Gericht

Brandstiftung an Rothaarhütte: Der Prozess geht weiter

Vor rund zwei Monaten wurden bereits zwei Männer verurteilt. Nun geht es um die anderen mutmaßlichen Täter.

Vor rund zwei Monaten wurden bereits zwei Männer verurteilt. Nun geht es um die anderen mutmaßlichen Täter.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Der dritte Beteiligte steht vor dem Landgericht. Der 26-Jährige gibt Einbruch zu und bestreitet jede Verantwortung für das Feuer.

Gut zwei Monate ist es her, dass zwei junge Männer wegen einer Serie von Verbrechen verurteilt wurden, zu der auch das Niederbrennen der Rothaarhütte gehörte. Seit gestern gibt es einen „Nachdreher“ im Landgericht, muss sich der dritte von insgesamt vier Beteiligten vor der Siegener Strafkammer verantworten.

Der Vorwurf

Der 26-Jährige soll bei den Einbrüchen in die Hütte und ins Haus Hohenroth dabei gewesen sein, außerdem wird ihm eine Mitschuld bei der Zerstörung des in Hilchenbach gestohlenen Renault Clio vorgeworfen. Den hatten die beiden bereits verurteilten Haupttäter am 12. Juni 2017 unter dem Vorwand einer Probefahrt „abgezockt“. Später wurde das Auto nach dem Einbruch im Forsthaus in der Nähe der Ginsburg zu Schrott gefahren und verbrannt.

Der Angeklagte

Verteidiger Christoph Rühlmann räumt für seinen Mandanten ein, dass dieser am 5. Juni des Vorjahres mit in die Rothaarhütte eingebrochen ist und beim Vorfall eine Woche später zumindest vor dem Gebäude anwesend war. Angesteckt habe er die Hütte nicht, versichert der Angeklagte anschließend und will zur Tatbeteiligung der anderen keine Angaben machen. Auch beim Auto bestreitet er jede Verantwortung für das Feuer. Es habe einen Plan gegeben, den Wagen loszuwerden, mehr nicht.

Er sei damals in einer schwierigen Lage gewesen, schwer auf Drogen, ohne Arbeit und Geld, sagt der heute 26-Jährige. Für ihn hätten die Einbrüche zumindest die Möglichkeit eröffnet, an Geld zu kommen, so seine Begründung für die Tatbeteiligung. Der junge Mann will durch die Scheidung seiner Eltern mit elf Jahren völlig aus der Bahn geworfen worden sein, danach versagte er in der Schule und geriet in schlechte Gesellschaft. Die strenge Hand eines Vaters müsse wohl gefehlt haben: „Wer weiß, wenn es ein Jahr später gewesen wäre, wäre ich vielleicht ein vorzeigbares Mitglied der Gesellschaft geworden…!“, mutmaßt er vor Gericht. Er sei damals dumm gewesen, „in einem Strudel“, habe einfach nicht nachgedacht.

Er hat bereits mehr als zwei Jahre gesessen, war nach den Taten bis Ende 2017 auf der Flucht. Danach kam er in Untersuchungshaft und hat sich zumindest um eine freiwillige Drogentherapie bemüht. Eine Zwangsbehandlung zum Entzug lehne sein Mandant ab, betont Anwalt Rühlmann.

Die Zeugen

Der bereits verurteilte 18-jährige Haupttäter bestätigt, mit dem jetzigen Angeklagten in der Hütte gewesen zu sein. Dort habe er spontan den Entschluss gefasst, Feuer zu legen und zumindest ein Lachen bei seinem Begleiter wahrgenommen. „Ich habe mich dann umgedreht und die Gardinen angezündet“, erklärt der Zeuge weiter. Was der Angeklagte getan habe, wisse er nicht.
Der zweite bereits verurteilte Täter war draußen, will gar nichts vom Feuer bemerkt haben.
Der vierte Mann kommt nicht und soll zu einem späteren Zeitpunkt gehört werden.

Einen Nachweis in Sachen Brandstiftung zu führen, werde wohl schwierig, stellt Richterin Elfriede Dreisbach am Ende dieses Verhandlungstags fest.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch auf Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben