"Antisemitismus von unten" in Siegerland und Wittgenstein

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Siegen (ch.st.) "Mit Scheibenklirren und Johlen" stellte Ulrich Opfermann, Vorsitzender des Aktiven Museums Südwestfalen, in der Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit vor. ...

... Thema des Buches ist der "Antisemitismus von unten" - mit Blick auf Siegerland und Wittgenstein. Deutlich wurde: der Umgang mit der Nazizeit in der Region Siegen und Wittgenstein weist Besonderheiten auf, die in eine lange Geschichte des Antisemitismus einzubetten sind. Dass die politischen und vor allem die gesellschaftspolitischen Ereignisse 1938 in der Region kein plötzliches Aufflammen einer antijüdischen Gesinnung waren, war für Ulrich Friedrich Opfermann zunächst Hypothese. Nach den Recherchen für den Sonderband des Jahrbuches für regionale Geschichte, herausgegeben vom Aktiven Museum Südwestfalen, hat der Autor Gewissheit: Die Ablehnung gegenüber Juden hatte bereits eine lange Vorgeschichte und kam in starkem Maße aus der Bevölkerung.

Jüdische Siedler in Wittgenstein integriert

Während die Nachbarn unter dem Landesherrn von Nassau-Diez jüdische Siedler akzeptiert und integriert hatten, herrschte im Siegerland als Teil der Nassauischen Staaten die Meinung vor: "Juden besser nicht als Nachbarn." Auch wenn die Quellenlage schlecht sei, gebe es Hinweise, dass Versuche von Juden, sich im Siegerland niederzulassen, am Widerstand der Bevölkerung und nicht etwa an der Gesetzeslage scheiterten.

Anders in Wittgenstein: Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es vermehrt jüdische Siedler, die integrierter Teil des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens waren. Unter Einbeziehung der politischen Kräfte der damaligen Zeit zeigt Opfermann auf, wie sich antisemitisches Gedankengut seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts über die Weimarer Republik, über das Dritte Reich bis hin zum heutigen Neonazismus fortgesetzt und ausgewirkt hat. Dabei beleuchtet der Autor die interaktive Praxis der regionalen Volksgemeinschaft und Politik. "Geht man in der geschichtlichen Auseinandersetzung auf die Feinstrukturen ein, kann man feststellen, der ,kleine Mann` war als gesellschaftlicher Akteur durchaus aktiv." Spannend an dem Buch sei vor allem "der Transfer in den regionalen Geschichtsdiskurs". Das Buch ist ab sofort erhältlich im Aktiven Museum Südwestfalen, Siegen, Obergraben 10; in der Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Häutebachweg 6, sowie in Buchhandlungen.

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