Serie Handwerk

Clas Reimers aus Siegen baut und repariert Geigen

 

 

Foto: Wolfgang Leipold

Obersetzen.   Teil eins der Serie „Das Handwerk macht Musik“. Baumeister Clas Reimers bietet Kunden in Obersetzen ein Komplettpaket für Saiteninstrumente.

Clas Reimers hat einen der schönsten Arbeitsplätze der Region. Er blickt aus dem großen Fenster seiner Werkstatt in der Straße „Unterm Steimel“ auf Obersetzen und direkt über ihm hängen zahllose Streichinstrumente. Ein wahrer Geigenhimmel.

Schon mit 14 hatte der Sohn eines Pädagogikprofessors und einer Mutter, die Sängerin war und auch Geigenunterricht erteilte, nur eine Berufsidee: „Ich will Geigenbaumeister werden.“ Sein Großvater hatte als Kantor in Celle einst Gamben gebaut, weil er keinen fand, der dies zu seiner Zufriedenheit konnte. Doch der Weg, bis Clas Reimers selbst soweit war, erwies sich alles andere als leicht. Denn Ausbildungsplätze in der Geigenbauschule Mittenwald wie auch in Geigenbau-Firmen sind äußerst rar. Er bewarb sich erfolgreich bei einer Werkstatt in Norddeutschland, die sich auf Barock-Saiteninstrumente mit hohem Niveau spezialisiert hatte. Dort hat Clas Reimers drei Geigen, eine Bratsche und ein Cello gebaut und viele Reparaturen durchgeführt: „Mein Lehrmeister legte Wert auf eine umfassende Ausbildung.“ Während er das erzählt, kommt ein Kunde und möchte seine Geige, an der deutliche Spuren eigener Reparaturversuche erkennbar sind, wieder spielfertig machen lassen. Clas Reimers berät: „Ich mache neue Saiten drauf. Ein größerer Aufwand lohnt sich bei diesem Instrument nicht mehr.“ Der ältere Herr („Ich bin blutiger Anfänger“) ist zufrieden, zumal das Ganze gerade einmal 30 Euro kostet. Der Geigenbaumeister konstatiert: „Eigene Reparaturversuche können böse in die Hose gehen.“

Meistergeige aus besonderem Holz

Bis Clas Reimers im Jahr 2007 seinen Traum verwirklichen konnte, Arbeiten in der eigenen Werkstatt und Wohnen mit seiner Familie unter einem Dach zu verbinden, sollten aber noch viele Jahre vergehen. Berufliche Stationen in Berlin, wo er 1990 die Öffnung der Grenzen miterlebte, und zwölf Jahre in einer Werkstatt in Mannheim, einem Zwei-Mann-Betrieb, zu dessen Chef er bis heute ein freundschaftliches Verhältnis hat. Und vor allem 1996 die Meisterprüfung in Düsseldorf. Im Mittelpunkt stand der praktische Teil, der Bau einer Geige: „Man legt dem Prüfungskomitee Holz vor und liefert das fertige Instrument nach sechs Wochen ab.“ Bei der Holzqualität verlässt er sich auf Spezialisten: „Tonholz-Händler wissen schon, was sie aussuchen. Aber immer gilt: Bäume brauchen Zeit.“ Die Decke seines Meisterstücks ist aus Fichtenholz, Zarge, Boden und Hals aus Bosnischem Ahorn und das Griffbrett aus Ebenholz.

Die Meistergeige hängt in der Werkstatt, direkt über seinem Arbeitsplatz und neben der Bratsche eines renommierten, inzwischen verstorbenen Kollegen. Clas Reimers will sie eigentlich verkaufen, doch: „Das muss sich ein Kunde verdienen, dass ich sie ihm zeige.“ Soll heißen, dass ein Geigenbauer zu jeder Geige aus Meisterhand eine besondere Beziehung hat: „Je älter man wird, desto mehr überlegt man: Was hinterlasse ich?“ Seine Meistergeige hat Clas Reimers jahrelang selbst gespielt. Während jeder seiner Lebensstationen in dortigen Liebhaber-Orchestern. In Siegen beim Collegium Musicum unter der Dirigenten-Legende Herbert Ermert.

Bau dauert mehrere Jahren

Natürlich baut Clas Reimers auch an einer neuen Geige. Und das schon seit einigen Jahren. Denn ihm fehlt die Zeit: „Die Brötchen verdiene ich mit Reparaturen.“ Seine Kunden sind sehr unterschiedlich: Vom Anfänger bis zum Profi, viele aus dem Raum Marburg/Gießen und dem Ruhrgebiet. Aber auch Musiker der Philharmonie Südwestfalen gehören dazu. In Reimers Werkstatt hängen, stehen und liegen Saiteninstrumente von Geigen bis hin zum Kontrabass. Da wartet noch jede Menge Arbeit auf Geigenbaumeister Clas Reimers.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben