese Patienten binden auf Normalstation sehr viel Personal.“ Zudem sei so eine Station – wie die Psychiatrie mit einer intensiveren Patientenbindung auch – ein sehr attraktiver Arbeitsplatz für Pflegekräfte, „weil sie den Patienten mehr gerecht werden können“, so Grond.

Weil das Projekt so innovativ ist, wird es wissenschaftlich begleitet: Die Forschungsambulanz des Instituts für Psychologie der Uni Siegen zieht ebenfalls in das Gebäude ein – ein weiterer Eckpfeiler des Projekts „Medizin neu denken“.

Die Psychiatrie

163 stationäre Betten und 37 tagesklinische Plätze – die psychiatrischen Kapazitäten am Standort werden deutlich erhöht. „Für die psychiatrische Versorgung in der Region ein Quantensprung“, meint Landrat Andreas Müller. Gerade die beiden Tageskliniken mit 24 und 17 Plätzen würden dem enorm gewachsenen Bedarf und entsprechen langen Wartezeiten im nichtstationären Bereich Rechnung tragen. „Menschen in psychischer Notlage haben keine Zeit, viele Monate zu warten“, so Müller. Den Wunsch, Abhilfe zu schaffen, würden Politik und Krankenkassen schon seit geraumer Zeit äußern.

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