Justiz

Prozess um Disco-Brand in Freudenberg: Rocker unter Verdacht

Der Schaden in der Diskothek Ox in ist immens.

Der Schaden in der Diskothek Ox in ist immens.

Foto: Henning Prill

Siegen/Freudenberg.   Hinter der Brandstiftung in der Disco Ox in Freudenberg könnte ein Ritual aus dem Rocker-Milieu stecken. Der Prozess dürfte kompliziert werden.

Etwas mehr als ein halbes Jahr ist vergangen, seit die vier Angeklagten erstmals vor dem Siegener Schöffengericht aufgetreten sind.

Wieder geht es um den Brandanschlag auf die Freudenberger Diskothek „Ox“ in der Nacht zum 10. Januar 2014. Und wie schon im August 2018 sieht es nicht so aus, als könnte es eine leichte Entscheidung für das dreiköpfige Gremium unter Vorsitz von Amtsrichter Uwe Stark werden.

Auch an diesem Dienstag, 16. April, gibt es keine einheitliche „Front“ auf Seiten der Angeklagten, die mit ihren Verteidigern eine lange Sitzreihe im Saal 083 bilden. Zwei Männer, deutsche Staatsbürger (34 und 28), sagen aus, zwei – mit türkischem Pass – schweigen.

Die beiden ersten waren die Ausführenden, die letzteren die Anstifter, zumindest nach Darstellung der anderen und der behördlichen Ermittlungen. Die ersten beiden wollten nach eigenem Bekunden vollwertige Mitglieder des Rockerclubs „Black Jackets Westend Siegen“ werden, dem die anderen Männer bereits länger angehörten.

Benzinkanister und Molotow-Cocktails

Einer von diesen ist oder war sogar Vizepräsident des regionalen „Chapters“, wie die Ortsgruppen in der Szene genannt werden.

Nach den Aussagen fuhren alle vier in jener Nacht nach Freudenberg, wo die beiden Anwärter im Auto von ihrer Initiationsaufgabe erfuhren. Eben das Feuerlegen in der Diskothek, mit dem Zweck, eine längere Schließung herbeizuführen. Dafür hätten bereits Benzinkanister und „Molotow-Cocktails“, Brandsätze in Flaschen, im Fahrzeug gelegen.

Kleider der Männer fangen Feuer

Trotz Bedenken wollen dann beide zur Tat bereit gewesen sein, immer vor dem Hintergrund ihrer erhofften Vollmitgliedschaft in einem Club, in dem nun einmal bei solchen Aufgaben keine Fragen gestellt worden seien.

Nur die beiden Anwärter betraten die Disko, nachdem sie sich gewaltsam Einlass verschafft hatten, verschütteten das Benzin und setzten es in Brand. Dabei fingen die Kleider beider Männer Feuer, was beim Älteren zu schwersten Verletzungen führte.

Er wurde nach Hause gefahren und lag zunächst in seiner Wohnung, mit der klaren Anweisung, trotz seines bedenklichen Zustandes auf keinen Fall zum Arzt zu gehen.

Schließlich brachten ihn besorgte Bekannte dennoch in eine Aachener Spezialklinik, wo er aufwachte, ohne die geringste Erinnerung an die Tat zu haben.

Ehefrau verweigert Aussage

Was er heute wisse, habe er überwiegend durch seine Frau und weitere Personen erfahren, sagt der Mann, was die Einlassung für das Gericht problematisch macht.

Ein Gutachten über die Auswirkungen von Gedächtnisverlust und der möglicherweise suggestiven Wirkung fremder Mitteilungen müsse aber wohl nicht sein, überlegt Richter Stark in Richtung des Angeklagten.

Dessen Gattin verweigert im Zeugenstand die Aussage. Der Mittäter hat im August die anderen beiden, vor allem den Vizepräsidenten, noch direkt belastet. Diesmal bleiben seine Aussagen vergleichsweise vage, es sei ja alles schon so lange her.

Einige Zeugen kommen nicht, sind unter anderem im Urlaub.

Der Prozess wird am Dienstag, 30. April, fortgesetzt.

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