Interview

Bundeskongress der Aquaristen tagt in der Siegerlandhalle

Ferdinand Wurm ist seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender der Aquarienfreunde Siegerland. Sein 1000 Liter-Aquarium in der Wohnung hat er nach einem Schaden zwar abgebaut, aber im Keller hat er einige Zuchtbecken.

Ferdinand Wurm ist seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender der Aquarienfreunde Siegerland. Sein 1000 Liter-Aquarium in der Wohnung hat er nach einem Schaden zwar abgebaut, aber im Keller hat er einige Zuchtbecken.

Foto: Florian Adam

Siegen.   Ferdinand Wurm, Vorsitzender der Aquarienfreunde Siegerland, über den Bundeskongress der Aquaristen, Meerwasser und den Reiz von Fischen.

Aquarianer aus ganz Deutschland werden am Samstag und Sonntag, 27. und 28. April, in Siegen erwartet. Die Aquarienfreunde Siegerland veranstalten in der Siegerlandhalle den 85. Bundeskongress des Verbands Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA). Worin der Reiz dieses Hobbys liegt und warum der Besuch sich auch für Laien lohnt, ließ sich Florian Adam von Ferdinand Wurm, Vorsitzender der Aquarienfreunde, erläutern.

Ihr erstes Aquarium?

Ferdinand Wurm: Hatte ich mit 18. Ich war bei einem Bekannten, der hatte ein kleines Aquarium, etwa 100 Liter. Wir haben ihn immer wieder besucht, er hat mir alles Mögliche erklärt. Irgendwann habe ich dann meine Ersparnisse und meinen Mut zusammengenommen und mein erstes Aquarium gekauft. Den Unterschrank dafür habe ich damals selbst gezimmert. Ich hatte die ersten Fische, nach 14 Tagen kam schon Nachwuchs – und schon war das zweite Becken da.

Sie haben gar kein Aquarium in Ihren privaten Wohnräumen stehen. Wie kommt’s?

Nach 25 Jahren ist mein großes Aquarium kaputtgegangen. Wir – meine Frau und ich – haben dann überlegt: Was machen wir? Die Kosten für ein solches 1000-Liter-Aquarium sind erheblich, dazu sind noch die Stromkosten explodiert. Außerdem habe ich in den vergangenen Jahren immer mehr Aufgaben auf Vereins- und Verbandsebene übernommen, da bleibt weniger Zeit, ein großes Aquarium zu pflegen. Meine Frau hat dann gesagt: Lass es erst mal sein. Ich habe jetzt nur noch ein paar Zuchtbecken im Keller, für Störwelse.

Hohe Kosten und hoher Zeitaufwand – das klingt irgendwie nicht nach einem Hobby für jeden.

Oh, die Technik hat sich inzwischen an die Stromkosten angepasst. LED-Beleuchtung zum Beispiel hat einen viel geringeren Verbrauch. Der Trend geht außerdem zu Nano-Becken mit nur 20 bis 30 Litern Fassungsvermögen. Und ich habe ja nicht komplett aufgehört. Ich mache nur kurz Pause.

Der Reiz besteht für Sie also auch nach rund 40 Jahren noch?

Ja. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein Aquarium beruhigend wirkt. Wenn Sie davorsitzen: Sie kommen echt runter. Und davon abgesehen ist es eine interessante Variante für Allergiker, die Tiere halten möchten: Anders als bei Katzen, Hunden oder Hasen gibt es keine Probleme wegen der Haare.

Ist es nicht gerade für Anfänger furchtbar kompliziert, sich ein Aquarium zuzulegen? Nicht alle Fische vertragen sich miteinander, nicht alle Pflanzen sind für alle Tiere geeignet, es braucht spezifische Wassertemperaturen und bestimmtes Licht ...

Wenn man ganz unvorbereitet an die Sache herangeht, kann man schon ganz schön Schiffbruch erleiden. Aber es gibt sehr gute Fachliteratur zur Vorbereitung. Das Beste ist aber natürlich: in den Verein gehen. Da sind die Fachleute. Wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet, dann klappt das auch.

Haben Sie im Verein Nachwuchssorgen?

Ja. Das liegt aber weniger am Hobby an sich. Viele junge Leute haben einfach kein Interesse mehr, in einen Verein zu gehen. Dabei versuchen wir schon, die „Vereinsmeierei“ so gering wie möglich zu halten.

Wer sich einfach informieren möchte, kann also auch unverbindlich vorbeischauen?

Na sicher.

Lassen sich Kinder für das Thema erwärmen?

Hier im Ort haben wir ein kleineres Aquarium im Kindergarten. Alle zwei Wochen gehe ich hin. Wenn es dann um Technik geht, darum, den Schlauch zu halten, das Wasser zu wechseln oder den Filter auseinander und wieder zusammenzubauen: Da merke ich, dass die Kinder voll dabei sind.

Ich will Fische ja nicht in die Pfanne hauen: Aber im Grunde schwimmen die doch nur hinter Glas. Mit einer Katze oder einem Hund hingegen können Kinder spielen oder schmusen.

Aber Fische muss man beobachten. Wenn Katzen oder Hunde krank sind: Die jaulen, das merken Sie schnell. Aber Fische machen keine Laute, wenn es ihnen nicht gut geht; sie verändern ihr Verhalten. Und darauf muss man achten, um das zu erkennen.

Die Faszination einer Spezies, die sich extrem von uns unterscheidet?

Ja, das kann man so sagen.

In manchen Restaurants stehen Aquarien als Deko. Ich habe das sogar schon in Discos in der Nähe der Boxen gesehen. Belastet das die Fische nicht?

Doch. Das geht gar nicht! Fische können sehr gut hören. Sie haben zwar keine Ohren, aber das Seitenlinienorgan, und damit spüren sie jede kleinste Druckwelle. Schon an die Scheibe zu klopfen bedeutet für die Tiere Stress.

Was steht am Wochenende in der Siegerlandhalle an?

Am Freitag haben wir Verbandstag, quasi eine Jahreshauptversammlung. Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte haben wir uns angewöhnt, anschließend noch unseren Bundeskongress durchzuführen – weil die Vereinsvorsitzenden aus ganz Deutschland ohnehin schon da sind.

Der Kongress ist aber keine geschlossene Veranstaltung?

Nein, er ist komplett öffentlich, der Eintritt ist sogar frei. Unser Ziel ist es, noch mehr Menschen für dieses Hobby zu gewinnen.

Was steht auf dem Programm?

Wir starten am Samstag mit einem Multivisionsvortrag: „Eine Reise durch die Vivaristik“. Darunter fällt ja ganz viel: Fische, Pflanzen, Frösche, Insekten – wir spannen erst einmal einen großen Bogen über dieses Hobby. Dann gibt es Vorträge über Wasserpflanzen, Trends, Ernährung. Das ist auch für Laien interessant.

Und zum Abschluss: Süßwasser oder Meerwasser im Aquarium?

Früher hieß es: Meerwasser ist die absolute Krönung – wegen des Aufwands, weil man nicht einfach den Wasserhahn aufdrehen kann. Man musste das Wasser genau richtig anmischen, es dann zwei Wochen reifen lassen ... Aber mit heutiger Technik ist das alles viel einfacher, dass kann man sich auch als Anfänger zutrauen. Ich finde sogar, es sollte sich viel mehr dafür interessiert werden: Es macht 97 Prozent des Wassers auf der Welt aus. Die Musik spielt im Meerwasser.

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