Politik

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak: Brexit ist großer Fehler

Paul Ziemiak bekennt sich beim Empfang zum 50-jährigen Bestehen des CDU-Gemeindeverbands Neunkirchen ausdrücklich zu Europa. Der Generalsekretär hofft nach eigenem Bekunden, dass es zum Brexit Alternativen gibt.

Paul Ziemiak bekennt sich beim Empfang zum 50-jährigen Bestehen des CDU-Gemeindeverbands Neunkirchen ausdrücklich zu Europa. Der Generalsekretär hofft nach eigenem Bekunden, dass es zum Brexit Alternativen gibt.

Foto: Michael Kunz

Neunkirchen.   Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen der CDU Neunkirchen mit Ziemiak: Noch keiner jungen Generation sei es so gut gegangen wie der heutigen.

Als sich die Gruppe schon wieder auflösen will, ruft Paul Ziemiak „Halt“ und hebt schnell noch den Arm, um ein Selfie zu machen. Damit endet der offizielle Teil der Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen der CDU in Neunkirchen am Mittwoch, 17. April, der ziemlich kurz war und in mehr als lockerer Atmosphäre abgelaufen ist.

Der neue Generalsekretär der Bundespartei hatte seinen Besuch schon zugesagt, als er seinen Posten noch gar nicht hatte und „nur“ Vorsitzender der JU war, erklärt der Gemeindeverbandsvorsitzende Bernd-Wilbert Müller den Gästen. Ziemiak sei als Südwestfale früher regelmäßig im Siegerland gewesen, ergänzt der Kreisvorsitzende Volkmar Klein und hofft, dass dies in Zukunft weiter so sein werde.

Paul Ziemiak erklärt, durch das neue Amt deutlich weniger Zeit zu haben und mehr Wünsche abschlägig bescheiden zu müssen. Er finde es etwa bedenklich, „Sonntags am Morgen und Nachmittag eingeladen zu sein, um über Familienpolitik zu reden“ und dabei seine Frau, die gerade das zweite Kind erwarte, allein zu lassen. Das mache er entsprechend nicht mehr, habe aber den Besuch in Neunkirchen in jedem Falle machen wollen.

Tour durch die wesentlichen Politikfelder

Seinen Beitrag beginnt der 33-Jährige mit Lob für die südwestfälischen Abgeordneten. Und Bundestagsmitglied Volkmar Klein bekommt Grüße „von Annegret“ ausgerichtet. Die gesamte Partei wisse sehr genau, was Klein seit Jahren vor allem in der Entwicklungspolitik leiste, sagt Ziemiak und schwenkt über zu nötigen Anstrengungen, durch Bekämpfung der Fluchtursachen potentielle Migranten in ihrer Heimat zu halten.

Seine Rede ist eine kleine Tour durch alle wesentlichen Politikfelder, vor dem Hintergrund der Notwendigkeit Europas, gegen die Alleingänge der Großmächte Gemeinsamkeit und Einigkeit zu setzen. Ganz eindeutig bekennt sich Ziemiak zur europäischen Idee, die nicht zuletzt in der Wirtschaftsregion Südwestfalen mit großem Exportanteil alternativlos sei.

Angela Merkel wichtiger Stabilitätsfaktor

Was denn die europäischen Politiker machten, um die Briten von einem Verbleib zu überzeugen, will später Gerhard Lichtenthäler wissen. Der UWG-Fraktionsvorsitzende gehört zu den zahlreichen Gästen anderer Parteien, die zur Gratulation gekommen sind, und stellt als einziger eine Frage. Zu viel Einmischung halte er für kontraproduktiv, entgegnet Paul Ziemiak, hält den Brexit persönlich aber für einen großen Fehler und hofft auf eine andere Lösung. Hinter den Kulissen werde viel geredet, gerade Angela Merkel sei dabei ein wichtiger Stabilitätsfaktor.

Dabei sei es wichtig, als Deutsche nicht zu arrogant gegenüber den Partnern aufzutreten, warnt Ziemiak und erinnert daran, dass er in Polen geboren wurde und als kleiner Junge nach Deutschland kam. Die Werte, die „bei uns vertreten werden und die uns wichtig sind“, reichten heute nicht einmal mehr bis nach Russland. Umso wichtiger sei es da, die Nachbarn zu verstehen, Einstellungen etwa in Polen oder Ungarn toleranter zu betrachten, „die Sie hier im Siegerland vielleicht in den 90er Jahren auch noch hatten“.

Einzelner Mensch in den Mittelpunkt

Nach dem Zweiten Weltkrieg und vor 50 Jahren auch in Neunkirchen sei die CDU als neue Partei entstanden, die im Gegensatz zu anderen nicht auf Ideologie oder ein gewisses Gesellschaftsbild setze, sondern den einzelnen Menschen, dessen Glück, Freiheit und Sicherheit in den Mittelpunkt stelle, betont Paul Ziemiak. Er wolle die Vorstellungen der anderen nicht verdammen. Sie stünden der CDU „mal näher, mal weniger nah“, fügt er an und sieht die AfD dabei „ganz weit weg!“.

Letztlich sei es noch keiner jungen Generation so gut gegangen, wie der heutigen, findet Paul Ziemiak und weiß , „gerade als junger Generalsekretär“, dass dies der Arbeit der vorherigen zu verdanken sei. „Danke, dass Sie Farbe bekannt haben“, ruft er den Anwesenden zu, von denen viele im Anschluss für langjährige Mitgliedschaft geehrt werden.

Darunter sind mit Ernst Ulrich Schmidt und Helmut Sander (nicht anwesend) zwei Männer der ersten Stunde. Mit Katrin Schwarz ist auch eine – einzige – Frau dabei, seit vier Jahrzehnten. Bernd-Wilbert Müller nutzt die Gelegenheit, seine Vorgänger als Vorsitzende in Erinnerung zu bringen, während Ulrich Capito der Partei für viele schöne Erlebnisse dankt, die ihm sogar die Ehrenbürgerschaft von Kansas City eingebracht hätten.

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