Wolf

„Wie bei der Kripo“ - Wolfsberater sichern Spuren

Ein Europäischer Wolf steht heulend in einem Gehege auf einem Baumstamm: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hat mehr als 70 ehrenamtliche Wolfsberater eingesetzt, darunter auch drei im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Ein Europäischer Wolf steht heulend in einem Gehege auf einem Baumstamm: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hat mehr als 70 ehrenamtliche Wolfsberater eingesetzt, darunter auch drei im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Foto: Julian Stratenschulte

Siegen-Wittgenstein.   Wenn ein Wolf gesichtet wird oder ein anderes Tier gerissen worden ist: Ehrenamtliche Sachverständige sind erste Ansprechpartner im Kreisgebiet.

Ob das Siegerland Wolfsland wird? „Das könnte sein, muss aber nicht“, sagt Henning Setzer, Leiter der Unteren Jagdbehörde. Das NRW-Umweltministerium prüft derzeit – wie berichtet –, die Förderung von Schutzmaßnahmen für Herdentiere auch auf den Bereich Burbach und Neunkirchen auszudehnen. „Der Wolf wildert nicht“, betont Setzer allerdings, „er jagt.“ Und generell: „Tiere können nicht wildern. Das machen nur Menschen.“

Erste Voraussetzung für eine Ausbreitung der Wolfs-Population sei, dass die Wölfin, die seit Mai im Bereich des Stegskopfs lebt, einen Partner findet. Das Paar würde sich dann einen Platz suchen, um seine Welpen großzuziehen. „Wir haben durchaus Bereiche, wohin sich Wölfe zurückziehen können“, sagt Henning Setzer. Der ehemalige Truppenübungsplatz auf dem Stegskopf sei allerdings „natürlich luxuriöser“.

Material zur Spurensicherung

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hat mehr als 70 ehrenamtliche Wolfsberater eingesetzt, darunter auch drei im Kreis Siegen-Wittgenstein. Sie sind Ansprechpartner für Bürger, die einen Wolf gesehen haben, und für Tierhalter, die vermuten, dass ein Wolf ein anderes Tier gerissen hat. Die Wolfsbeauftragten — oft Tierärzte, Jäger oder Förster — sind mit einem Spurensicherungskoffer ausgestattet, um Spuren und Losungen aufzunehmen, zu fotografieren und Proben von gerissenen Kadavern zu ziehen. „Letztendlich ist das Forensik“, sagt Birgit Kaiser de Garcia, Pressesprecherin des Lanuv, „das ist wie bei der Kripo.“

Der Spurensicherung folgt die Auswertung und Dokumentation: Die Fachleute wissen, wie und wohin das Siedlungsgebiet der Wölfe sich entwickelt, und im Einzelfall entsteht Klarheit, ob tatsächlich ein Wolf ein Nutztier, also zum Beispiel ein Schaf oder eine Ziege, gerissen hat — was wiederum wichtig für den Schadenersatz durch das Land ist. Wichtig, so Birgit Kaiser de Garcia, sei es, dass Kadaverfunde innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden, „damit wir auch noch Spuren sichern können“. Ausgewertet werden die Proben dann durch das Senckenberg Forschungsinstitut Gelnhausen.

Haushund als „Täter“ ermittelt

Für Siegen-Wittgenstein und Olpe dokumentiert das Lanuv zurück bis ins Jahr 2009 bisher keine nachgewiesenen Nutztierrisse durch Wölfe. Aktuell untersucht wird ein Damwildriss bei Attendorn. Als „völlig unklar“ eingestuft wird die Todesursache eines Rindes, das im Dezember bei Olpe gefunden wurde, als „Falschmeldung“ das im November bei Lennestadt gemeldete Schaf. In Erndtebrück (Oktober) wurde ein Haushund als „Täter“ ermittelt, ein Rind bei Kirchhundem (September) erwies sich als Totgeburt.

Sets zum Schutz vor Wolfsangriffen auf Schafe und andere Nutztiere können bei Bedarf vom Land NRW oder vom NABU-Landesverband NRW kurzfristig und schnell ausgeliehen werden – auch darauf weist das Lanuv hin. Die Herdenschutzsets mit Elektrozaun, Weidezaungerät und Fotofalle können bei begründeten Verdachtsfällen unentgeltlich ausgeliehen werden. Sie stehen allen Nutztierhaltern zur Verfügung. Die Verbesserung von Zäunen und der Einsatz von Herdenschutzhunden werden mit Landesmitteln gefördert, laut Lanuv soll der Fördersatz auf 100 Prozent erhöht werden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben