Prozess

Cannabisplantage: Bewährungsstrafen für Siegener

Siegener müssen sich wegen Cannabis-Anbau vor dem Schöffengericht verantworten.

Foto: Kleinrensing

Siegener müssen sich wegen Cannabis-Anbau vor dem Schöffengericht verantworten. Foto: Kleinrensing

Siegen.   Die Polizei legt nach einer Telefonüberwachung eine Drogenplantage still. Zwei Männer mussten sich nun vor dem Siegener Amtsgericht verantworten.

Warum nicht die eigene Sucht mit eigenen Produkten bedienen, dachten sich zwei Siegener und richteten in ihrer Dachwohnung im März 2016 eine kleine Cannabisplantage ein. Rund 15 000 Euro investierten K. (25) und F. (28), die sich am Dienstag vor dem Schöffengericht verantworten mussten, in ihr kleines „Unternehmen“.

Eine Nachbarin hatte die Polizei angerufen. Die Beamten sahen eine Zeitlang zu, richteten noch eine Telefonüberwachung ein und griffen schließlich im Juli zu. 59 Pflanzen wurden beschlagnahmt und die gesamte Ausrüstung. Unter anderem war die ganze Sache auch durch die enormen Stromkosten aufgefallen.

Amtsrichter: „Politische Frage“

Die jungen Männer gaben die Tat zu, die Staatsanwältin forderte ein Jahr und zehn Monate gegen den bereits vorbestraften F., sowie ein Jahr und acht Monate für seinen Partner, beides allerdings zur Bewährung. Dazu sollte jeder noch ein Bußgeld von 3000 Euro zahlen.

Das Schöffengericht sah die ganze Problematik am unteren Ende der Strafwürdigkeit. „Cannabis ist eine weiche Droge“, stellte Richter Uwe Stark fest, die Menge sei eher überschaubar gewesen, „die anhaltende Strafwürdigkeit ist eine politische Frage.“ Ein minderschwerer Fall sei es für die Schöffen und ihn nicht. „Wir wollen aber auch nicht kirchlicher sein als die anderen. “ Die Angeklagten hätten einfach den für den eigenen Bedarf nicht benötigten Rest weitervertrieben, statt ihn wegzuwerfen. Dazu sei es aber praktisch gar nicht gekommen, die Polizei habe auch keinerlei Verpackungsmaterial oder ähnliches gefunden. Für K. reiche daher die Mindeststrafe von einem Jahr mit Bewährung. F. sei vorbelastet und bekomme daher einen Monat mehr, soll aber auch nicht ins Gefängnis. Außerdem müssen beide je 1500 Euro an den Verein „Keine Macht den Drogen“ zahlen.

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