Digitaler Wandel

Cyberbrille könnte sogar beim Schrankaufbauen helfen

Projektleiter Dr. Christopher Kuhnhen beim Rüsten der Maschine mit Hilfe der „HoloLens“: Die virtuelle Brille verschmilzt Realität und digitale Informationen zu einem Gesamtbild für den Maschinenbediener.

Projektleiter Dr. Christopher Kuhnhen beim Rüsten der Maschine mit Hilfe der „HoloLens“: Die virtuelle Brille verschmilzt Realität und digitale Informationen zu einem Gesamtbild für den Maschinenbediener.

Foto: Uni Siegen

Siegen.   Die Uni Siegen tüftelt an einer neuartigen Cyberbrille, die bei der Arbeit an Maschinen helfen soll. Hologramm soll zeigen, was zu tun ist.

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Man stelle sich vor, beim Aufbau eines Möbels würde eine intelligente Brille mit einer Art Hologramm Schritt für Schritt zeigen, was zu tun ist.

Unverständliche Bedienungsanleitungen gehörten der Vergangenheit an. Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Universität Siegen könnten so etwas ermöglichen: Zwar nicht Hobby-Heimwerkern, aber Maschinenbedienern in Unternehmen.

Cyberbrille soll bei der Arbeit an der Maschine helfen

Was passiert mit dem Wissen erfahrener Fachkräfte, wenn sie aus dem Beruf ausscheiden? Diese Frage war Ausgangspunkt für Projektleiter Dr. Christopher Kuhnhen und sein Team. Die Wissenschaftler wollten diese Expertise mit Methoden der Industrie 4.0 nahtlos an jüngere Kollegen weitergeben. Das System sei für Unternehmen konkret nutzbar und erleichtere die Arbeit, so Prof. Bernd Engel, Lehrstuhl für Umformtechnik.

In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien (Prof. Volker Wulf), dem Siegener Mittelstandsinstitut (SMI) und Betrieben aus der Region ist ein System entstanden, das Maschinenbediener mit Hilfe einer Cyberbrille bei ihrer Arbeit unterstützen und Arbeitsabläufe verkürzen soll. Im Mittelpunkt stand ein Biegeprozess, das System lässt sich aber auch auf Kunststoff oder Zerspanung übertragen. Es wurde bereits diversen Unternehmen aus der Region vorgestellt. Die Reaktionen seien überragend gewesen, berichtet Kuhnhen.

Vorteil für neue Mitarbeiter

1. Bevor die Maschine das Rohr biegen kann, muss sie gerüstet, also mit Werkzeugen bestückt werden. Der Bediener setzt die „HoloLens“, eine sogenannte Mixed-Reality-Brille auf. Blickt er auf die Maschine, erscheint dort ein virtuelles Modell. Über die Brille wird nun jeder Arbeitsschritt eingeblendet.

Zudem können erläuternde Videos abgespielt werden. So könnten auch unerfahrenere Mitarbeiter Maschinen rüsten. „Eine Art Navigationsgerät für Maschinenbediener“, so Kuhnhen. Die Dauer des Prozesses werde so um bis zu 50 Prozent verkürzt.

2. Beim Rotationszugbiegen müssen sieben verschiedene Achsen eingestellt werden. Für ein perfektes Ergebnis ist viel Erfahrung nötig – oder langes Tüfteln. Das vom Hard- und Softwarespezialisten Lachmann & Rink (Freudenberg) umgesetzte Programm schlägt dem Bediener die bestmöglichen Parameter vor. Damit das funktioniert, haben die Wissenschaftler erfahrenen Mitarbeitern des Hilchenbacher Unternehmens Westfalia Metallschlauchtechnik auf die Finger geschaut und Interviews geführt. Ihr Wissen fließt direkt in das Programm ein.

"Prozesse mit den Menschen weiterentwickeln"

3. Das Programm ist lernfähig: Wird ein Rohr mit Fehlern produziert, werden bei ähnlichen Problemen Vorschläge zur Fehlerbehebung geliefert. Und es überprüft, welche Einstellungen bei welchen Problemen zum Erfolg geführt haben. Prof. Engel hofft, dass Unternehmen so die Angst vor dem Begriff Industrie 4.0 genommen wird: „Wir wollen nicht den Menschen durch Maschinen ersetzen, sondern Prozesse mit den Menschen weiterentwickeln.“

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