Projekt

Azubis schmeißen den Laden in Dreis-Tiefenbach

Vanessa Wittmann sortiert Obst und Gemüse: Was aus dem Verkauf genommen wird, aber noch gut ist, geht täglich an die Tafel.

Vanessa Wittmann sortiert Obst und Gemüse: Was aus dem Verkauf genommen wird, aber noch gut ist, geht täglich an die Tafel.

Dreis-Tiefenbach.   Zwei Wochen lang sind 24 Auszubildende aus der Region für die Lidl-Filiale  verantwortlich. Lernen im und für den Alltag.

Wenn das Geschäft läuft, der Laden gut da steht, alles an seinem Platz ist – „das freut mich“, sagt Chris Richard. Andere hätten dieses Gefühl vielleicht, wenn sie einen Schrank gebaut haben, „bei mir ist es die Filiale“.

Zusammen mit 23 anderen Auszubildenden hat der Schmallenberger für zwei Wochen die Lidl-Filiale in Dreis-Tiefenbach betreut: 24 Azubis zum Verkäufer, Einzelhandelskaufmann und Handelsfachwirt, überall aus der Region, haben die Filiale zwei Wochen lang betrieben, nachbestellt, Waren sortiert, Brot gebacken, abkassiert, kommissioniert, geputzt und was an ungezählten Handgriffen noch alles in einem Discounter zu tun ist.

Das Azubi-Projekt

Dafür haben sie sich beworben. Motivationsschreiben, warum sie teilnehmen wollen, welche Ziele sie für die Zeit nach der Ausbildung haben, die besten wurden ausgewählt. „Training on the job“, nennt das der Konzern, Erfahrungen im Alltag sammeln, sich selbst und andere organisieren, Fähigkeiten erweitern, Sicherheit gewinnen.

Chris Richard und Vanessa Wittmann wollten immer schon Filialleiter werden, haben diese Rolle für zwei Wochen übernommen und wollen das auch weiterhin.

Vanessa Wittmann hat Malerin und Lackiererin gelernt, nebenbei an der Tankstelle gejobbt und gemerkt, dass sie gern in Kontakt mit Kunden ist. „Das liegt mir“, sagt sie. Ihr wurde Verantwortung übertragen, sie hat die Chance, sich hochzuarbeiten.

„Wir wollen Leute, die Bock auf Einzelhandel haben“, sagt Aus- und Weiterbildungsleiter Sven Fahnenbruck, „die mit Herz und Verstand bei der Sache sind und das dem Kunden auch transportieren.“

Das Ziel

Die Auszubildenden sind in verschiedenen Lehrjahren, haben unterschiedliche Schwerpunkte und Fähigkeiten. „Wir können uns gegenseitig viel beibringen“, sagt Wittmann, „das klappt ganz gut.“

Chris Richard und sie haben Auszubildende koordiniert und organisiert, die anderen Azubis entsprechend ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten eingeteilt, sich geschult, anderen die Chance gegeben, sich auszuprobieren, wenn jemand in einem Bereich noch keine Erfahrung hat.

Die Backtheke zum Beispiel: Bis da Brot und Teilchen so landen, wie sie der Kunde sieht, muss vorbereitet werden. Hygiene ist ein Thema, der Umgang mit frischen Lebensmitteln, mit Obst und Gemüse. Empfindliche Ware darf nicht gestapelt werden.

Der Alltag

Lidl-Filialen ähneln sich in vielem, aber eben nicht in allem. Chris Richards Stammfiliale zum Beispiel ist nicht linksgerichtet – für ihn war anfangs alles spiegelverkehrt. „Aus unseren Stammfilialen kennen wir die Arbeitsabläufe“, sagt Vanessa Wittmann, dort sind sie meist die einzigen Auszubildenden.

In Dreis-Tiefenbach müssen sie sich eingewöhnen, bis das Azubi-Team funktioniert. Anfangs lief es naturgemäß etwas holprig, sagt Chris Richard – so ist das halt, wenn zwei Dutzend junge Leute, die sich und die örtlichen Gegebenheiten nicht kennen, alles, aber auch wirklich alles in Eigenregie stemmen. Hat aber geklappt. „Keine Katastrophen“, sagt Vanessa Wittmann.

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