Philathelie

Briefmarkenfreunde: Zum Jubiläum Briefmarken mit Dilldappen

Christoph Rothenpieler, Rainer Wagener – in der Uniform des Deuzer Landzustellers Heinrich Schmick, der von 1922 bis 1955 im Dienst war –  und Wilfried Lerchstein (von links) stimmen auf das Jubiläum der Briefmarkenfreunde ein.

Christoph Rothenpieler, Rainer Wagener – in der Uniform des Deuzer Landzustellers Heinrich Schmick, der von 1922 bis 1955 im Dienst war – und Wilfried Lerchstein (von links) stimmen auf das Jubiläum der Briefmarkenfreunde ein.

Foto: Steffen Schwab / WP

Netphen.  Wie Ikarus hebt der Dilldapp mit den Briefmarkenflügeln ab: Matthias Kringe feiert am Samstag mit den Briefmarkenfreunden Netphen.

Briefmarkenfreunde? Sind das die älteren Männer, die mit Lupe und Pinzette Postwertzeichen untersuchen, taxieren, tauschen und sortieren? Ja, auch. Ansonsten können sie aber auch sehr witzig sein. Vereinsvorsitzender Wilfried Lerchstein zum Beispiel, wenn er vorführt, wie er sich den Briefmarken-Weitflugwettbewerb am Samstag vorstellt, wenn der Netphener Verein in der Georg-Heimann-Halle sein 50-Jähriges feiert: „Fünf Meter irgendwas hatten wir schon mal.“

Von denen, die Eduard Ley 1969 selbst – wie er schrieb – „ausfindig gemacht und aufgesucht“ hat, um mit ihnen einen „Briefmarken-Sammlerverein“ zu gründen, ist heute keiner mehr aktiv. Bis zu 100 Mitgliedern hatte der Verein in seinen besten Zeiten, als die „Jungsammler“ sogar eine eigene Jugendgruppe bildeten. Heute sind es exakt 48, die zum monatlichen Tauschtreff (2. Sonntag, 10 bis 12 Uhr) ins Heimatmuseum eingeladen werden. Und bei den Neuzugängen sind sie gar nicht mal schlecht: Mit neun im letzten Jahr haben sie die Großstadtclubs locker in den Schatten gestellt – oft sind es jetzt nicht junge Leute, sondern frisch gebackene Rentner, die das Hobby wieder oder erstmals entdecken.

50 Jahre Briefmarkenfreunde Netphen
50 Jahre Briefmarkenfreunde Netphen

Eduard Ley und seine Mitstreiter haben die Schmuckumschläge und die Sonderstempel selbst gezeichnet, die in der Vereinssammlung zu besichtigen sind. Die heutige Generation geht weiter: Sie macht auch die Briefmarken selbst. Wilfried Lerchstein hat das Angebot der Post, individuelle Briefmarken zu gestalten, schon zu vielen Angeboten genutzt. Und nun natürlich auch zum Jubiläum des eigenen Vereins.

Dilldappen-Schöpfer Matthias Kringe steuert die Motive bei: unter anderem mit einem wie Ikarus fliegenden Dilldappen, dessen Flügel aus zwei Briefmarken bestehen. „Die Briefmarkenfreunde möchten auch in den nächsten 50 Jahren noch existieren“, sagt Vereinsschatzmeister Christoph Rothenpieler und freut sich auf ein gewisses Aufsehen. Ob das Ziel zu hoch hinaus geht? Man weiß ja, wie die Geschichte mit Ikarus ausgeht: Die Sonne verbrannte seine Flügel.

Der Mann mit dem Posthorn

Dass Rainer Wagener ein Posthorn hat, ist kein Zufall. Der Natur- und Jagdhornbläser leitet eine Reihe von Bläsergruppen, ist Chef der Rothaarsteig-Alphornsolisten und saß auf dem Bock, als der Nachbau des ersten Motor-Omnibusses der Welt seine Fahrt in den neuen gläsernen Pavillon am Deuzer Bahnhof antrat. Dort hat ihn der Vorsitzende der Briefmarkenfreunde angesprochen , die beim Bus-Jubiläum im März 2020 natürlich auch mitfeiern – so wie schon 1970, als Eduard Ley selbst die „Verkehrsfesttage“ organisierte, zum 75-Jährigen der ersten Omnibuslinie der Welt. „Ich bin neugierig geworden und habe viel darüber erfahren“, sagt Wagener, dem die Briefmarkenfreunde gleich einen ganzen Stapel der „Postgeschichtlichen Blätter“ zum Nachlesen mitgeben.

Postgeschichte(n)

Zum Briefmarkensammeln gehört unweigerlich auch die Postgeschichte. „Ich möchte ein Buch über das Postwesen im Netpherland herausbringen“, sagt Wilfried Lerchstein, „ich bin schon seit vielen Jahren dabei, Material zu sammeln.“ Und das ist eine ganz eigene Herausforderung. Bei der Kleinbahn, zum Beispiel, hatte jeder Zug einen eigenen Stempel, „da habe ich noch Lücken.“

Von der Deuzer Post hat er zwar den Gebäudegrundriss, aber keine Fotos von innen, „Ich habe nie daran gedacht, die Kamera mitzunehmen. Und dann haben die zugemacht.“ Wie fast alle. 1993 war noch mal so eine Episode, als Netphen eine neue Postleitzahl bekam: Nach „5901“, „5931“ und „5902“ wurde es nun „57250“. Auch die vier Poststellen in den „-hausen“-Dörfern bekamen den neuen Stempel noch. Aber wer hat noch die damit gestempelten Briefe? „Der ist nur schlappe vier Monate gelaufen.“ Dann machte die Post auf den Dörfern für immer dicht.

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