Verwaltung

Das Siegener Jugendamt wird 100 und feiert mit Zielgruppe

Sozialdezernent André Schmidt, Georg Ritter (Leiter Abteilung Soziale Dienst), Jugendamtsleiter Dr. Raimund Jung und Bürgermeister Steffen Mues (von links)stellen das Jubiläumsprogramm vor.

Sozialdezernent André Schmidt, Georg Ritter (Leiter Abteilung Soziale Dienst), Jugendamtsleiter Dr. Raimund Jung und Bürgermeister Steffen Mues (von links)stellen das Jubiläumsprogramm vor.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Lobbyismus für Kinder, Jugendliche, Familien: Charakter und Dienstleistungen des Jugendamts haben sich seit der Gründung 1919 deutlich gewandelt

Ziemlich genau vor 100 Jahren bekam Siegen ein Jugendamt – als eine der ersten Städte in der gerade erst gegründeten Weimarer Republik. Am 23. Mai 1919 beschloss der Magistrat der Stadt Siegen, die Bereiche „Jugendpflege, Jugendfürsorge und Jugendbewahrung“ in einem neuen Jugendamt zusammenzufassen – und genau am Jahrestag soll das gefeiert werden (siehe Infobox). Nicht zuletzt, um die Bandbreite des größten Amts innerhalb der Siegener Verwaltung darzustellen – mit 70 Millionen Euro Jahresetat steht dem Jugendamt fast ein Viertel des Haushalts zur Verfügung. Auch das zeige den Stellenwert, den Kinder, Jugendliche und Familien in Siegen haben, so Bürgermeister Steffen Mues. Das komplette Programm gibt es hier.

Paradigmenwechsel 1991

Das Kaiserreich unter Wilhelm II. war zentralistisch regiert. Nach dem Ersten Weltkrieg wandelte sich dieses Politikverständnis, den Städten und Gemeinden wurde mehr kommunale Selbstverwaltung übertragen. Gesetzlich geregelt wurden Jugendämter erst 1924, so Mues – Siegen war seiner Zeit hier voraus. 1919 wurde Theodor Kessler erster Amtsleiter, war mit vier Mitarbeitern unter anderem zuständig für die Fürsorge für uneheliche Kinder, Anstaltsvormundschaft des städtischen Waisenhauses oder Mitwirkung bei der Klein- und Schulkinderfürsorge. „Diese Aufgaben prägen bis heute das öffentliche Bild des Jugendamts“, so Dr. Raimund Jung, Leiter des Jugendamts. Die heutigen Aufgaben und Tätigkeiten hätten völlig andere Schwerpunkte.

Spätestens 1991 wandelte sich der Charakter des Jugendamts grundlegend, als mit einer Gesetzesänderung ein Paradigmenwechsel vollzogen wurde: Weg von Fürsorge, Kontrolle – der Bürger als Objekt fürsorglicher Bevormundung – hin zu einem sozialpädagogischen Fachamt, bei dem der Bürger als individuelles Subjekt mit Rechtsansprüchen in den Blick genommen und beteiligt wird, wie es Georg Ritter formuliert, Leiter der Abteilung Soziale Dienste. „Ziel ist, Eltern und Kinder in ihren Rechten zu stärken“, betont Ritter. „Man setzt heute nicht mehr bei den Defiziten, sondern den Stärken der Adressaten an, beachtet ihre Lebenswelt, leistet Hilfe zur Selbsthilfe.“ Nur dort, wo professionelle Hilfe wirklich nötig sei, soll sie auch gewährt werden. Neben der Lobbyarbeit für Kinder, Jugendliche und Eltern sowie der Orientierung an Lebenswelt und Interessen der Adressaten lege das Siegener Jugendamt großen Wert auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den freien Trägern.

Vielzahl an Leistungen

Gewissermaßen hat das Jugendamt überall seine „Finger im Spiel“, auch wenn viele das zunächst nicht so wahrnehmen: Angefangen mit Willkommensbesuchen kurz nach der Geburt über Kitas, Jugendparlament, Beratungsangebote, Kinder- und Jugendarbeit in den acht Einrichtungen in Siegen, Bildungsarbeit oder Ferienspiele.

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